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Blue Balls: Kuno Lauener setzt Nadelstiche ins FCL-Fan-Herz

Züri West überzeugen am Blues Balls mit einer schönen Reise durch ihr Repertoire. Kuno Lauener fand dabei sogar die Musse für ein kurzes Gedicht über Gerry Seoane.
Michael Graber
Emotional stark: Züri West mit Frontmann Kuno Lauener beim Auftritt am Blue Balls Festival im KKL. (Bild: Philipp Schmidli, 21. Juli 2018)

Emotional stark: Züri West mit Frontmann Kuno Lauener beim Auftritt am Blue Balls Festival im KKL. (Bild: Philipp Schmidli, 21. Juli 2018)

Irgendwann, so in der Mitte ihres Sets, spielen Züri West «Pünktli». Sie widmen es Polo Hofer, der gestern vor einem Jahr gestorben ist. Polo sitze jetzt irgendwo da oben, sagt Kuno Lauener, kiffe, oder trinke ein Glas Rotwein und schaue auf uns herab. Vielleicht, so Lauener, belächle er gar, was wir tun. «Vo hie us gseh, gseht d’Wäut gäng schön u blau us, si schint jetz chuum meh grösser aus e Gufechnopf», singt Lauener. Und es ist rührend im besten Sinne.

«So, jetzt aber genug mit diesem depressiven Mist», holt einem Lauener jäh-sympathisch zurück auf diesen «Gufechnopf», der an diesem Samstagabend der Luzernersaal im KKL am Blue Balls ist. Es folgt das musikalisch lebendigere «Mojito», das aber eigentlich ja auch von etwas Traurigem handelt – vom Scheitern der Liebe. Kuno Lauener und seine fünf Kollegen sind keine Propheten der guten Laune. Oft sind es recht tragische Momente, die da besungen werden, erzählt mit einer gewissen Nonchalance, die einem die Abgründe etwas erträglicher machen.

Drei Dinge, die im Leben wichtig sind

Was zu den bewundernswerten Eigenschaften von Züri West gehört, ist die Tatsache, dass sie zwar einen ganzen Rucksack voller Hits haben, diesen aber in den ersten zwei Drittel des Konzerts verschlossen halten. Sie rumpeln den Abend mit «Ggange Ohni Z’gah» an und gehen dann zu älterem Material über. «Dieser Song hat Jahrgang 1987. Im gleichen Jahr wurden auch Blerim Džemaili und Claudio Lustenberger geboren», so Lauener. Das ist eine clevere Art mit dem eigenen Alter umzugehen und einmal mehr über Fussball zu sprechen.

Das tut der Sänger oft. Sein geliebtes YB ist immer noch berauscht vom Meistertitel und der FCL hatte soeben 0:2 gegen Xamax verloren. Lauener setzt für den FCL-Fan ein paar gemeine Nadelstiche. Unter anderem holte er ein Gedicht aus seiner Hosentasche, dass er extra am Morgen in seinem Garten geschrieben habe: «De Trainer vo Lozärn esch en Guete, Äxgüse. Jo scho Schatz, aber jetzt esch er üse». Das ist derart charmant unbeholfen, dass es mehr schmeichelt als wehtut.

Vor 25 Jahren habe es für ihn damals nur drei wichtige Dinge gegeben, sagt Lauener: «Rock ‘n’ Roll, YB und Geschlechtsverkehr.» Das sei bis heute eigentlich so geblieben (ausser, dass er nach dem Geschlechtsverkehr immer auf die Waage springe, um zu sehen, ob es auch etwas gebracht hat). Was vielleicht auch erklärt, warum die Songs insgesamt etwas brummliger und drückender daherkommen. Den Rock – und YB – haben Lauener und seine Mannen im Blut behalten.

