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KUNST: Gemalte Erinnerung an schlechte Zeiten

Ilya Kabakov (80) zählt zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Das Kunsthaus Zug zeigt in einer Ausstellung die Vielseitigkeit des Stars der Kunstszene.
Kurt Beck
Demontierte Sowjet-Propaganda: Ölgemälde aus der Serie «The Collage of Spaces» des russischen Künstlers Ilya Kabakov. (Bild: PD)

Demontierte Sowjet-Propaganda: Ölgemälde aus der Serie «The Collage of Spaces» des russischen Künstlers Ilya Kabakov. (Bild: PD)

Lange musste er warten, bis seine künstlerische Karriere richtig Tritt fasste und er im internationalen Kunstbetrieb eine steile Karriere starten konnte. Der russische Künstler Ilya Kabakov, 1933 in Dnepropetrowsk in der ehemaligen Sowjetunion geboren, war zwar bereits seit Mitte der 1960er-Jahre als Künstler aktiv und sehr produktiv. Doch erst ab 1987, nach seiner Emigration in den Westen, erreichte er jene Anerkennung und Bekanntheit, die ihm zum Starstatus und zu Ausstellungen in der ganzen Welt verhalfen. Bereits 1992 war er mit einer Aufsehen erregenden Installation an der Documenta IX in Kassel und 2003 an der 50. Biennale in Venedig zu sehen. Für das New Yorker «Art News Magazine» gehört Kabakov inzwischen zu den zehn wichtigsten Künstlern der Gegenwart.

Erste Ausstellung in der Schweiz

Die Schweiz spielt beim Aufstieg von Ilya Kabakov von Anfang an eine wichtige Rolle. Auf Initiative des damaligen Staatssekretärs und Präsidenten der Kunsthalle Bern, Paul Jolles, fand in Bern 1985 die erste Einzelausstellung des Künstlers überhaupt statt. Unter recht abenteuerlichen Umständen wurden die Bilder für die Ausstellung aus dem Moskauer Atelier nach Bern verfrachtet.

Im Westen galt der Künstler damals als zentrale Figur der dissidenten Moskauer Kunstszene. Kabakov hatte zwar keine Chance, seine Werke in Moskau öffentlich auszustellen, doch er konnte als Kinderbuchillustrator arbeiten und war Mitglied des Künstlerbundes der UdSSR.

Ilya Kabakov ist einer der wichtigen Exponenten des Moskauer Konzeptualismus. Hauptsächlich Texte, Zeichnungen und Malereien entstanden in der Moskauer Zeit. Im Westen avancierte Kabakov dann schnell zum Installationskünstler, der mit seinen eigenwilligen Werken das Kunstpublikum überrascht und überzeugt hat. In letzter Zeit hat sich der inzwischen über 80-jährige Künstler wieder der Malerei und seinen künstlerischen Ursprüngen zugewandt. Eine Wendung, die dem Kunsthaus Zug jetzt entgegenkommt. Denn für eine installative Kabakov-Arbeit wäre im Haus kaum Platz. Denn welche Dimensionen Kabakov bewältigt, kann man zurzeit in Paris sehen: Auf einer gigantischen Fläche von 13 500 Quadratmetern zeigt Ilya Kabakov die Installation «Strange City», die er zusammen mit seiner Frau Emilia für die Monumenta 2014 im Grand Palais verwirklicht hat.

Künstlerische Qualität

Die aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Zug wartet mit bescheideneren Ausmassen auf. Doch immerhin ist in der Ausstellung auch eine frühe installative Arbeit vertreten. Das «Konzert für eine Fliege» ist ein vieldeutiges Werk, das den Übergang zwischen den zeichnerischen Alben und den späteren Installationen markiert. Die räumliche Beschränkung der Ausstellung im Zuger Kunsthaus bedeutet jedoch keineswegs, dass es der Ausstellung an Qualität mangelt. Unter dem Titel «Ich beginne zu vergessen» gelingt es, eine Brücke zu schlagen zwischen den den frühen, unter dem Sowjetregime entstandenen Arbeiten und den Gemälden der letzten Jahre. Humor und stille Freude am Paradoxen und an Widersprüchlichkeiten sind ein inhaltlicher Strang, welcher Früh- und Spätwerk verbindet. In frühen Arbeiten werden alltägliche, banale Situationen zu bildhafter Kunst gemacht. Im Triptychon «Am Rande», einem seiner Hauptwerke aus der Sowjetzeit, kombiniert er folkloristische Motive mit strenger, monochromer Abstraktion. Das Ergebnis ist noch heute irritierend.

Radikale Demontage

Um Erinnern und Vergessen geht es in den jüngsten Arbeiten. Die als Collagen gemalten Bilder bestehen aus Ausrissen aus propagandistischen Werken der Sowjetunion der 50er- und 60er-Jahre. Bilder, die damals für eine gesellschaftliche und politische Utopie warben, reisst Kabakov aus dem Kontext und montiert sie zur visuellen Systemkritik. In den Collagen wird die in pathetischem sozialistischem Realismus gemalte Illusion witzig, aber radikal demontiert. Nur Erinnerungsfetzen sind zurückgeblieben.

Die Ausstellung im Kunsthaus Zug zeigt auch beispielhaft die Beziehung Kabakovs zur russischen Avantgarde. Zudem präsentiert sie Malereien, die der Künstler unter dem Pseudonym Charles Rosenthal veröffentlicht hat.

Insgesamt vermittelt die Ausstellung ein facettenreiches Bild der vielseitigen Künstlerpersönlichkeit, die weltbekannt ist und «trotzdem als Künstler unterschätzt wird», wie Kunsthaus-Direktor Matthias Haldemann erklärt, der die Ausstellung eingerichtet hat.

Hinweis

«Ich beginne zu vergessen», Werke von Ilya Kabakov aus Schweizer Sammlungen. Di–Fr 12–18, Sa/So 10–17 Uhr. Bis 17. August. www.kunsthauszug.ch

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