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KUNST IN STANS: Ein Morgenstern wird zu Grabe gefahren

Informativ, überraschend und sehenswert: Die aktuelle Ausstellung im Winkelriedhaus in Stans setzt sich fantasievoll mit Geschichte und Mythen auseinander.
Der Künstler Christian Philipp Müller auf der Leichenkutsche (vorne ein halbes Fasnachtsross) im Winkelriedhaus in Stans. (Bild: PD)

Der Künstler Christian Philipp Müller auf der Leichenkutsche (vorne ein halbes Fasnachtsross) im Winkelriedhaus in Stans. (Bild: PD)

Der international tätige und bekannte Schweizer Künstler Christian Philipp Müller hat auch ein Herz für Kinder. In seiner aktuellen, umfangreichen Ausstellung im Winkelriedhaus in Stans zeigt er im Raum des Kinderclubs zwei grossformatige Wandzeichnungen mit Szenen aus dem Globibuch «Globi und Wilhelm Tell», in denen Globi mit einem Morgenstern ausgerüstet wird. Die Kinderbuchszene ist nicht bloss eine Referenz an die jüngsten Ausstellungsbesucher, sie ist sinnvoller Bestandteil einer Ausstellung, die sich auf überraschende und auch ironisch gebrochene Weise mit der Geschichte des Winkelriedhauses beschäftigt.

International erfolgreich

Christian Philipp Müller, 1957 in Biel geboren, hat als vielseitiger und innovativer Künstler für internationale Beachtung gesorgt. Der gelernte Schriftsetzer, der in Zürich und Kassel ein Kunststudium absolvierte, war 1993 an der Biennale von Venedig vertreten. 1997 und 2012 nahm er an der Documenta in Kassel teil. Als Gastdozent unterrichtete er an der Cooper Union in New York und seit 2013 ist der in Berlin lebende Künstler Professor für Performative Skulptur an der Kunsthochschule Kassel. Seine Arbeiten zeigte er in über 50 Ausstellungen in wichtigen Galerien und Kunsthäusern im In- und Ausland. Darunter auch in Madrid, New York, Paris, Frankfurt und Wien. 1998 war er auch in der legendären Ausstellung «Freie Sicht aufs Mittelmeer» im Zürcher Kunsthaus vertreten. 2008 war er in der Ausstellung «Blasted Allegories» im Luzerner Kunstmuseum zu sehen, die Werke der Sammlung Ringier präsentierte.

Tod und Schnaps

Ausstellen heisst bei Christian Phi­lipp Müller mehr, als nur Werke aus seiner eigenhändigen Produktion zu präsentieren. Der konzeptuell arbeitende Künstler nutzt Ausstellungen, um die Geschichte, den kulturellen und politischen Kontext des Ausstellungsortes zu reflektieren und anhand von Objekten, Dokumenten und Installationen bildhaft darzustellen. Die aktuelle Ausstellung «aut vincere aut mori» (siegen oder sterben) im Winkelriedhaus nimmt denn auch direkten Bezug auf die mythisch-heroische Vergangenheit des Ortes.

Der Morgenstern für Globi ist nur ein symbolträchtiges Beispiel dafür. Der Morgenstern taucht in Form einer Marmorskulptur auch in der Installation im Pavillon des Hauses auf. Hier liegt er in einem historischen Leichenwagen, aufgebahrt wie einst die Särge mit den Toten. Die Metapher des Todes ist offensichtlich, die Interpretation jedoch offen. Wird hier eine todbringende Waffe entsorgt, oder nimmt man Abschied von alteidgenössischer Wehrhaftigkeit?

Dass die Leichenkutsche, die sich früher freilich nur die Bessergestellten leisten konnten, von einem geflügelten halben Fasnachtsross gezogen wird und zudem eine ausgemusterte fahrbare Schnapsbrennerei an den Leichenwagen angehängt ist, macht die gesamte Installation noch komplexer und eine schlüssige Interpretation beinahe unmöglich.

Hilfreicher Saaltext

Das liegt auch nicht in der Absicht des Künstlers, der mit recherchierten historischen Fakten und Objekten, die er eigenwillig kombiniert und in einen neuen Kontext stellt, eine ganze Palette von Bezügen und Anspielungen für die Ausstellungsbesucher öffnet. Der Künstler treibt ein attraktives Spiel mit Fantasie und Fakten, das das Publikum zum Nachdenken bringt und immer wieder überrascht.

Das Winkelriedhaus ist ein idealer, weil extrem geschichtsträchtiger Ort für den Künstler Christian Philipp Müller, der die Gelegenheit auskostet, das Haus mit seinen hintersinnigen Arbeiten zu bespielen. Dabei beschränkt er sich nicht auf historische Objekte, sondern setzt Videos, Druckgrafik, eine Fahne, Fotografien und plastische Objekte ein. Um sich in dieser fantastisch-historischen Ausstellung besser zurechtzufinden, lohnt es sich, den sehr informativen Saaltext zu lesen, der die einzelnen Werke ausführlich beschreibt und einordnet.

Kurt Beck

Hinweis

Winkelriedhaus, Engelbergstr. 54a, 6370 Stans. Mi 14–20, Do–Sa 14–17, So 11 – 17 Uhr. Bis 16. Oktober. www.nidwaldner-museum.ch

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