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KUNST: Eine Freundschaft mit gewisser Distanz

Paul Klee und Wassily Kandinsky haben ganze Kunstrichtungen geprägt. Eine Ausstellung geht jetzt ihrer Freundschaft auf die Spur.
Wassili Kandinskys «Ausser Gewicht» wird auch in Bern gezeigt. (Bild: PD/Privatbesitz)

Wassili Kandinskys «Ausser Gewicht» wird auch in Bern gezeigt. (Bild: PD/Privatbesitz)

Nie zuvor wurde die Beziehung der beiden Mitbegründer der Klassischen Moderne, Paul Klee (18791940) und Wassily Kandinsky (1866–1944), wissenschaftlich so gründlich untersucht und in einem Museum mit hochkarätigen Bildern dargestellt wie jetzt im Berner Zentrum Paul Klee. In Deutschland, wo sie den grössten Teil ihres Lebens verbrachten, prägten Klee und Kandinsky als Avantgardisten mehrere Kunstrichtungen mit. Ihr Unterricht am Bauhaus und ihre Schriften übten nachhaltigen Einfluss auf die Kunstszene aus.

Vom «Blauen Reiter» zum Bauhaus

Zu den ersten freundschaftlichen Kontakten kam es 1911 in der von Kandinsky und Franz Marc in München gegründeten Künstlervereinigung «Der Blaue Reiter». Nachdem Klee 1921 als Professor ans Weimarer Bauhaus berufen worden war, folgte ihm Kandinsky ein Jahr später dorthin nach. Nach der Entlassung an der Düsseldorfer Kunstakademie und am Bauhaus verliessen Klee und Kandinsky im Schicksalsjahr 1933 Deutschland für immer. Während der Russe in die Gegend von Paris übersiedelte, kehrte sein Schweizer Kollege nach Bern zurück.

Die von Michael Baumgartner, Annegret Hoberg und Christine Hopfengart subtil kuratierte Ausstellung «Klee & Kandinsky» im Zentrum Paul Klee entstand in Partnerschaft mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus (München), wo sie anschliessend gezeigt wird. Die meisten Exponate stammen aus diesen Kompetenzzentren für die beiden Künstler. Weitere Werke steuerte unter anderen das Guggenheim-Museum bei.

Chefkurator Michael Baumgartner gelang es, nicht nur die individuelle Entwicklung der beiden Freunde und gelegentlichen Rivalen, sondern auch deren gegenseitige Beeinflussung während dreier Jahrzehnte mit glanzvollen Beispielen aufzuzeigen. Mit seinen farbinten­siven Bildern, in denen er einen «inneren Klang» zum Ausdruck brachte, hatte Kandinsky den anfänglich nur als Zeichner eigenständigen Klee zur befreienden Beschäftigung mit der Farbe stimuliert.

Erst als Lehrer am Weimarer Bauhaus kamen sich die beiden Künstler und Pädagogen näher. Klee liess sich von Kandinsky zu stärkerer Geometrisierung anregen, beeinflusste andererseits mit figürlichen Elementen den 13 Jahre älteren Kollegen in dessen konstruktivistischen Bildern. Die Ende der 1920er- Jahre für Klee zu einem wichtigen Gestaltungsmittel gewordene Spritztechnik übernahm Kandinsky wenig später. Auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten reagierten beide Maler in vielen Werken mit dumpfen Brauntönen, die erst nach dem Neubeginn in der Emigration aufgehellter Farbigkeit wichen.

Anregerin Musik

Die Auseinandersetzung mit Musik spielte im Leben beider Künstler eine wichtige Rolle. Während sich Klee, selber ein begabter Geiger, in seinen Bildkompositionen mehr für Linearität und Polyphonie interessierte, waren für Kandinsky inspirierende Farbklänge und expressive Klangfarben wichtiger. Obschon sie ein Doppelhaus bewohnten, legten die beiden Bauhaus-Professoren Wert auf Diskretion. Sie blieben immer per Sie und wahrten, selbst wenn sie sich zum Geburtstag Bilder mit Widmungen schenkten, eine gewisse Distanz.

Walter Labhart, sfd

«Klee & Kandinsky», bis 27. September im Zentrum Paul Klee, Bern, täglich ausser montags.

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