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KUNST: Ein märchenhafter Kunstkosmos

Eine versponnene Zauberwelt haben Husmann/Tschaeni in der Kunsthalle Luzern eingerichtet: aus der Fantasie, für die Fantasie.
Urs Bugmann
Im blinkenden Licht farbiger Lampen: Mira Tschaeni und Michael Husmann in der Kunsthalle Luzern. (Bild Pius Amrein)

Im blinkenden Licht farbiger Lampen: Mira Tschaeni und Michael Husmann in der Kunsthalle Luzern. (Bild Pius Amrein)

Für einmal kann man bei Husmann/Tschaeni hinter die Bilder blicken: In der Kunsthalle Luzern hängen ihre hinter Acrylglas gemalten farbenfroh leuchtenden, vielfigurigen und musterreichen Malereien nicht nur an den Wänden. Zwei von ihnen stehen als begehbare Installationen frei im Raum.

Da ist, im blinkenden Licht farbiger Lampen, in einem Gehäuse aus Rattan-Stuhlgeflecht, zu sehen, was sich dem Künstlerpaar zeigt, wenn sie gemeinsam an der Arbeit sind: Hier eine Kontur, da ein Fleck Farbe, dort ein Muster. «Am Ende wissen wir gar nicht mehr, was am Anfang auf dem Bild war und was sich auf seiner Oberfläche zeigen wird, wenn wir das Glas vom Boden wegnehmen und sich die unterste Schicht wieder zeigt», sagt Mira Tschaeni.

Das Glück der Bilder

Michael Husmann, 1974 in Luzern geboren, malt die realistischen Teile: Kinder in fantastischen Kostümen, eine Schleiereule, Zierrat und nützliche Gegenstände. Mira Tschaeni, 1975 in Basel geboren, setzt eher poetische Akzente und malt Formen oder Muster, die sie in Botanik-Lehrbüchern findet.

«Einer beginnt», sagt die Künstlerin, «der andere macht weiter. Eine Absprache gibt es nicht. Manchmal sehe ich, was Michael gemalt hat, manchmal ist es schon wieder überdeckt. Wir lassen uns überraschen.» – «Die Bilder, fügt Michael Husmann an, «haben ihr eigenes Glück und Schicksal.»

Die Hinterglasbilder sind nur ein Teil im künstlerischen Kosmos des Paars. Von den beiden Bildinstallationen eingerahmt, steht im konkaven Bogenraum der Kunsthalle Luzern eine vieleckige Bühne: Ein altes Parkett, aus einem Abbruchhaus herausgeholt, ein schlimm verstimmtes Klavier und eine Wendeltreppe gaben den Schauplatz ab für eine Vernissagen-Performance des Künstlerpaars und ihrer beider Kinder. Jetzt erinnern Bühne und Requisiten an das Leben, das hier Einzug hielt und wieder weggegangen ist.

Erinnerungsspuren zeichnen auch die Videos nach, die Husmann/Tschaeni in ihrer Ausstellung mit dem lautmalerischen Zungenbrechertitel «Tintinnabulation» zeigen. Das Wort stammt von Edgar Allan Poe und formt einen hellen Glockenklang nach, wie er die dunklen Keramikflötentöne in dem Video «ox lahun» überhöht.

Ein Reh tritt von rechts ins Bild, stakst über eine am Boden liegende Matratze auf einen Spiegel zu. Eine unwirkliche Szene und doch so wirklich wie nur möglich: Husmann/Tschaeni haben auf einem Gnadenhof für Tiere gefilmt, wo die Wildheit von Katzen, Hunden und diesem Reh einer poetischen Sanftheit gewichen ist. Die Kinder Zama und Nalo bewegen sich nicht nur hier mit weichen Bewegungen zwischen den Tieren, sondern auch draussen im Wald, wo eine zahme Schnee-Eule und ein Uhu sich sogar streicheln lassen, wie es im Performancefilm im Untergeschoss der Kunsthalle zu sehen ist.

Absichtslos verspielt

Die Kinder zupfen Wolle von den Ästen, machen sich ans Spinnen und wickeln Fäden von breiten Spulen ab. Die Bilder, die Requisiten der Installationen, die Filmszenen sind miteinander verbunden: Die Eule ist in die Bilder hineingemalt, die Kostüme liegen bereit, die Wolle, aus der die schicksalsbestimmenden Nornen Lebensfäden spinnen, ist in den Pompons wiederzuentdecken, mit denen der Boden im Märchenzelt ausgelegt ist.

Im Videofilm taucht die Kugelbahn auf, die Husmann/Tschaeni für die Ausstellung «Entscheiden» im Stapferhaus Lenzburg gebaut haben und deren Teile jetzt auch in der Luzerner Kunsthallen-Ausstellung zu finden sind. So ungezwungen sich in diesem Kunstkosmos alles zusammenfindet, so absichtslos verspielt – wie ungefiltert «aus der Fantasie, für die Fantasie» –, so stimmig gehören die Dinge zusammen.

Was die zehn und elf Jahre alten Kinder des Künstlerpaars im verträumten Spiel aufführen, ist von ihren Eltern nur rudimentär angelegt und vorgegeben: Die Bewegungen, die Szenen und Begegnungen mit Natur und Tieren sind von archetypischer Poesie und frei von gekünsteltem Affekt. Ungläubig schaut man sich diese Filmsequenzen an: Sie zeigen eine kaum sichtbare Grenze zwischen gewollt und ungewollt, zwischen wirklich und unwirklich.

Husmann/Tschaeni machen diese Grenze bewusst, und sie reden mit ihrem versponnen-märchenhaften Werk wie nebenbei von Leben und Schicksal, vom sich Verlieren und Finden in der Kunst.

Hinweis

Kunsthalle Luzern, Bourbaki, Löwenplatz 11, Luzern. Bis 19. Januar. Di–So 14–18 Uhr, Do 14–20 Uhr. 24.–26. Dezember und 1. Januar geschlossen.

Sonntag, 29. Dezember, 13 Uhr, Familienführung mit Husmann/Tschaeni. Donnerstag, 16. Januar, 19 Uhr, Feierabendführung.

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