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KUNST: Die Luzerner Künstlervernetzerin

Nadine Wietlisbach ist Trägerin des Schweizer Kunstpreises für Vermittlung. Das Grundrezept ihres Erfolges: Fragen stellen, Biss zeigen, Didaktik vermeiden.
Nadine Wietlisbach vor dem Ausstellungsraum Elephanthouse in der Neustadt Luzern. (Bild: Nadia Schärli)

Nadine Wietlisbach vor dem Ausstellungsraum Elephanthouse in der Neustadt Luzern. (Bild: Nadia Schärli)

Julia Stephan

Vom Handwerker- in den Künstlerberuf, vom Künstlerberuf in die Kunstvermittlung. Beruflich hat sich Nadine Wietlisbach weit in die Abstraktion vorgewagt. Ihre Bodenständigkeit verloren hat sie dabei nicht. Sie hat ihren Lebensentwurf nicht am Reissbrett entworfen. Sie liess sich von ihren eigenen Interessen leiten. Und die liegen in der Literatur und in der Kunst.

Viel Herzblut für die Kunst

Vergangenen Monat erhielt die in Luzern lebende Kuratorin und Publizistin vom Bundesamt für Kultur den Kunstpreis für Vermittlung, denn für das kulturelle Leben in der Zentralschweiz leistet die 32-Jährige Enormes. Wietlisbach war Mitbegründerin des Aktionstages «Kunsthoch», an dem sich früher 3, inzwischen 24 Kunstinstitutionen in und um Luzern mit Ausstellungen beteiligen.

Seit 2007 leitet sie ehrenamtlich den unabhängigen Luzerner Projektraum «Sic! Raum für Kunst» im Elephant­house in der Neustadt und zeigte bis vor kurzem sogar noch an einem zweiten Standort im Kunstpavillon – in Schwindel erregender Kadenz nationale und internationale Positionen. Und seit Ende 2012 bringt sie als Kuratorin frischen Wind ins Nidwaldner Museum in Stans.

Ausflüge nach Südafrika für die Pro Helvetia gehören ebenso in ihren Lebenslauf wie publizistische Arbeiten für Zeitschriften wie den «Schweizer Monat». Wietlisbach bloggt, durchwühlt Künstlernachlässe, moderiert an Festivals und gibt Publikationen heraus. Etwa «Lack-Lack», die Begleitpublikation von «Sic!». Der Titel kokettiert mit der Doppeldeutigkeit des Wortes, das im Deutschen ein glattes Material bezeichnet und im Englischen Mangel meint. Die glatt polierte Oberfläche der Sicherheit durchbrechen und den Mangel mit Wissen auffüllen mit Lektüre, Gesprächen, Ausstellungsbesuchen: Diese Rechercheabenteuer sind das Kerngeschäft der Kunstvermittlerin. Wenn nötig, jagt sie auch mal alten Ausstellungskatalogen in Antiquariaten hinterher. In ihrer Wohnung biegen sich die Bücherregale, stapeln sich die Kunstwerke. «Meinen Beruf erlernt man nicht am Schreibtisch.» Davon ist sie überzeugt.

Ihre Eltern, früher Restaurantbesitzer, standen der brotlosen Kunst eher skeptisch gegenüber. Der Beruf der Bodenlegerin, den die gebürtige Bernerin zunächst erlernte, hat für ihre Karriere im Kunstfeld dann aber doch wortwörtlich den Boden gelegt.

Rendez-vous mit der Malerei

Eines Tages, als sie in den mit Kunst ausstaffierten Villen des Zürichbergs die Böden auswechselte, ist es dann einfach passiert: Ein hyperrealistisches Gemälde des Schweizer Künstlers Franz Gertsch war Liebe auf den ersten Blick. Die damals 15-Jährige kam mit dem Hausbesitzer ins Gespräch, wollte den Namen des Künstlers wissen, der gab bereitwillig Auskunft. Wietlisbach war elektrisiert.

Der Dialog über Kunst ist ihr bis heute ein starkes Bedürfnis. Nach der Berufsmatur studierte sie an der Hochschule Luzern Design und in Tallinn Kunst. Doch selbst ihre Studentenzeit hat sie nicht im Seminar «verhockt». Mit einer Kommilitonin führte sie einen Kiosk an der Rössligasse und verkaufte Hochschulkunst «to go». Während einer internationalen Tagung baute sie ein Bettenlager auf. Und ginge es nach ihr, würde sie in Luzern demnächst gerne ein interdisziplinäres Festival auf die Beine stellen, in dem Musik nicht die erste Geige spielt. Denn die habe in Luzern schon Raum genug.

Künstlerkarriere aufgegeben

Weil Wietlisbach eine starke Persönlichkeit mit starkem Profil ist, ist Profilierung bei ihr eher Nebensache. Nach dem Studium hat sie die eigene Künstlerkarriere schnell an den Nagel gehängt. Jetzt kümmert sie sich um die Kunst der anderen. «Das entspricht mir eher.» Diese Kunst darf kontrovers sein oder einfach nur schön. Hauptsache, sie löst etwas aus. Rund 150 Künstler haben bislang im «Sic!» ausgestellt. Per Mail bleibt Wietlisbach mit ihnen in Kontakt. Für einen heissen Tipp aus den Rändern Europas nimmt sie auch mal eine längere Reise in Kauf.

Wietlisbach ist wichtig, dass die Künstler mit dem Ausstellungskonzept, das sie ihnen vorlegt, einverstanden sind. Das sei manchmal ziemlich anstrengend. «Ich bin nicht der Kuratorentyp, der lieber mit toten Künstlern arbeitet, nur weil die nicht mehr intervenieren können.» Gute Kunstvermittlung funktioniert bei Wietlisbach so: gute Fragen stellen, nicht didaktisch sein, nichts vereinfachen. «Unsere Welt ist komplex, warum soll die Kunst vereinfachen? Man muss nicht alles von A bis B nachvollziehen können.» Das müsse sie den Besuchern ihrer Ausstellungen immer wieder erklären.

Angesprochen auf die Kunstausbildung an den Hochschulen spricht dann plötzlich wieder der Pragmatismus der Handwerkerin aus ihr: «Die Leute bewerben sich mit gloriosen Vorstellungen für diese Studiengänge, in denen man nicht viel darüber lernt, wie die Berufsrealität aussieht.» Eine Kunstausbildung mache weder reich noch zwangsweise erfolgreich.

Genau das versucht sie ihren Studenten als Dozentin an der Hochschule der Künste Bern immer wieder zu erklären. Gute Arbeit abzuliefern, reiche nicht aus. Es brauche auch Glück und Biss und die Bereitschaft, nach einer Vernissage den Partydreck wegzuräumen. Und weil sie das wunderbar vorlebt, glaubt man ihr das gern.

Hinweis

The dice is cast Summerparty. «Sic! Raum für Kunst» verabschiedet sich aus dem Kunstpavillon. Kunstpavillon, heute, 10. Juli, ab 18 Uhr.

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