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KUNST: Das Engadin abseits ausgetrampelter Touristenpfade

Lange setzte er vor allem für die Werbung Autos in Szene. In Luzern zeigt der Münchner Fotograf Christopher Thomas das Engadin von seiner verträumten Seite.
Christopher Thomas’ Engadin-Panoramafotografien. Hier: «Silsersee II», 2013. (Bild: Bernheimer Fine Art Photography/PD)

Christopher Thomas’ Engadin-Panoramafotografien. Hier: «Silsersee II», 2013. (Bild: Bernheimer Fine Art Photography/PD)

Hätte Christopher Thomas nicht sein eigenes Morgenritual erfunden, wir wüssten nicht, ob der erfolgreiche Werbefotograf heute in den Kunstmuseen und Galerien dieser Welt vertreten wäre. Vor einigen Jahren begann der Familienvater, während seine kleine Kinder noch schliefen, mehr aus Pragmatismus als aus künstlerischem Kalkül jeweils um fünf Uhr morgens mit seiner Kamera durchs schlafende München zu ziehen.

Städte ohne Metropolgewimmel

Seine dadurch entstandene analog fotografierte Fotostrecke «Münchner Elegien» (2005) präsentiert ebenso wie die später beim renommierten Prestel-Verlag erschienenen Städteporträts «New York Sleeps» (2009), «Venedig, die Unsichtbare» (2011) und «Paris im Licht» (2014) die vorwiegend alte Bausubstanz von Metropolen, aus denen dank hoher Belichtungszeit jedes Menschengewusel ausradiert wurde. Die mit Polaroidtechnik aufgenommenen Arbeiten wecken durch ihre Motivwahl, ihre Menschenleere und ihrem der technischen Machart zu verdankenden Retro-Charme Assoziationen an die Fotografie des 19. Jahrhunderts. Die Modernität offenbart sich hier erst auf den zweiten Blick – unter dem diffusen Licht der Strassenbeleuchtung blitzt in Form der einen oder anderen technischen Innovation der Zeitgeist hervor.

Die Wirkung dieser Bilder als nostalgisch zu beschreiben, wäre zu einfach. Das gilt auch für die Porträts, die Thomas 2010 während der Proben zu den Passionsspielen im bayrischen Oberammergau aufgenommen hat. Nicht ohne Grund werden die ausdrucksstarken, vor düsterem Hintergrund entstandenen Darstellerporträts ihrer Intensität wegen mit den Gemälden alter Meister verglichen. Hier leidet der Mensch des 21. Jahrhunderts genauso intensiv wie seine Vorgänger – und offenbart uns die Zeitlosigkeit der Passion.

Auf das Engadin als Motiv hatte den Münchner eine dort wohnhafte Sammlerin gebracht. Zwei Jahre ist er zu jeder Jahreszeit mit einer Panoramakamera vom Typ Linhof Technorama immer wieder ins Engadin gereist, hat bewusst an verschiedenen Standorten logiert, um sich seine Multiperspektivität auf die ihm bislang unbekannte Landschaft zu bewahren. Die Galeristin Blanca Bernheimer, die eine Schwäche für entschleunigte, zeitlose Schwarz-Weiss-Fotografien besitzt, zeigt den Künstler nach 2014 nun zum dritten Mal mit seinen Engadin-Fotografien in ihrer Luzerner Dépendance.

Spiel mit dem Engadiner Licht

Thomas arbeitet mit dem berühmten Engadiner Licht, das durch so manche Nebeldecke stösst und den Bildausschnitt wie eine Baumgrenze mitkomponiert. Die ebenfalls menschenleeren Schwarz-Weiss-Panoramen zeigen die verwunschene Seite des Engadins. Die Hotelkomplexe stehen ehrwürdig in der Landschaft, die Loipen sind menschenleer und so manches Gehöft wie aus einer anderen Zeit.

Julia Stephan

Hinweis

Christopher Thomas: Engadin. Galerie Bernheimer, Haldenstrasse 11, Luzern. Bis 4. Juni.

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