KUNST: Erinnerungen an ein Leben in der Kunstwelt

Jonathan Delachaux ist zwar bekannt – aber nicht in der Zentralschweiz. Jetzt zeigt der welsche Künstler ­seine schräge Kunst in Luzern.

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Bilderwand von Jonathan Delachaux in der Galleria Edizioni Periferia in Luzern. (Bild: PD)

Bilderwand von Jonathan Delachaux in der Galleria Edizioni Periferia in Luzern. (Bild: PD)

Es ist, als irre man durch ein Erinnerungsalbum, welches das wilde und ereignisreiche Leben dreier Freunde dokumentiert. Es ist eine Bilderflut, der man in der aktuellen Ausstellung in der Galleria Edizioni Periferia in Luzern begegnet. Mit 91 Werken, darunter eine raumfüllende Installation, hat der Künstler Jonathan Delachaux die nicht extrem grossen Galerieräume bestückt. Dicht an dicht, über- und nebeneinander füllen die Bilder sämtliche Wände der Galerie. Petersburger Hängung heisst der Fachbegriff für diese Art der Präsentation, die den Besucher mit optischen Reizen so bestürmt, dass er nicht mehr weiss, wo er hinschauen soll und sich kaum auf ein einzelnes Werk konzentrieren kann.

Leuchtende Bilder

Doch der Künstler versteht es, die Wahrnehmungskapazitäten noch weiter auszureizen, indem er einige Bilder so gemalt hat, dass sie mit einer entsprechenden Brille dreidimensional erscheinen. Zudem verwendet er in anderen Werken fluoreszierende Farbe, die bei ultraviolettem Licht ein anderes Bild erscheinen lassen als bei Tageslicht. Zuletzt setzt der Künstler auch Farbe ein, die das Licht speichert und das Bild in der Dunkelheit leuchten lässt.

Jonathan Delachaux, 1976 im jurassischen Môtiers geboren, ist in der Romandie ein viel beachteter Künstler, der jedoch trotz internationaler Ausstellungen und Auftritte in der Deutschschweiz kaum bekannt ist. Die Werkpräsentation in Luzern, die einen guten Ein- und einen informativen Überblick in und über das Schaffen des vielseitigen Künstlers gibt, «soll auch ein Versuch sein, den viel zitierten Röstigraben wenigstens in der Kunst zu überwinden», wie die Galeristen erklären.

Jonathan Delachaux, der auch als Bassklarinettist auftritt, bietet mehr als nur optisches Spektakel. Die Arbeiten des Künstlers erzählen auch Geschichten. Konkret die Lebensgeschichte von Naima, Johan und Vassili, drei befreundeten Persönlichkeiten, die ihr Leben im Kunst- und Musikbetrieb verbringen. Doch die drei sind keine realen Personen, sondern Puppen, die der Künstler erschaffen und mit einer ebenso fiktiven Biografie versehen hat, die sich über die vergangenen 18 Jahre entwickelt hat. Vassili ist kürzlich unverhofft gestorben. Er fiel einem Zyklon in der Karibik zum Opfer. Seine Stelle hat nun Arthur eingenommen, an dessen Gesicht er sich jedoch nicht erinnern kann.

Surreale Szenen

Es ist ein witziges und lustvolles Spiel, das der Künstler treibt, indem er Fiktion und Realität vermischt und durcheinanderbringt. Der Künstler lässt die Puppen bei Aktionen auftreten oder Konzerte geben und mit realen Menschen interagieren. Die absurden Szenen werden dokumentiert und später zu Bildern verarbeitet. Dabei sind die drei Freunde Naima, Johan und Vassili. Sie haben den Künstler Jonathan Delachaux, ihren Schöpfer und geistigen Vater, bereits nach New York und Japan und Indien begleitet. Die Erinnerungsbilder sind jetzt in der Ausstellung in Luzern zu sehen.

Kurt Beck

Hinweis

Galleria Edizioni Periferia, Unterlachenstrasse 12, Luzern. Samstag, 29. Aug., 5., 12., 19. Sept., 11–18 Uhr. www.periferia.ch