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KUNST: Kreise, die sich nicht nur schliessen

Zeitgenössische Arbeiten, darunter solche von Roman Signer und Andrea Wolfensberger, drehen sich im Museum Bruder Klaus auf vergnügliche Weise im Kreis. «Im Zentrum – Radbilder und Räderwerke» ist die letzte Ausstellung von Museumsleiter Urs Sibler.
Julia Stephan
Werke von Andrea Wolfensberger (vorne) und Gianfranco Camesi im Museum Bruder Klaus in Sachseln. (Bild: Museum Bruder Klaus Sachseln)

Werke von Andrea Wolfensberger (vorne) und Gianfranco Camesi im Museum Bruder Klaus in Sachseln. (Bild: Museum Bruder Klaus Sachseln)

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Die Kreisform hat über ihre geometrischen Besonderheiten hinaus zu allen Zeiten fasziniert. Ein Kreis grenzt ein und schliesst aus. In manchen kulturellen Nischen schützt er vor dem Bösen. Ein Kreis symbolisiert Einheit und Unendlichkeit, Ausgewogenheit und Vollkommenheit, und aufgrund Letzterem steht er im religiösen Kontext oft für das Göttliche. In der Kunst findet diese Form allein aufgrund der Möglichkeiten, die sie eröffnet, immer wieder ihre Bewunderer.

Auch für den im Herbst abtretenden Leiter des Museums Bruder Klaus, Urs Sibler, wird sich mit der Ausstellung «Im Zentrum – Radbilder und Räderwerke» ein Kreis schliessen. Noch einmal hat der Kurator seine guten Kontakte zum Kunstbetrieb spielen lassen. Anlass ist der 600. Geburtstag des Schweizer Nationalheiligen Niklaus von Flüe (1417–1487), dessen Lebenswerk Siblers Museum seit 1976 vermittelt.

Das Zentrum erkunden

Der Ausstellungstitel umkreist indirekt das Meditationsbild des Volksheiligen sowie die erste geografische Darstellung der Schweiz in Radform von Albrecht von Bonstetten. Man muss weder das Meditationsbild mit seinen Kreisen und Linien – Letztere werden auch als Speichen eines Rades gedeutet – kennen noch die kreisförmig ­angelegte historische Schweizkarte mit der Rigi als Zentrum, um sich auf die 18 Plastiken, Installationen, Malereien und Videoarbeiten im Innenraum und im kreisförmig angelegten Barockgarten einzulassen. Die zum Teil extra für die Ausstellung entstandenen Werke bilden das Bemühen ab, die strenge Radform aufzubrechen, deren Zentrum zu erkunden oder über die Leere in derselben zu meditieren.

Der in Köln arbeitende Schweizer Künstler Stefan Steiner tut das, indem er nach konzeptioneller Vorarbeit unablässig Kreisbögen mit Acrylfarbe auf Sperrholzplatten aufträgt. Das Ergebnis sind bewegte, aufgrund der Wiederholung dennoch eine tiefe Ruhe ausstrahlende Bilder.

Schwarze Löcher und Reflexionsflächen

Die Arbeit der Luzernerin ­Sandra Ulloni nimmt Bezug auf ein Foto, auf dem sich der Heissluftballon des Schweizer Luftfahrtpioniers Eduard Spelterini als schwarze Silhoutte am Himmel abzeichnet. Den auf dem Boden liegenden, in Segmente zerlegten Kreis aus Buchenholz hat Ulloni mit schwarzem Schellack überzogen. Die feinen Schnittlinien zwischen den Segmenten erinnern an die Speichen eines Rads. Der am Boden liegende Kreis wird zum schwarzen Loch und zum Spiegel bzw. zur Reflexionsfläche für den Betrachter.

Nüchterner geht der Künstler Roman Signer vor. Er hat Autoreifen zweckentfremdet. Drei Modelle hat er zur Skulptur aufgeschichtet, einen weiteren Reifen lässt Signer auf einer stromangetriebenen Platte langsam seine Runden drehen.

Die beeindruckendste Arbeit kommt von Andrea Wolfensberger. Für die Ausstellung sprach sie ein Gebet von Niklaus von Flüe. Ein Objekt aus Wellkarton, das an eine Ohrmuschel erinnert (Bild), bildet den Versuch ab, die Schallwellen des Zwiegesprächs mit dem Göttlichen bzw. die Gehirnströme meditativer Praxis abzubilden.

Wanderung ins Zentrum der Schweiz

Einen persönlichen Ansatz verfolgt auch der junge Solothurner Künstler Jan Hostettler. Neben seiner in Sachseln gezeigten Videoinstallation, die eine Viertelkreise zeichnende Maschine in Aktion zeigt, wanderte Hostettler von seinem Basler Atelier aus ins geografische Zentrum der Schweiz, das nicht wie bei Bonstetten auf der Rigi liegt, sondern auf der Älggialp.

Ebenfalls in ein Zentrum zielt der Tessiner Künstler Gianfranco Camesi. Auf einer runden Leinwand (siehe Bild) hat der Künstler ein Raster aus Kreuzen, die gegen das Zentrum immer kleiner werden, mit gelber Farbe nachgezeichnet. Der grobe Pinsel kann die kleinen Kreuze im Zentrum nur noch andeuten. Gegen das Zentrum hin wird aus dem Kreuzgitter eine gelbe Fläche.

Hinweis

«Ins Zentrum. Radbilder und Räderwerke.» Museum Bruder Klaus, Sachseln. Vernissage: heute So 11 Uhr. Bis 1. 11. Hinweise auf Führungen und Veranstaltungen: www.museumbruderklaus.ch

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