KUNST: Bühnen für das Theater der Imagination

Er ist vielseitig und erfolgreich. Jetzt zeigt der Luzerner Künstler Nils Nova eine Auswahl seiner neusten Malereien in Luzern und Meggen.

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«Speicherbild» von Nils Nova, ausgestellt im Raum für zeitgenössische Kunst in Meggen. (Bild: PD)

«Speicherbild» von Nils Nova, ausgestellt im Raum für zeitgenössische Kunst in Meggen. (Bild: PD)

Gleich in zwei Ausstellungen zeigt der Luzerner Künstler Nils Nova (47) eine Auswahl neuester Werke. Bei beiden Ausstellungen beschränkt sich der vielseitige, in verschiedenen Medien aktive Künstler auf malerische Arbeiten. Sowohl in der Galerie Hilfiker Kunstprojekte in Luzern wie im Raum für zeitgenössische Kunst Benzeholz in Meggen dominieren grossformatige Acrylbilder. Im kleinen Ausstellungsraum in Luzern sind vier Werke zu sehen, im Benzeholz Meggen elf Gemälde und eine Installation mit 25 Zeichnungen und kleinformatigen Malereien.

Tiefe Farbräume

Betritt man den Ausstellungsraum der Hilfiker Kunstprojekte, umfängt einen eine fast sakrale Atmosphäre. Dass der Raum wie eine Kapelle oder ein Meditationsschrein wirkt, liegt am grossen quadratischen Gemälde, dessen intensives Blau alle Aufmerksamkeit auf sich und den Besucher in seinen Bann zieht. Dass das Gemälde nicht bloss oberflächig blau getüncht ist, sondern in verschiedenen Schichten, die einander überlagern, aufgebaut ist, wird sichtbar, sobald man sich ins Bild vertieft. Dabei öffnen sich stimmungsvolle Farbräume, die die Fantasie des Betrachters in Tiefen ziehen, in denen Sachen auftauchen, die sonst im Kopf oder im Unter- und Unbewussten verborgen sind.

Mit «Interferenz» sind die neuen Arbeiten betitelt, die an den Rändern die Schichten aus verschiedenen Farben sichtbar lassen. Die Bilder scheinen aus dünnstem Seidenpapier gebaut. Im Benzeholz, wo ebenfalls vier Interferenz-Gemälde ausgestellt sind, zeigt der Künstler als weiteren Schwerpunkt vier «Speicherbilder».

Zufall und Kalkül

Das Besondere an diesen Bildern ist, dass sie bei der Arbeit an anderen Gemälden entstehen. Was beim Malen der horizontal auf Böcken liegenden Leinwände über die Ränder heruntertropft, wird von einer darunter platzierten Leinwand aufgefangen. Da die Leinwand während Monaten unter den Böcken platziert ist, speichert sie den Malprozess verschiedener Bilder und wird selber zum Bild.

Wie weit die «Speicherbilder» vom Zufall gemalt sind und wie weit künstlerisches Kalkül darin steckt, ist nicht ersichtlich. Es sind allerdings verblüffende Bilder, «die an märchenhafte Bühnenräume erinnern», wie Kuratorin Annamira Jochim es beschreibt. Sie bieten eine inspirierende Bühne für das grosse Theater der Imagination, bei dem der Betrachter die Regie führt.

Kurt Beck

Hinweis

Hilfiker Kunstprojekte, Museggstrasse 6, Luzern. Mi–Sa 13–17 Uhr. Bis 26. September. Raum für zeitgenössische Kunst, Seestrasse, Meggen. Sa/So 14–18 Uhr. Bis 20. September.