Der Sound klingt satt und warm, man versteht die Texte gut und die Show ist bis auf drei kleine Leinwände und ein paar Lampen reduziert gehalten. Züri West ist keine dieser Bluffer-Bands, die mit viel Pomp einfahren, um fehlende Substanz zu kaschieren. Lauener sieht für seine 57 Jahre immer noch beneidenswert frisch aus, und als er sich seines Jackets entledigt, glaubt man gar ein sanftes Kreischen zu hören. Das Publikum im gut gefüllten Luzernersaal ist grösstenteils mit den Züris älter geworden, aber auch jüngere Gesichter sind da.

Sänger Theo Hutchcraft von der britischen Band Hurts. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
(Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
Die Band machte sich einen Namen mit Sogs wie «Wonderful life» und «Stay». (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
(Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
Alanis Morissette. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Count Gabba & Friends auf dem Schweizerhof Plaza. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Trailhead auf dem KKL Plaza. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Essensstände laden zum Verweilen ein. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Besucher am Blue Balls 2018. Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. Juli 2018)
Melody Gardot. Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. Juli 2018)
Jodie Abacus. Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 25. Juli 2018)
Tom Odell. Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 25. Juli 2018)
Sie geht am Blue Balls ab. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Sie tanzen am Blue Balls. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Am Konzert am Schweizerhof geht die Post ab. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Zahlreiche Essensstände rund um den See laden ein. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Das Publikum ist vom gebotenen begeistert- Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Darf noch ein Drink sein? Das Blue Balls zu später Stunde. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Zur Vorabendzeit sind die Stände vor dem Pavillon gut besucht. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Sie nimmt einen kühlen Schluck. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Jessie J. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)

Jessie J. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)

Wolfmother Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 23. Juli 2018)
Black Pistol Fire mit Sänger Kevin McKeown. Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 23. Juli 2018)
The British soul singer Beverley Knight at the Blue Balls Festival in Lucerne, Switzerland, Monday July 23, 2018. The music event runs from 20 to 28 July. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Gary Clark Jr. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Züri West. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 21. Juli 2018)
Unter dem KKL versammeln sich die Konzertbesucher. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Milow. Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 22. Juli 2018)
Künstler am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Marius Bear Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Sari Schorr Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Ein Paar tanzt am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Zwei Kinder tanzen am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Miss T & The Mad Tubes am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Kunst entsteht live: Das Brüderpaar One Truth bei der Arbeit im Pavillon am Luzerner Seebecken. Bild: Manuela Jans-Koch (20. Juli 2018)
Seven (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Rose Ann (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Kail Baxley (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Keir. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Festival-Direktor Urs Leierer (links) mit Fotografin Leonn Ward und Musiker Keir beim Auftakt zum Blue Balls Festival (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
Zuschauer versammeln sich unter dem KKL-Dach. (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
Keir (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
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Blue Balls Festival 2018

Inspiriert auch in den routinierten Momenten

Als die Band den Rucksack mit den Hits dann doch noch öffnet, schaltet auch das Publikum einen Gang höher. Der «Alpeflog» (kurz bevor der Flieger abstürzt, spricht Lauener erneut über den FC Luzern) kommt ebenso wie «I Schänke Dr Mis Härz» oder «Fingt Ds Glück Eim?» (diesen Song widmet er YB). Dazu noch der wunderschöne Titel «Schatteboxe» vom aktuellen Album «Love». Selbst in diesen routinierten Momenten wirkt die Truppe um Lauener erfreulich inspiriert.

Man kann sich nicht vorstellen, dass Polo Hofer runter auf diesen «Gufechnopf» schaut und belächelt, was Züri West da tun. Dafür sind sie – gerade im Vergleich zu den modernen Vertretern der Mundart-Welle – schlicht und einfach zu gut und zu clever. Es gibt vielleicht noch zwei, drei andere Schweizer Bands die das Format hätten in den grossen Sälen ins Blue-Balls-Programm zu passen und nicht abzufallen.

Polo Hofer ist jedenfalls ziemlich sicher zufrieden, lächelt und nimmt noch einen Zug und einen Schluck. Wohl bekomms.

Infos: Das Blue Balls dauert noch bis am kommenden Samstag. Tickets und Infos: www.blueballs.ch

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