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KUNST: Faszination für die intensive Welt der Tropen

Zwei Ausstellungen des in Luzern und auf der Karibikinsel St. Lucia lebenden Künstlers Claude Sandoz geben spannende Einblicke: Der Kunstraum Benzeholz in Meggen zeigt Aktuelles, im Luzerner Arlecchino blickt man zurück auf Sandoz’ Arbeiten der 1960er-Jahre.
C. Sandoz: «The Sun Fan», eine von drei Assemblagen aus Holz.

C. Sandoz: «The Sun Fan», eine von drei Assemblagen aus Holz.

Vor knalligem Grund sind strahlenförmige Balken angelegt, umringt von kleineren Sternen, Mond- und Planetenformen, wiederum umringt von Feldern mit einer Netzstruktur und einem ornamentalen Rahmen.

Ein Mandala ist ein Bild des Universums, das symbolhaft den Kreislaufs des Lebens darstellt. Über die menschlichen Einzelschicksale hinweg umspannt es den Zyklus von Werden und Vergehen. Der Künstler Claude Sandoz (* 1946) verwendet gerne diese Bildform. Sein neues, im Kunstraum Benzeholz in Meggen ausgestelltes grosses dreiteiliges Werk «The Sun Fan» huldigt, wie der Titel andeutet, den Naturphänomenen Sonne und Wind – zumindest in einer ihrer abgewandelten Formen: dem Ventilator, der die Hitze der Sonne erträglicher macht.

Die drei grossformatigen Assemblagen bestehen aus unterschiedlichen Abfallprodukten und Konsumgütern – ein Erbe, das unsere Zivilisation weit überdauern wird und bereits tief in den natürlichen Kreislauf eingedrungen ist.

Sandoz hat mit den rosettenförmigen Farbdeckeln, mit Rotorblättern von Ventilatoren, Gummibändern und Stretch-Stoff kosmische Ordnungen ausgelegt. Durch die leuchtende Bemalung schimmern Gebrauchsspuren und der ursprüngliche Kontext nur noch vage aus der übergreifenden Komposition hindurch.

Das Nebensächliche würdigen

Die objets trouvés sind stillgelegt und ordnen sich dem Bildgefüge unter – obwohl die verknüpften Gummibänder oder die spitzig gezackten Metallrädchen einiges an latenter Spannung mitschwingen lassen. Unklar bleibt, inwiefern die unterschwellige Zivilisationskritik beabsichtigt ist. Oder findet sich in der Verschönerung von Wertlosem der Versuch, zum Alltag eine Gegenwelt zu schaffen, in der das Nebensächliche in seiner Schönheit gewürdigt wird?

Seit den Anfängen prägen die vielen Reisen und Einflüsse unterschiedlicher Kulturen ­Claude Sandoz’ Œuvre. Wobei in den letzten zwanzig Jahren besonders die Insel St. Lucia, wo der Künstler neben Luzern mehrere Monate im Jahr verbringt, zu einem Fixpunkt seiner Arbeit und seines Alltags wurde.

Der Faszination für die farbenfrohe intensive Welt der Tropen haftet immer auch eine etwas einseitige und vereinnahmende Rezeption dieser sogenannt paradiesischen Lebenswelt an, wobei es sich als schwer herausstellt, sich der Perspektivierung eines Exotismus zu entziehen. Die Gefahr, diesen visuellen Reizen der Farben, Natur und karibischen Kultur zu erliegen und die Äusserlichkeiten dieser flirrenden Pracht zu reproduzieren und in ein persönliches System einzuführen, lauert überall.

Doch einigen Arbeiten gelingt es, sich daraus zu befreien und eine eigene Intensität zu entwickeln. Eine ganze Wand mit kleinformatigen Aquarellen bricht aus der Symmetrie und der starren Ornamentik aus, um in diverse Bewegungsmomente überzugehen, die sich in der geschickten Hängung auch von Blatt zu Blatt übertragen.

Und im Dachstock findet sich eine Art Karussell, umgeben von Lichtflecken einer Discokugel und elektronischer Musik. Figuren drehen sich um das silberglänzende Paillettenfeld im Zentrum, sodass eine neue Evolutionsgeschichte geschrieben wird, wo sich der Frosch zum Elefanten, der Mensch zum Fisch entwickelt.

Zirkusclowns und Artisten

Zeitgleich zur Ausstellung in Meggen zeigt das Café Arlecchino in Luzern eine kleine Auswahl früher Arbeiten der 1960er-Jahre von Claude Sandoz. Die Zirkusmotive, Clowns und Artisten passen perfekt in das Café. Während die melancholischen, kubistisch gemalten Aquarellbilder etwas aus der Zeit gefallen scheinen, fasziniert eine eindrückliche grossformatige Bleistiftzeichnung, die auf komplexen räumlichen Ebenen und Hell-Dunkel-Effekten aufbaut. Das Spiel von Überlagerungen und Schichtungen, das in den späteren Werken ausgelebt wird, scheint hier bereits angelegt.

Claire Hoffmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Claude Sandoz, «The Sun Fan», Kunstraum Benzeholz, Meggen. Bis 9. 4. Öffnungszeiten: Do/Sa/So, 14 bis 18 Uhr.

Mehr Infos: www.benzeholz.ch Claude Sandoz im Café Arlecchino, Habsburgerstrasse 23, Luzern. Bis 22. 6. Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 6.30 bis 20 Uhr, Sa, 7 bis 18 Uhr; So, 8 bis 18 Uhr.

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