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Kunst im Bellpark: Der Plan B geht auf

Was tut ein Museum, dem der Künstler kurz vor Eröffnung der Ausstellung absagt? Es treibt Stellvertreter auf: «The Replacements» im Museum im Bellpark Kriens kombiniert weisse Socken mit Beyoncé und Fake-Möbeln.
Céline Graf
Junge Kunst im Museum im Bellpark. Im Bild: Anspielungen auf die Popkultur (Jérôme Baccaglio, links) und All-Stickereien (Mitchell Anderson, rechts).

Junge Kunst im Museum im Bellpark. Im Bild: Anspielungen auf die Popkultur (Jérôme Baccaglio, links) und All-Stickereien (Mitchell Anderson, rechts).

Das Piepsen ist hoch und durchdringend. Am Morgen vor der Eröffnung der Ausstellung «The Replacements» im Museum im Bellpark Kriens ist kurz der Strom abgestellt, wie ein Piepston anzeigt. Das sei wegen Bauarbeiten nebenan, so Museumsleiter Hilar Stadler, und beginnt tapfer den Rundgang durch die Ausstellung.

Immerhin: Dass es anders kommt als geplant, ist Stadler sich dieses Jahr schon gewöhnt. Denn die Ausstellung an sich ist, wie der Titel («Die Stellvertreter») verrät, ein Plan B.

Plan A hiess Tobias Madison. Vor weniger als zwei Monaten informierte der Basler das Museum, dass er momentan nicht weiterarbeiten könne und die Ausstellung verschieben müsse. Das Problem: Anders als in der Oper und grossen Theatern gibt es in der Kunst keine Zweitbesetzung, die im Notfall direkt einspringt.

Geheime Nachricht flattert herein

Auf der Suche nach Ersatz beschloss Stadler, dann könne man «mal etwas anderes machen». Meistens zeigt das Museum Einzelausstellungen. Nun sind auf den drei Etagen Positionen von acht Künstlerinnen und Künstlern ausgestellt: Chantal Kaufmann, Francesco Cagnin, Gabriele Garavaglia, Jérôme Baccaglio, Lorenza Longhi, Mitchell Anderson, Sam Porritt und Sitara Abuzar Ghaznawi. Alle zwischen Mitte Zwanzig und Ende Dreissig, alle «junge Künstler auf dem Sprung», wie Stadler sagt.

Das sieht nicht nur er so: Garavaglia, Longhi und Ghaznawi sind in der Auswahl für die Swiss Art Awards, die am Montag verliehen werden. Auf dem Rundgang flattert dazu eine Neuigkeit ins Haus, die noch geheim bleiben muss.

Die Schweizer, Italiener, Amerikaner und Philippiner kennen sich von früheren Projekten. Trotz kurzer Zeit haben einige neue Werke produziert, andere bringen bestehende mit.

Brav eingesprungen: Plakat zur Ausstellung. (Bild: bellpark.ch)

Brav eingesprungen: Plakat zur Ausstellung. (Bild: bellpark.ch)

Auf dem Plakat zur Ausstellung präsentieren sich die Künstler wie eine Schulklasse aus Strebern, die Hände adrett vor dem Körper gefaltet. Anders, als das Foto suggeriert, verhandeln sie aber in den ausgestellten Werken nicht speziell ihren Status als Stellvertreter.

Von milchigen Augen verfolgt

Die Ironie blitzt allerdings immer wieder auf. Etwa bei Longhi, die das helvetische Standardbüromöbel USM nachgebaut hat – absichtlich mit Billigmaterial, wüsten Nähten und schiefen Kanten. Oder bei Cagnin: In seinem Video «Rest in pieces» kann man sich fast nicht auf die übers Kolosseum fliegenden Parolen konzentrieren, weil dazu lauter Discotechno hämmert. Und Moment, war das nicht eben Beyoncé in der römischen Arena?

Da ist aber auch ein Gefühl, verfolgt zu werden. In mehreren Räumen starrt einem dasselbe fotografierte Frauengesicht durch gruselig milchige Augen an. Das Bild stammt aus einer Performance von Garavaglia. Und Kaufmann hat Fotos eines weissen unbenutzten Sockenpaars in den Räumen aufgehängt, als wären es dekorative Porträts.

Vieles dreht sich in der Ausstellung um Readymade und Pop Art, Gamekultur, Neunziger- und Nullerjahre, gesellschaftliche Kommentare und Konzeptkunst. Langweilig wird das nicht. Fazit: Bei Glace kommen wilde Mischungen selten gut, bei Kunst manchmal schon.

Vernissage: heute, 18.30 Uhr. Künstlergespräch mit Lorenza Longhi, Mitchell Anderson, Francesco Gagnin: 30. Juni, 14.30 Uhr. Ausstellung bis 21. Juli.
www.bellpark.ch

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