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KUNST: Im Kriechgang durchs Museum

Das international bekannte Künstlerduo Lang/ Baumann hat das Haus für Kunst Uri umgestaltet. Besucher erleben das Haus in Altdorf auf eine völlig andere Art.
Einstieg in die «Beautiful Tube #4» des Künstlerduos Lang/Baumann im Haus für Kunst Uri in Altdorf. (Bild: Urs Hanart)

Einstieg in die «Beautiful Tube #4» des Künstlerduos Lang/Baumann im Haus für Kunst Uri in Altdorf. (Bild: Urs Hanart)

Kurt Beck

Ihre Kunst ist meist eine Gratwanderung, denn das Künstlerduo Sabina Lang (42) und Daniel Baumann (47) schert sich wenig um Konventionen, stilistische Beschränkungen und künstlerische Limiten. Ihre Arbeiten sprengen die Grenzen der Genres, bewegen sich unbeschwert und locker zwischen Design, Architektur, Malerei und Skulptur. Sie kombinieren in ihren oft monumentalen Werken Gegensätzliches auf spielerische Art, arbeiten so lange an den Gegensätzen, bis alle Elemente zueinanderpassen und zu einem Kunstwerk werden, das oft einen chaotischen Eindruck weckt, aber mit grösster Präzision und in akribischer Planung realisiert wird.

Kunst und Alltag verbunden

Das in Burgdorf lebende und arbeitende Duo Lang/Baumann ist in der Kunstszene unter dem Label L/B ein Begriff und im Ausland besser bekannt als in ihrer Heimat. Ihre Projekte sorgten unter anderem in Paris, Peking, Tokio, New York, Krakau, Budapest, Frankfurt und Berlin für Aufsehen. Ihre Treppen, die ins Nichts führen, ihre Seifenblasen, die aus Gebäuden quellen, ihre Strassen- und Wandmalereien verbinden Kunst und Alltag auf hintersinnige, witzige und meist spektakuläre Weise.

Das Schweizer Publikum begegnete L/B an der Expo 02, an der Lang und Baumann in Yverdon ihr Einzimmer-Hotel Everland auf dem Neuenburgersee platzierten. In Luzern haben sie letztes Jahr die zum Kunstraum Sic! umfunktionierte Garage an der Neustadtstrasse mit der markanten Konstruktion «Up #1» aufgewertet.

Eine «schöne Röhre»

Nun hat das Duo im Haus für Kunst in Uri die temporäre Installation «Beautiful Tube #4» aufgebaut respektive ins Haus hinein und darum herumgebaut. Die schöne Röhre ist ein rund 100 Meter langer Tunnel aus schwarz bemalten Schalttafeln, der an der Aussenfassade hinaufläuft, durch ein Fenster ins Obergeschoss hineinführt, sich durch die verschiedenen Ausstellungsräume hindurchzieht und im Parterre wieder ins Freie führt.

Begehbare Installation

Besucher des Hauses nehmen die Installation als strenge kubische Plastik wahr, welche sich in den weissen Ausstellungsräumen eine dominante Präsenz schafft und die Besucher stellenweise an die Wand drängt. Allein diese Art der Begegnung ist eindrücklich, doch die «Beautiful Tube #4» hat noch mehr zu bieten. Sie ist begehbar. Wer sich (mit oder ohne Stirnlampe) in die Röhre wagt, den erwartet eine sehr spezielle Kunsterfahrung. Mit eingezogenem Kopf oder auf den Knien kann man durch das ganze Museum kriechen, ohne einmal den Boden zu betreten. In der Dunkelheit verliert man schnell die Orientierung und ist mit einer besonderen, ambivalenten Atmosphäre konfrontiert. Man fragt sich nicht nur, wo das Ende des Tunnels ist, sondern auch ob man nun allenfalls selber zu Kunst wird, wenn ein anderer Besucher sich das Kunstwerk von aussen anschaut.

Extrem polarisierend

Kuratorin Barbara Zürcher zeigte mit der Einladung an Lang/Baumann Mut, nicht nur weil «Beautiful Tube #4» eine aufwendige und kostspielige Ausstellung ist, sondern auch eine, die extrem polarisiert, nicht nur begeistert, sondern auch auf Unverständnis und Ablehnung stösst. Doch das Risiko hat sich gelohnt. Der Kriechgang durchs Museum ist eine Kunsterfahrung, die man nicht so schnell vergisst. Zur Vorbereitung und Einstimmung lohnt es sich, erst die Videodokumentation im Dachgeschoss anzuschauen, die das vielseitige Schaffen von Lang/Baumann vorstellt und einordnet. Kinder brauchen diese Einführung nicht. Sie stürmen mit Begeisterung durch die «Beautiful Tube #4» und kriegen kaum genug von dieser Kunst.

Hinweis

Haus für Kunst Uri, Herrengasse 2, Altdorf. Do/Fr 1418, Sa 11–17 Uhr. Bis 23. August. www.hausfuerkunsturi.ch

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