KUNST: Ihre Kunst strahlt über den Tod hinaus

Zwei Kunstorte, eine Ausstellung: In Luzern ist die einheimische Künstlerin Bessie Nager (1962–2009) neu zu entdecken.

Kurt Beck
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Alessa Panayiotou, Leiterin der Kunsthalle Luzern, schaut sich Bessie Nagers Leuchtkasten genau an. (Bild Dominik Wunderli)

Alessa Panayiotou, Leiterin der Kunsthalle Luzern, schaut sich Bessie Nagers Leuchtkasten genau an. (Bild Dominik Wunderli)

«Es ist, als ob dieser Leuchtkubus eigens für die Luzerner Kunsthalle geschaffen worden wäre», sagt Alessa Panayiotou, die Leiterin der Luzerner Kunsthalle. Tatsächlich, Bessie Nagers 3,55 Meter hohes Leuchtbild passt genau in den Ausstellungsraum. Doch es sind nicht allein die Ausmasse, welche das monumentale Werk für die Präsentation in der Kunsthalle so sehr geeignet machen. Auch die inhaltlichen und formalen Dimensionen von «This land is your land, this land is my land» von 2009 funktionieren in der Raumsituation und der belebten und geschäftigen Umgebung des Bourbakis ideal. Das grosse Leuchtbild, das sich aus neun Fototafeln zusammensetzt, zeigt Bessie Nagers Vision einer imaginären Metropole. Eine Vision, welche die Künstlerin aus unzähligen Nachtansichten, Strassenszenen, Bildern von Flughäfen, Wolkenkratzern, Sportstadien, Autobahnen, Schiffen und Menschenmassen im Computer zusammenmontiert hat.

Die Bilder werden von hinten beleuchtet und strahlen futuristische Urbanität aus. Die Arbeit erinnert an das filmische Metropolis von Fritz Lang. Man kann sich kaum sattsehen an diesem spektakulären Werk.

Grosse Werkschau

Das Leuchtbild ist das zentrale Werk in der retrospektiven Werkschau, welche die Luzerner Galerie Tuttiart und die Kunsthalle Luzern der Luzerner Künstlerin Bessie Nager eingerichtet haben. Videos und Zeichnungen, die feineren und leisen Arbeiten der Künstlerin, sind in der Galerie Tuttiart ausgestellt. Grössere Installationen und Objekte zeigt die Kunsthalle.

Es ist die grösste Präsentation von Arbeiten nach ihrem Unfalltod vor fünf Jahren. Bessie Nager war zwar 1962 in Luzern geboren und aufgewachsen, brach ihre Beziehung zu Luzern und seiner Kunstszene nie ab und hat zahlreiche jüngere hiesige Künstlerinnen mit ihrer Arbeit beeinflusst. Trotzdem galt sie, die in Zürich erst Kunstgeschichte studierte und etwas zeitverschoben an der Hochschule für Künste in Zürich eine künstlerische Ausbildung machte, bald als Zürcher Künstlerin. Sie machte rasch durch ihre eigenwilligen Arbeiten auf sich aufmerksam, erhielt mehrere Stipendien und Auszeichnungen, darunter 2001 das Eidgenössische Stipendium für Freie Kunst und 2002 den Preis der Zentralschweizer Kantone. Bessie Nager gehörte zu den spannendsten und wichtigsten Schweizer Kunstschaffenden ihrer Generation. Sie fand auch international zunehmend Beachtung.

Keine Gedenkausstellung

Heute jährt sich der tragische Tod der viel versprechenden Künstlerin zum fünften Mal. Doch die beiden Ausstellungen sind nicht als Gedenkanlass gedacht. «Wir zeigen das Werk von Bessie Nager, damit wir uns darüber freuen, was sie geschaffen hat», sagt Henri Spaeti von der Galerie Tuttiart. Und Alessa Panayiotou erklärt: «Wir wollen in Erinnerung rufen, welch wichtige hiesige Künstlerin sie war.»

Die Ausstellungen lösen diesen Anspruch ein und zeigen die Grösse der Künstlerin, die es wie keine andere verstand, Alltägliches zu poetischen, gesellschaftlich relevanten Kunstwerken zu verdichten, die beim Betrachter Überraschung und Staunen auslösen.

Hinweis

Aktuelle Ausstellungen von Bessie Nager: Videos und Zeichnungen, Galerie Tuttiart, St. Karliquai 7, Luzern. Do/Fr 16–19, Sa 12–16 Uhr. Bis 28. Februar. Vernissage heute, 15 Uhr.

Installative Arbeiten, Kunsthalle im Bourbaki, Löwenplatz 11, Luzern. Di/Mi/Fr/Sa/So 14–18, So 14–20 Uhr. Bis 21. Februar. Vernissage heute, 17 Uhr. Special Event: Sonntag, 9. Februar; www.tuttiart.ch und www.kunsthalleluzern.ch

Videoart: Eine Auswahl von Videoarbeiten von Bessie Nager finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/bonus