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KUNST: Die Materialien der Zukunft

Hier kommt Keramik aus dem 3D-Drucker und sind die Surfbretter wieder aus Holz. 216 Abschlussarbeiten von Studenten der Kunsthochschule Luzern basteln mit traditionellen Materialien an der Zukunft.
Julia Stephan
Jessica Ammanns «(Kontr)akt». (Bild: Dominik Wunderli (22. Juni 2017))

Jessica Ammanns «(Kontr)akt». (Bild: Dominik Wunderli (22. Juni 2017))


Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Man müsse nicht alles sehen und solle die «Erfahrung der Weite» einfach geniessen. Vor der Eröffnung der Documenta, der wichtigsten Kunstschau der Welt, ermutigte Kurator Adam Szymczyk die Besucher im Kunstmagazin «Monopol»: Habt Mut zur Lücke!

Und ja, die braucht es auch bei der Werkschau der Luzerner Kunsthochschule in der Messehalle Luzern. Auf drei Etagen stehen, hängen und liegen sie, die 216 Abschlussarbeiten von Absolventen, getrennt nur durch weisse Messewände, aber nicht so eng zusammengepfercht wie die im Kuhstall gemalten Malereien der Absolventin Adriana Hartmann, an denen Stroh und Mist klebt und deren abstrahierte Kühe wie Fleischberge wirken.

So sinnlich wie letztes Jahr, als viele Arbeiten experimentierfreudig nach Lösungen für die Ressourcenknappheit unseres Planeten fahndeten, ist die diesjährige Werkschau nicht geworden. Auch wenn man hier Surfbretter aus Holz (Urs Zumbühl, Bild) findet. Und Keramik von Nora Wagner, die aus dem 3D-Drucker kommt (Bild), eine Pionierarbeit in Sachen Materialforschung.

Arbeiten, die ihr eigener Komet sind

Poetische Kleinode gibt es dennoch. Etwa ein Komet mit Namen «67P/Tschurjumow-Gerassimenko», kurz: Tschuri. 2016 stürzte die Rosetta-Sonde auf ihn, nachdem sie zuvor unzählige Bilder des Kometen zur Erde geschickt hatte. Darauf sieht der Komet aus wie ein Pferd oder eine Badewannenente, seine Oberfläche wie ein unberührter Sandstrand. Christa Lanz hat in ihrer Hunderte Seiten dicken Dokumentation Medienbeiträge, Forschungstexte und Zitate gesammelt. Im assoziativen Umgang mit Bildmaterial dringt sie tief ein in das Wunder Leben, indem sie bodenständige Berndeutsch-Zitate dem emotional besetzten Diskurs der Raumfahrt gegenüberstellt und in einen philosophischen Dialog verwickelt.

Wie ein Komet muss sich auch die achtköpfige laotische Familie Vo Van Chau gefühlt haben, als sie in den späten 1970ern auf dem Chappelihof im appenzellischen Steinegg landete. Der Enkelin Thi My Lien Nguyen gelingt mit Bildern und Dokumenten aus dem Familienarchiv ohne viel Wortklauberei die Nacherzählung einer erfolgreichen Integration.

Sensible Reportage über Berner Reitschule

Diese stille Beobachterperspektive findet man bei vielen Absolventen mit politischen Themen. Etwa bei Stefan Vecsey: Seine sorgfältige, sensibel gezeichnete Reportage, entstanden während eines längeren Aufenthaltes im alternativen Kulturzentrum Berner Reitschule, ist ein empathisches Eintauchen in einen Ort, der in den Medien oft als Aggressor wahrgenommen wird.

In so einem Setting der ruhigen Linien und der Feier des Materials – ein absoluter Hingucker sind die von den Fassaden der Viscosi-Stadt inspirierten textilen Stoffe von Emanuela Zambon und Cornelia Stahl (siehe Bild) – muss so eine Intervention wie die von Jessica Ammann auffallen. Mit dem Ausstellungskonzept in der Messehalle hat sie radikal gebrochen. Während der einwöchigen Aufbauarbeit hobelte sie die Ausstellungswände auf Sandkastenniveau herunter. Zurück blieben Späne.

Hinweis

Werkschau HSLU, Luzerner Messehallen 3 und 4. Bis 2. Juli. Täglich offen von 10 bis 20 Uhr, 2. 7. bis 18 Uhr. www.hslu.ch/werkschau

Surfbrett aus Holz. (Bild: Dominik Wunderli (22. Juni 2017))

Surfbrett aus Holz. (Bild: Dominik Wunderli (22. Juni 2017))

3d-Keramik. (Bild: Dominik Wunderli (22. Juni 2017))

3d-Keramik. (Bild: Dominik Wunderli (22. Juni 2017))

Oben links: Jessica Ammanns «(Kontr)akt». Unten von links: Surfbrett aus Holz, 3D-Keramik sowie eine Textilarbeit, inspiriert von der Viscosistadt. (Bild: Dominik Wunderli (22. Juni 2017))

Oben links: Jessica Ammanns «(Kontr)akt». Unten von links: Surfbrett aus Holz, 3D-Keramik sowie eine Textilarbeit, inspiriert von der Viscosistadt. (Bild: Dominik Wunderli (22. Juni 2017))

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