Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KUNST: Er schuf wundersame Schreckenswelten

Heute vor 500 Jahren läuteten die Trauer­­­g­locken der Kathedrale im holländischen Den Bosch: Ein Meister war tot. Seine Bilder faszinieren bis heute Millionen. Doch wer war Hieronymus Bosch?
Annette Birschel, dpa
Im holländischen Den Bosch schwimmt derzeit diese Skulptur, die von Hieronymus Bosch inspiriert ist. (Bild: Keystone)

Im holländischen Den Bosch schwimmt derzeit diese Skulptur, die von Hieronymus Bosch inspiriert ist. (Bild: Keystone)

Annette Birschel, dpa

Kritisch, aber freundlich schaut Hieronymus Bosch auf seine Stadt, den Pinsel in der rechten, die Palette in der linken Hand. Auf dem Kopf eine Kappe, um die Schultern ein langes Cape. Mitten auf dem Alten Markt hat die Stadt ’s-Hertogenbosch dem Maler ein Denkmal gesetzt. Vor 500 Jahren starb der Meister hier in der südniederländischen Provinz.

Die farbigen Visionen von Himmel und Hölle des Malers üben bis heute eine grosse Anziehungskraft auf Millionen Menschen aus. Die bisher grösste Ausstellung zurzeit im Prado in Madrid verspricht, ein Magnet für Touristen aus aller Welt zu werden. Zuvor hatten bereits in ’s-Hertogenbosch mehr als 400 000 Personen die grosse Jubiläumsausstellung gesehen. Um dem Ansturm gerecht zu werden, hatte das Museum in den letzten Wochen sogar nachts seine Türen geöffnet. Und bis zum Ende des Jahres feiert die Stadt den Maler noch mit weiteren Ausstellungen, Tanz und Musik.

Der grosse Unbekannte

Mit den schmalen Gassen, den mittelalterlichen Häuschen und der ehrwürdigen Kathedrale ist Den Bosch, wie die Niederländer sagen, eine malerische Kleinstadt. Kaum vorstellbar, dass Hieronymus Bosch hier seine wundersame Schreckenswelt schuf: hämische Teufel, furchterregende Uhus, ein Trichter auf zwei Beinen, Menschen mit Fischköpfen. Und immer wieder stehen Touristen auf dem Marktplatz vor der grossen Skulptur des Malers. Doch hat er tatsächlich so ausgesehen? Unwahrscheinlich. Es gibt keine gesicherten Porträts. Auch über seine Person ist kaum etwas bekannt.

Aufstieg durch Heirat

Um 1450 wurde Hieronymus als Sohn der angesehenen Malerfamilie van Aken geboren. Jeroen, wie er in den Niederlanden genannt wird, war ein begabter Junge und besuchte die Lateinschule. Durch seine Heirat mit der wohlhabenden Aleid van de Meervenne 1480 stieg er in die höheren Kreise der Stadt auf und wurde sogar in die illustre Liebfrauen-Bruderschaft aufgenommen. Die sogenannte Schwanenbruderschaft besass in der Kathedrale eine eigene Kapelle, für die Hieronymus wohl ein Altarbild gemalt hat. Der Ruhm des Malers reichte weit über die Stadtgrenzen hinaus bis an den spanischen Hof. Am 9. August 1516 wurde er begraben, geht aus den Archiven der Sint-Jans-Kathedrale hervor. Wo sein Grab ist, woran er starb, ob er Kinder hatte – all dies wissen wir nicht.

Hauptfigur in neuem Comic

Um Jeroen Bosch kennen zu lernen, muss man weit zurückgehen in die Zeit auf der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance. Das wagte der Rotterdamer Zeichner Marcel Ruijters. Zum Jubiläumsjahr und im Auftrag der Veranstalter verarbeitete er die ­Lebensgeschichte in einer Graphic Novel, die jetzt auf Deutsch erschienen ist.

Schlaksig, blonde lange Haare, eine lange spitze Nase – so stellt Ruijters ihn dar. Seine groben Zeichnungen stehen in einem schrillen Kontrast zu den prachtvollen fein gemalten Gemälden von Bosch. Das ist klar – es ist ein Comic. Doch gerade durch die Form wird die Lebenswelt lebendig: Korrupte Priester, furchterregende Leprakranke, ausgemergelte Krüppel, gierige Alte, dicke Reiche. Ja, so muss die Stadt ausgesehen haben, in der Bosch seine Inspiration fand.

Alle Bilder malte Bosch in seiner Heimatstadt. 45 gibt es heute noch, sie sind im Besitz von 18 Sammlungen in zehn Ländern – kein einziges in seiner Heimatstadt. Er selbst aber hat diese wohl nie verlassen.

Hinweis

Anlässlich des 500. Todestages von Bosch hat der Moritz-Verlag das Bilderbuch «Hieronymus» publiziert. Der chinesischstämmige Holländer Thé Tjong-Khing erzählt ohne Worte die Geschichte eines Jungen, der in eine Schlucht stürzt und in eine Welt voller unheimlicher Wesen gerät. Diese sind vom magischen Malstil Boschs inspiriert.

Schauriger Ausschnitt aus dem riesigen Gemälde «Das Jüngste Gericht» von Bosch. (Bild: PD)

Schauriger Ausschnitt aus dem riesigen Gemälde «Das Jüngste Gericht» von Bosch. (Bild: PD)

Bosch als Hauptfigur im neuen Comic von Marcel Ruijters. (Bild: Keystone)

Bosch als Hauptfigur im neuen Comic von Marcel Ruijters. (Bild: Keystone)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.