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KUNST: Als die neue Kunst noch jung war

Als Schenkung erhielt das Kunstmuseum Luzern die Sammlung Toni Gerber. Jetzt wird sie gezeigt – mit einem Zusatzblick in die Gegenwart.
Urs Bugmann
Wie kommt das Licht ins Bild und der Gegenstand in die Kunst? Malerei und Skulpturen von Alois Mosbacher aus der Sammlung Toni Gerber. (Bilder Corinne Glanzmann)

Wie kommt das Licht ins Bild und der Gegenstand in die Kunst? Malerei und Skulpturen von Alois Mosbacher aus der Sammlung Toni Gerber. (Bilder Corinne Glanzmann)

Auf wackligen dünnen Holzlatten stehen die Podeste, auf denen Alois Mosbacher (*1954) seine «Thürntaler Serie» von 1988 präsentiert: ein Holzkreisel, hölzerne Kugeln, die aufgeschnitten als Früchte eine schöne Form machen, ein in einen Holzrahmen eingelassenes Labyrinth ohne Ein- und Ausgang, architektonische Modelle, ein Galgen, ein horizontaler Schacht in einem Hügel. Die Serie, in einem zerfallenden Schloss entstanden, kombiniert Gefundenes und Gebautes und steht spielerisch und bunt für die Auseinandersetzung des Künstlers mit einer Grundfrage der Kunst: wie sie mit dem Gegenstand und mit der Abstraktion umgeht. Das thematisiert Alois Mosbacher auch in seiner Malerei, etwa in den Blütenmalereien der «Pensées», die die ganze Bandbreite vom realistischen Abbild bis zum ornamentalen Muster durchspielen.

Leidenschaft und Freundschaft

Das Kunstmuseum Luzern, das unter dem Aspekt «Neunzehnhundertsiebzig» die als Geschenk erhaltene Sammlung des Berner Galeristen Toni Gerber präsentiert, lässt die Auseinandersetzung des Malers mit der Gegenständlichkeit und seine Frage danach, wie das Licht ins Bild kommt, über eine längere Zeit nachverfolgen. Denn zu den Werken aus der Sammlung Toni Gerber präsentiert die Ausstellung neuere Arbeiten, die die Linie bis in die Gegenwart fortsetzen.

Ein Gleiches gilt für Albrecht Schnider (*1958) und Hans Stalder (*1957), deren Anfänge in Gerbers Sammlung gut dokumentiert sind. Im Kunstmuseum Luzern zeigt ein flächiges, zum Bildschema reduziertes Porträt auf gelbem Grund von Albrecht Schnider, wie er konsequent fortentwickelte, was er in seinem frühen Selbstporträt und dem Bildnis seiner Partnerin angelegt hat.

Toni Gerber (1932–2010), im Hauptberuf Gymnasiallehrer, betrieb seine Galerie nicht als Handelsunternehmen für Kunst, sondern aus Leidenschaft und freundschaftlicher Beziehung zu «seinen» Künstlern. Beredtes Zeugnis dafür geben die Briefe, die er mit dem Künstler Michael Buthe wechselte. Als Publikation zur Ausstellung liegen sie jetzt in einem Buch gesammelt vor. Es sind Briefe voller Daseinsfreude und Begeisterung, Botschaften von Enthusiasten.

Lebensfreude und eine unaufgesetzte Fröhlichkeit strahlt die Präsentation der Sammlung Toni Gerber im Kunstmuseum Luzern aus. Die Fixsterne der Ausstellung sind neben Mosbacher, Schnider und Stalder Markus Raetz mit seinen Gedankenzeichnungen, Alighiero Boëtti mit seinem «Panettone», Urs Lüthi «mit Land Art» und als «Arte Povera». Jean-Frédéric Schnyder mit frühen Werken, die nicht nur die Kunst, sondern auch das Künstlersein befragen.

Die «Berner Serie» von Claude Sandoz, eine Tuchmalerei von Franz Wanner, Marmortafeln und Künstlerbriefe von James Lee Byars gehören weiter zu den Kostbarkeiten der Sammlung wie der Ausstellung. Sie beschwören eine Zeit, als die neue Kunst noch jung war – und Jean-Christophe Ammann, Harald Szeemann und Toni Gerber ihre Propheten.

Einmal heiter, einmal ernst umspielen diese Werke die grossen Fragen der Kunst und der Existenz – und nicht selten beides im einen und selben Werk. Etwa in der «Braut im Wald» (2003) oder der «Landschaft mit Höhle» (1984) von Alois Mosbacher. Sie zeigen seine subtile malerische Lichtsuche und wecken im Betrachter selbst die Frage nach seinem eigenen Sein und Sehen.

Stellvertretereffekt

Mosbachers Serie «Beam me up Scotty» verbindet grossformatig porträtierte Hunde mit Zitaten aus der Kunstgeschichte, Manets «Frühstück im Freien», Dürers «Adam und Eva» oder Hieronymus Boschs «Garten der Lüste». Das sind starke Ikonen, die mit der Bild­erinnerung arbeiten und dem Stellvertretereffekt: Was gezeigt wird, weist auf das, was gerade nicht zu sehen ist.

Hinweis

Kunstmuseum Luzern, KKL. Bis 17. November. Di–So 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr. 16. August bis 15. September Di–So 10–19 Uhr, Mi 10–20 Uhr.

Publikation: «Michael Buthe – Toni Gerber: Briefe 1970–1994». 128 Seiten, Fr. 30.–.

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