KUNST: Begegnung mit realen und surrealen Ängsten

Zwei Basler Künstlerinnen in Luzern: Kathrin Borer zeigt Surreales im Alpineum, Maude Léonard-Contant Poetisches im Kunstraum K25.

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Irritierend: Zeichnung der Basler Künstlerin Kathrin Borer. (Bild: bec)

Irritierend: Zeichnung der Basler Künstlerin Kathrin Borer. (Bild: bec)

Angst ist auch ein Geschäft. Ein übles sogar. Angst nimmt Freiheit, Freude und Zuversicht. Nicht nur antidemokratische Kräfte schüren Ängste, um ihre politischen Ziele durchzusetzen. Die Künstlerin Kathrin Borer (44) wehrt sich gegen die Agitatoren der Angst und gegen die Manipulation der Profiteure der Angst. «Don’t sell me fear» («Verkauf mir keine Angst») verkündet nicht nur ein Neon-Schriftzug in leuchtenden Buchstaben, sondern hat der gesamten Ausstellung im Luzerner Ausstellungsraum K25 den Titel gegeben. «Verkauf mir keine Angst» ist nicht nur eine Absage an die politischen Geschäftemacher, die Leuchtschrift ist auch Aufforderung an die Ausstellungsbesucher, sich nicht einschüchtern zu lassen und die Mechanismen des Angstgeschäfts zu durchschauen.

Alles ein wenig verrückt

Um Angst geht es nicht nur im titelgebenden Leuchtobjekt. Auch die übrigen Objekte und Zeichnungen der Ausstellung setzen sich mit Angst auseinander. Allerdings geht es nicht mehr um gezielt geschürte Ängste, sondern mehr um ein diffuseres Unbehagen, das durch Abweichungen vom Normalen und Gewohnten hervorgerufen wird. In den präsentierten Arbeiten von Kathrin Borer ist alles ein wenig verrückt, in die Surrealität verschoben. Manchmal nur geringfügig, wie etwa bei den beiden Katzen (?), deren Köpfe mit roten Schürzen bedeckt sind. Das Irritierende sind nicht die Schürzen, sondern der Umstand, dass die beiden Tiere durch einen Schwanz verbunden sind.

Die Welt der Basler Künstlerin ist keine heile, sondern eine brüchige, in der man sich nicht darauf verlassen kann, dass etwas auch wirklich das ist, was man sieht. Die Künstlerin spielt mit den Wahrnehmungsgewohnheiten. Ihre Vogelkäfige haben keine Türen, der kaputte Stuhl steht auf fragilen Glasbeinen, sechzehn linke Hände aus Wachs strecken sich den Ausstellungsbesuchern fordernd entgegen, die Tannzapfen sind verkappte Handgranaten, und an den weichen Latex-Haken ihrer Garderobe lässt sich kein Mantel aufhängen.

Die Künstlerin verblüfft und irritiert zwar mit verrückten Ideen und hintersinnigem Witz, beeindruckt aber auch durch Sorgfalt und Präzision, mit der sie arbeitet und ihre Vorstellungen zeichnerisch oder installativ umsetzt.

Karge Objekte

Auch Maude Léonard-Contant (37)lebt und arbeitet in Basel. Die gebürtige Kanadierin ist künstlerisch mehrgleisig unterwegs, als Autorin und als bildende Künstlerin, die in Luzern an der Jahresausstellung im Kunstmuseum und in der Teiggi Kriens ausgestellt hat und 2015 mit einem Luzerner Werkbeitrag ausgezeichnet wurde. Ihre aktuelle Ausstellung im Alpineum ist ihre zweite in der Luzerner Produzentengalerie. Ihre einfache, reduzierte Formensprache und die unspektakulären Materialien (Gips) verleihen ihren Arbeiten etwas Unaufgeregtes und Beiläufiges. Das trifft speziell auf die abstrakten Objekte zu, die, gruppiert an der Wand aufgehängt, zeichenhaften Charakter erhalten und an alte Bilderschriften erinnern. Konkret entziffern lassen sich die Material- und Bildobjekte nicht, verstehen kann man sie allerdings als Bild gewordene Poesie.

Kurt Beck

Hinweis

Ausstellungsraum K25, Kellerstrasse 25, Luzern. Do/Fr, 17–19, Sa, 14–17 Uhr. Bis 2. Juli.

Alpineum-Produzentengalerie, Hirschmattstrasse 30a, Luzern. Do/Fr, 16–19, Sa, 11–16 Uhr. Bis 16. Juli