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Kulturlandsgemeinde startet morgen Samstag

Politiker, Wissenschafterinnen, Künstler, Dorfbewohner: an kaum einem Anlass begegnen sie sich. An der Kulturlandsgemeinde steht dieser Austausch im Zentrum. Über ein Festival, das versucht, vom Nischenpublikum wegzukommen. Organisatorin Margrit Bürer sagt: «Manchmal wünsche ich mir mehr Jüngere im Publikum»
Julia Nehmiz
Margrit Bürer, Leiterin Amt für Kultur, Appenzell Aussserhoden. (Foto: Michael Genova)

Margrit Bürer, Leiterin Amt für Kultur, Appenzell Aussserhoden. (Foto: Michael Genova)

Die Landsgemeinde fand in Appenzell Ausserrhoden 1997 zum letzten Mal statt. Doch der Name lebt weiter, 2005 wurde die erste Kulturlandsgemeinde abgehalten. Damals wollten Künstlerinnen, Künstler und Kulturschaffende darauf dringen, dass Ausserrhoden endlich ein Kulturförderungsgesetz erhält. Das bekam der Kanton, die Kulturlandsgemeinde blieb – und ist gewachsen. Margrit Bürer, seit 2006 Leiterin des damals neu gegründeten Ausserrhoder Amts für Kultur, über den Wert dieses kleinen, spartenübergreifenden Kulturfestivals, demokratische Momente und die Suche nach einem jüngeren Publikum.

Viele Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder beklagen noch heute den Verlust der Landsgemeinde. Soll die Kulturlandsgemeinde Ersatz liefern?
Margrit Bürer: Nein, das war nie und ist nicht der Anspruch. Aber sie steht in der Tradition der Landsgemeinde: Sie ist nicht nur eine Veranstaltung, sondern dient auch der Begegnung und der Meinungsbildung. So wird jedes Jahr eine Sendschrift verfasst. Doch es gibt auch Stimmen, die den Namen nicht mehr zeitgemäss finden.

Auch sonst hat die Kulturlandsgemeinde wenig mit dem grossen Vorbild gemein, auf dem Programm stehen Workshops, Diskussionen und keine Abstimmungen.
Doch, immer wieder werden an der Kulturlandsgemeinde Abstimmungen abgehalten. 2015 stimmten die Teilnehmenden ab, welches Werk in die Sammlung des Kantons aufgenommen wird. Letztes Jahr wurde die schönste Postkarte des Säntis als Wetterberg gewählt. Es gibt viele demokratische Momente. Für die Sendschrift können alle Besucherinnen und Besucher Inputs geben, die Redaktionssitzung am Samstagabend ist öffentlich.

Was passiert mit so einer Sendschrift? Hat sie schon mal Auswirkungen gezeigt?
Nicht nur einmal. Die Sendschrift zum Thema Migration erhielt 2010 eine Anerkennung der Unesco als Beitrag zum Jahr der Annäherung der Kulturen. Und die Sendschrift zum Thema Erben und Vererben fand Eingang in die Stiftung Erbprozent Kultur, die 2015 im Umfeld der Kulturlandsgemeinde entstand.

Die Kulturlandsgemeinde wird jetzt zum 15. Mal abgehalten. Wie hat sie sich im Lauf der Jahre verändert?
Sie ist gewachsen. Die erste Kulturlandsgemeinde dauerte drei Stunden, es gab einen Vortrag, eine Kunstaktion vor kleinem Publikum. Jetzt dauert sie zwei Tage mit vielen Veranstaltungen von Diskussionen über Workshops, Interventionen von Kunstschaffenden bis zum gemeinsamen Essen. Insgesamt zählen wir 600 bis 800 Menschen am Festival.

Tönt nach viel, ist aber trotzdem ein Nischenpublikum.
Nein. Rund die Hälfte der Besucherinnen und Besucher sind Stammpublikum. Ein Viertel kommt wegen bestimmter Referenten oder Künstlerinnen. Das andere Viertel des Publikums ist aus dem Ort, in dem die Kulturlandsgemeinde stattfindet. Darunter sind auch viele, die sonst nicht solche kulturellen Anlässe besuchen.

Man sieht aber hauptsächlich Ältere im Publikum.
Manchmal wünsche ich mir mehr Jüngere. Wir haben schon mehrere Versuche gestartet, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Dieses Jahr haben wir das Institut Neue Schweiz mit ihrer Late Night Show eingeladen. Aber insgesamt könnten wir nicht viel mehr Publikum verkraften. Da das Festival jedes Jahr in einer anderen Gemeinde stattfindet, müssen wir immer geeignete Räume finden. Und wir können nicht endlos wachsen, da sonst die Begegnung zwischen Publikum und Podiumsgästen nicht mehr stattfinden könnte.

Wie sieht es mit der finanziellen Förderung aus?
Die vierjährige Finanzierungsperiode läuft jetzt aus, wir sind im Gespräch mit Kanton und Stiftungen, damit wir auch in den folgenden Jahren eine Kulturlandsgemeinde veranstalten können. Dieses Festival, an dem sich Künstler, Wissenschafterinnen, Politiker und Dorfbewohner begegnen, ist wirklich einzigartig.

Diskussionen und Kunst

Unter dem Titel «Macht. Gemein. Sinn.» wird an der Kulturlandsgemeinde in Teufen hinterfragt, was die Gesellschaft zusammenhält. Im Zeughaus, Lindensaal und Zirkuszelt finden von Samstagvormittag bis Sonntagmittag Diskussionen, Workshops, Kunstaktionen statt. So wird erklärt, wie man Wikipedia-Artikel verfasst oder Wildbienen-Nisthilfen baut. Kabarettist Nils Althaus lotet uneigennütziges Handeln aus. Am Samstagabend wird die «erste postmigrantische Late Night Show der Schweiz» gezeigt. Am Sonntag erzählt Choreograf Martin Schläpfer aus seinem Schaffen. (red)

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