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Ein Illustrator macht Kunst gegen grauen Beton

St.Gallen tut sich schwer mit urbaner Kunst. Geeignete Flächen wären zwar vorhanden, oft stehen aber behördliche Auflagen im Weg. Der St. Galler Illustrator Dominik Rüegg sieht jedoch Potenzial.
Philipp Bürkler
Der St. Galler Dominik Rüegg ist Drü Egg: An der Jungkunst in Winterthur Ende Oktober realisierte der gelernte Trickfilmzeichner seine bisher grösste Wandillustration. (Bild: Dominik Ruegg)

Der St. Galler Dominik Rüegg ist Drü Egg: An der Jungkunst in Winterthur Ende Oktober realisierte der gelernte Trickfilmzeichner seine bisher grösste Wandillustration. (Bild: Dominik Ruegg)

Gewöhnlich malt Dominik Rüegg mit einem Filzstift auf ein Stück Papier. Oder mit Farbe auf eine kleinere Wand. In einer Indus­triehalle im Winterthurer Sulzerareal durfte Rüegg, der sich Drü Egg nennt, kürzlich eine 15 Meter hohe und zehn Meter breite Fassade bemalen. Es ist das grösste Werk, das der Streetart-Künstler jemals realisiert hat. Während fast 70 Stunden hat er mit Pinsel und Roller etwa 15 Liter Farbe verbraucht. Entstanden ist eine abstrakte, modular aufgebaute, meergrüne Landschaft.

«Es gibt keine Skizze, ich fange jeweils unten an, in diesem Fall mit einem Häuschen unten links.»

Diese Wand war eine ganz spezielle Herausforderung. «Für mich war es ein Beweis, dass ich diese Grösse schaffe.» Die Wand in Winterthur wurde unterdessen bereits abgerissen, da sie lediglich als Schall- und Staubschutz während Umbauarbeiten diente. Eigentlich gehört Rüeggs Kunst aber auf die Strassen dieser Welt, dort, wo die grossen Bilder erst richtig zur Geltung kommen. Nicht umsonst nennt sich sein Genre Streetart, Strassenkunst.

Werbung lenkt nicht ab, Kunst schon?

Der Begriff Streetart sei noch immer nicht so geläufig, sagt Rüegg. Während Graffiti-Sprayer in der Regel illegal und innert weniger Sekunden ihr Name an möglichst vielen Hauswänden zwecks Bekanntheit innerhalb einer Community platzieren, ist Streetart Konzeptkunst mit höherem Anspruch an Ästhetik und Betrachtung. Streetart-Künstlerinnen und -Künstler suchen gezielt nach einem Ort, um ihr Werk zu realisieren.

«Für Streetart reisen Künstler weit herum und nehmen sich Zeit.»

Auch Rüegg plant bereits seine nächste Reise. Im kommenden Frühling möchte er in London einige grossformatige Illustrationen an Wänden in der Millionenmetropole hinterlassen. Eigentlich würde sich Rüegg auch in seiner Heimatstadt St. Gallen gern legal und offiziell an einer Wand «verewigen». Das ist aber gar nicht so einfach, wie es scheint. Während Streetart in Grossstädten wie London, Berlin, New York oder Paris mittlerweile ein urbanes Gestaltungselement gegen die farblose Tristesse der Betonfassaden ist, tut sich die Schweiz nach wie vor schwer damit. Gerade die Stadt St. Gallen ist noch ein Streetart-Brachland.

Die Hausbesitzer zu fragen, ob sie ihre Wand zur Verfügung stellen wollten, reiche nicht, erklärt Rüegg. «Da es eine Änderung an der Fassade ist, braucht es ein offizielles Baugesuch.» Die Behörden verlangen zudem, dass das Kunstwerk ins Stadtbild passt und Autofahrer nicht ablenkt. Rüegg fragt sich dann aber zu recht: «Bei Werbung könnte man auch darüber streiten, ob sie ablenkt.» Im Westen der Stadt stehe ein riesiger LED-Bildschirm, der offenbar nicht ablenke.

Sein Wandbild in Winterthur sei immerhin eine Referenz, um künftig Streetart-Projekte bei der Stadt einzureichen. Geeignete Orte in St. Gallen wären Rüegg einige bekannt:

«Meine Lieblingswand befindet sich bei der Brücke an der Oberstrasse. Eine weitere grosse Fassade gibt es stadtauswärts bei der Bushaltestelle Ruhsitz.»

Wer weiss, vielleicht holt St. Gallen bei urbaner Kunst auf, und graue Wände verwandeln sich in bunte Kunstwerke.

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