KUNST: Astronaut im Innern der Kunst

Die Ausstellung «Showroom» in der Kunsthalle Luzern zeigt, dass alles zwei Seiten hat. Nicht immer ist das Wichtige von aussen zu sehen.

Urs Bugmann
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Max Grüters Astronaut malt in der Kunsthalle Luzern ein schwarzes Loch in seiner Lieblingsfarbe an. (Bild Dominik Wunderli)

Max Grüters Astronaut malt in der Kunsthalle Luzern ein schwarzes Loch in seiner Lieblingsfarbe an. (Bild Dominik Wunderli)

«Für einmal wollten wir unser Schaufenster dichtmachen und ganz gezielte Einblicke bieten», sagt Alessa Panayiotou, Leiterin der Kunsthalle Luzern, vor der schwarz verdeckten Glasscheibe im Bourbaki Panorama. Als Schaukasten ist ein «Terrarium» ausgespart. «Wir werden ja oft auf die Zoo-Situation angesprochen: Die Kunsthalle bietet sich den Bourbaki-Besuchern als verglaster Käfig an, der zur Beobachtung anregt.»

In der Vitrine ist eine Schlange zu beobachten, die gerade ein Beutetier durch ihren Leib wandern lässt. Ein zweites Opfer zappelt noch im Hintergrund. Die Tiere sind gestrickt und werden von batteriebetriebenen Motoren bewegt. Nina Steinemann weist mit dem Terrarium im Schaufenster auf ihren Streichelzoo hin, der im Innern der Kunsthalle eingerichtet ist. Allerlei Vögel und Hunde und andere seltsame Tiere bellen und kreischen und zirpen und pfeifen und rattern und drehen und zittern über den Boden.

Beobachtete Beobachter

Das Beobachten ist auch Karin Lustenbergers Thema: Sie fuhr mit dem Citytrain durch Luzern und hielt im Video fest, was die Fahrt sehen lässt, und wie die durchfahrenden Beobachter von den Passanten in den Strassen beobachtet werden. Das Video spielt sie im Untergeschoss der Kunsthalle ab, lässt es dort von einer Minikamera aufnehmen und auf einen Monitorenstern über dem Kunsthalleneingang übertragen und von aussen sehen.

Unten im Kellerraum werfen hängende Spiegel Reflexe auf die Wände, ist das Video kopfüber zu sehen. «Ich imitiere den Reflex des Bildes im Innern des Auges», sagt die Künstlerin.

Reto Steiner lässt von ausserhalb der Kunsthalle in einen Schacht aus altem verwittertem Holz blicken: Eine Höhle, ein Geborgenheitsraum, ein erschreckender Abgrund, je nach Seelenlage. Im Innern der Kunsthalle zeigt sich die Holzkonstruktion, die die Schauseite stützt und ihre morbide Schönheit in Zweck und Funktion übersetzt.

Marianne Engel gibt Einblick ins Wurzelwerk eines kleinen Pflanzengartens, zeigt innen den Betonabdruck eines Hasengrabs, das an der Wand als Fotografie zu sehen ist. Daneben hängen die aus zwei verschiedenen Fotografien in Streifen zusammengewobenen Bilder von Christoffer Joergensen, der aussen an der Scheibe in einem Video die Technik vorführt, mit der er arbeitet.

Isolierter Astronaut

Der Einblick, den Max Grüter gewährt, führt ins All: Kleine Astronauten schweben im Raum und malen schwarze Löcher an. «Ein Astronaut ist wie der Künstler eine isolierte Figur», sagt Alessa Panayiotou. Auf die Wand hat Max Grüter einen herzförmigen Meteoriten aufgebracht: Die Schwarz-Weiss-Zeichnung ist in A4-Ausdrucke aufgeteilt und aneinandergefügt. Daneben braust ein Astronaut durch das All.

Hinweis

Kunsthalle Luzern, Bourbaki, Löwenplatz 11. Bis 23. Juni, Di–So 14–18 Uhr, Do bis 20 Uhr. Feierabendführungen Do 30.5., 13.6. und 20.6., 19 Uhr. Do 6.6. 19 Uhr, Referate und Diskussion mit Maurus Domeisen, Max Grüter und Lisa Katharin Schmalzried.