Kunst

Ausstellung in der Kali Gallery: Weihnachtsgrüsse aus der analogen Cloud

Wer noch ein kleineres oder grösseres Geschenk braucht... In der Kali Gallery machen sich über 50 Kunstschaffende Gedanken zu 2020, einem Jahr, das es nicht nur Kulturschaffenden schwer machte.

Susanne Holz
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Rechts: Diego Cibelli, A bed sheet for Christmas (Gedruckt auf Betttuch). Links unten: Benjamin Heller, Staubsauerbürste (Gips). Links Mitte: Lukas Salzmann, Sudden Encounter (Öl auf Papier auf Leinwand). Links oben: Felix Stöckle, Zitrone (Keramik).
13 Bilder
Mathias Gaudenz Riedo, ein bisschen Vodka-Sirup (Acryl auf Karton).
Gerit Koglinz, twoOtwoO (Steinguss/Beton, Textil, Acryl, PU-Lack).
Daniel Züsli, Eingeengt (Geschnitzt in Eiche).
Mischa Christen, Nu (Pigment Prints auf MDF, analoge Fotografie).
Patricia Jacomella Bonola, I can see you (Zeichnung auf Kartonschachtel).
Jakub Tytykalo, ohne Titel (Digitale Collage, gedruckt).
Sacha Bähler, orange (Gauche auf bedrucktem Zeitungspapier).
Rahel Scheurer, Viola II (Öl auf Baumwolle).
Nathalie Papatzikakis, Kong (Mixed Media).
Catell Ronca, Ist a jungle out there (Schwarze Engobe auf Porzellan).
Matous Lipus, The Night (Acrystal).
Joanna Jenny, Giftig (Kupfer patiniert).

Rechts: Diego Cibelli, A bed sheet for Christmas (Gedruckt auf Betttuch). Links unten: Benjamin Heller, Staubsauerbürste (Gips). Links Mitte: Lukas Salzmann, Sudden Encounter (Öl auf Papier auf Leinwand). Links oben: Felix Stöckle, Zitrone (Keramik).

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 9. Dezember 2020)

Weihnachten in der Kali Gallery. Dazu bietet Art Director Nicolai Kalinowsky insgesamt 52 Künstlerinnen und Künstler auf, nationaler und internationaler Herkunft. Nicolai Kalinowsky erklärt: «Diese unjurierte Gruppenausstellung soll sowohl arrivierten als auch jungen Kunstschaffenden eine Plattform geben, um die aktuelle Situation im Pandemiejahr darzustellen und sich zu positionieren.» «HoHoHo – Digital Christmas 2020», ist die Ausstellung betitelt, die aber nicht nur im Netz (www.kaligallery.com/hohoho-2020) zu besichtigen ist, sondern auch in der Galerie selbst, vorausgesetzt, der Bundesrat verordnet keinen weiteren Lockdown.

Unter den Kunstwerken befinden sich Malereien, Illustrationen, Skulpturen. Eine Bedingung war: Die Werke sollen nicht mehr als 20 auf 20 Zentimeter Volumen einnehmen. Mitgemacht haben so etablierte Künstler wie Henri Spaeti oder Bastien Aubry, so schillernde wie Veli & Amos, so junge wie Jason Rohr. Künstlerinnen aus Luzern wie Tatjana Erpen und Künstler aus dem Ausland wie Stepan Capek aus Tschechien, der in Deutschland lebt, oder wie Diego Cibelli aus Neapel.

Plastikfolie, weiss wie Schnee und Eis

Betritt man die Kali Gallery, sieht man erst einmal viel Plastikfolie – mit dieser sind die Räumlichkeiten von oben bis unten ausgekleidet. Die Idee dahinter, so Nicolai Kalinowsky:

«Eine Cloud, ein digitales Weihnachten, darzustellen.»

Eine weitere Idee: Die Folie stehe auch für die soziale Distanz, die man während der Pandemie einhalten müsse. Und sie führe den Gast durch die Ausstellung, immer in eine Richtung, so dass man sich nicht entgegenkomme und die Sicherheit wiederum gewährleistet sei.

Ja, Corona hat so einiges verändert, und das nicht nur im sozialen, sondern auch im kulturellen Umgang. «Galerien mussten auf Online-Präsentationen umsteigen während des Lockdowns», blickt Nicolai Kalinowsky zurück. «Und da ging schon viel verloren. Denn jede Galerie hat eine Aura, die man so nur vor Ort erfahren kann.»

Dank der Plastikfolie, die nicht zuletzt an Eis und Schnee erinnert, hat die Kali Gallery dieser Tage noch fast mehr als eine Aura. Die Folie hebt die einzelnen Werke wie kleine Punkte einer gesamthaften Installation hervor. Die Ausstellung solle den Widerspruch zwischen einem geselligen Weihnachten und der Distanz während der Pandemie metaphorisch aufzeigen, so der Galerist, der sich ebenfalls fragt: «Welche Position hat die Kunst in dieser schwierigen Zeit?»

Das Jahr 2020 sei geprägt von dem grössten sozialpsychologischen Experiment der jüngeren Menschheitsgeschichte, betont Nicolai Kalinowsky. Vor allem die geforderte physische Distanz zwischen den Menschen bedeute einen grossen Einschnitt.

«Und es ist nicht klar, ob wir nach der Krise zu den Gepflogenheiten vor der Krise zurückkehren können.»

Die Künstlerinnen und Künstler, die nun in der Kali Gallery ausstellen, gehen das Thema ganz unterschiedlich an. Während Jason Rohr der Hoffnung huldigt und «zwei Blumen mit Hund» in einem sehr farbschönen, sehr positiven, sehr frühlingshaften Bild verewigt, hat Henri Spaeti eine weisse Skulptur aus Acryl, Karton und Bauschaum geformt. Die Skulptur ist auf Augenhöhe an der Wand angebracht, mitten in ihr befindet sich ein Loch, in das man blicken kann.

Henri Spaeti sagt:

«Es geht darum, durch ein Loch in ein Loch zu blicken. Potenzialisierte Leere.»

Das Weiss stehe für das Gegenteil von Schwarz, womit der Künstler auf die sogenannten Schwarzen Löcher anspielt. Spaeti beziffert noch kurz und prägnant sein in Weiss gehaltenes Kunstwerk, das auf den ersten Blick so rätselhaft scheint wie das Jahr 2020, das bald hinter uns liegt, mit folgenden Worten: «Koordinaten des Nichts.»

Der Krise etwas Positives abgewonnen haben mit ihrem frechen Humor die Zürcher Künstler Veli & Amos: «What You Can Do Today Do It Tomorrow», so ist auf ihrem Bild zu lesen, und dazu noch «19. 03. 2020».

Hinweis

«HoHoHo – Digital Christmas 2020». Weihnachtsausstellung in der Kali Gallery, Lädelistrasse 4 in Luzern. Mit 52 Künstlerinnen und Künstlern. Bis 19. Dezember. Geöffnet Do/Fr 17-19 Uhr sowie Sa 15-17 Uhr. www.kaligallery.com