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KUNST: Auch bloss Nachgemachtes kann echte Kunst sein

Videos, Malerei, Installationen, Preiswertes und Kostbares: Vier Ausstellungen in Galerien zeigen, wie vielseitig regionales Kunstschaffen ist.
Pseudojapanisch: Kimono geschneidert und bemalt vom Künstlerduo Porte Rouge. (Bild: PD)

Pseudojapanisch: Kimono geschneidert und bemalt vom Künstlerduo Porte Rouge. (Bild: PD)

Ein erster Blick in die Luzerner Galerie Apropos macht klar: Hier sind Künstler aus Japan zu Besuch. Prächtige Kimonos, symbolträchtige Fähnchen, schreinartige Aufbauten – alles deutet darauf hin, dass es in der kleinen Ausstellung um die alte, traditionelle Kultur Japans geht. Doch was haben die beiden verspiegelten Pingpongschläger da zu suchen? Und wie soll man den Ausstellungstitel «Karabuki», eine Wortkonstruktion aus Karaoke und Kabuki, verstehen? Wie passen das Gesangs-Jekami und die alte japanische Theaterform überhaupt zusammen?

Lauter Fälschungen

Die Irritation hat Methode. Die beiden Künstler Joa Iselin und Christoph Ranzenhofer, die beide noch nie in Japan waren, spielen ein ironisches Spiel mit dem Ausstellungsbesucher, indem sie Schein und Realität gekonnt miteinander verknüpfen. Die beiden Künstler, die seit 1980 als Performance-Duo Porte Rouge in der Kunstszene unterwegs sind, bieten mit dem Projekt Karabuki eine illusionistische Meisterleistung. Denn nichts, was sie zeigen, ist echt, alles ist falsch. Die Kimonos haben sie selber bemalt, und zwar mit abstrakten Mustern. Die Fahnen sind ebenfalls frei erfunden und die Bambusstäbe sind aus gewöhnlichem Holz und augentäuschend bemalt. In ihrer Arbeit geht das Duo ziemlich unverfroren und respektlos mit japanischem Kulturgut um. Gleichzeitig sind ihre falschen Objekte und ihr falsches Spiel mit so grossem Aufwand und solcher Sorgfalt gemacht und inszeniert, dass ihre Bewunderung und die Faszination für die japanische Kultur spürbar werden. Es ist ein ironisches Spiel, das Porte Rouge mit grosser Ernsthaftigkeit betreibt.

Zweierlei Malerei

Werke der beiden Luzerner Künstler Paul Lipp und Davix waren in diesem Jahr bereits in der spektakulären Gruppenausstellung «Magma» zu sehen. Ebenfalls mit dabei war auch der Luzerner Künstler und Galerist Henri Spaeti, der jetzt Lipp und Davix für eine Ausstellung in seiner Luzerner Galerie Tuttiart eingeladen hat.

Beide können malen, und das auch sehr beeindruckend. Damit enden allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten. Dass es nicht zum Zusammenstoss der Malereien kommt, dafür sorgen die räumlichen Gegebenheiten der Galerie. Vorne hängen die acht grossformatigen, gestisch wilden Malereien von Paul Lipp, im separaten hinteren Raum können sich die konstruktiv angelegten Bilder von Davix ungestört entfalten. Für Galeriebesucher ist es spannend, zwei so unterschiedliche Arten der Malerei zu erleben, sich hier in die malerischen Tiefen und geometrischen Räume von Davix versenken und dort der entfesselten physischen Power von Paul Lipps Malerei zu begegnen.

Eine frische Brise empfängt Besucher in der Alpineum Produzenten Galerie. Matteo Hofers Installation mit Ventilator und 36 Windfähnchen soll Galeriebesucher anregen, ein Windfähnchen und einen Fotoapparat zu behändigen, und sich auf den Strassen Luzerns vom Wind geleitet auf die Suche nach einem passenden Fotosujet zu machen. Neben Hofer sind in der aktuellen Ausstellung zwei Videos zu sehen. Die Arbeit von Oliver Boberg zeigt in einer Langzeitaufnahme eine Gasse, die man als Tourist besser meidet. Das Video des Künstlerduos Wermke/Leinkauf zeigt eine nächtliche Fahrt mit einer handbetriebenen Draisine über das Schienennetz von Berlin.

Regionales Kunstschaffen

Vollgepackt mit Bildern und Skulpturen ist die aktuelle Ausstellung im Raum für zeitgenössische Kunst Benzeholz in Meggen, die Arbeiten von mehr als zwanzig Megger Kunstschaffenden präsentiert. Die vielfältige Schau ist als Verkaufsausstellung mit moderaten Preisen angelegt – mit Ausnahme von Rolf Brems Plastiken, die bis zu 18 000 Franken kosten, und dem Silbergespinst seiner Tochter Lucie Heskett-Brem, das 60 000 Franken kostet.

Kurt Beck

Hinweis

Galerie Apropos, Sentimattstrasse 6, Luzern. Do 17–20, Fr/Sa 14–18 Uhr. Bis 28. Nov.

Galerie Tuttiart, St. Karliquai 7, Luzern. Fr 15–18, Sa 11–16 Uhr. Bis 21. Nov.

Alpineum Produzentengalerie, Hirschmattstr. 33a, Luzern. Do/Fr 16–19, Sa 11–16 Uhr. Bis 5. Dezember.

Raum für zeitgenössische Kunst, Benzeholz, Meggen. Do/Sa/So 14– 18 Uhr. Bis 13. Dezember.

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