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KUNST: Lebensfäden zu Kunstwerken verwoben

Dass Künstler eigene Erfahrung in ihren Werken verarbeiten, ist normal. Doch Nesa Gschwend macht aus eigenen Haaren Kunstwerke.
«Keim» von Nesa Gschwend: keine Blutgefässe, sondern aufgelöste Stoffe hinter Acrylglas. (Bild: PD)

«Keim» von Nesa Gschwend: keine Blutgefässe, sondern aufgelöste Stoffe hinter Acrylglas. (Bild: PD)

Ist ja naheliegend, dass eine Künstlerin, die zuerst eine Textilausbildung in St. Gallen absolviert hat, später Textilien zu Kunstwerken verarbeitet. Doch so einfach liegen die Dinge bei Nesa Gschwend nicht. Die Künstlerin, die 1959 in St. Gallen geboren und im Aargau lebt und arbeitet, hat auch eine Ausbildung an der Theaterschule in Bologna und ein Studium an der Kunsthochschule Zürich hinter sich. Denn auch Textilien stehen im Zentrum ihrer aktuellen Ausstellung im Sankturbanhof in Sursee.

Vielseitige Verbindungen

«Connected» heisst die Ausstellung. Das Verbindende ist jedoch nicht nur in den Stoffen zu finden. Die Ausstellung schafft auch eine Verbindung von Kunstobjekten aus der Sammlung des Hauses mit Arbeiten der Künstlerin, verbindet unterschiedliche künstlerische Medien miteinander und schlägt verbindende Brücken zur indischen Kultur und zum Alltagsleben auf dem Subkontinent. Zudem verwebt die Künstlerin in ihren Arbeiten eigene Geschichten und eigenes Empfinden und schreibt die Geschichte ihrer Familie fort, indem sie Stoffe, die sie geerbt hat, zu neuen Kunstwerken verarbeitet. Es sind keine neuen Stoffe, sondern Textilien, die über vier Generationen in ihrer Familie in Gebrauch waren.

Die Kunst von Nesa Gschwend ist im Grunde verblüffend einfach. Sie löst Stoffe auf und zerlegt sie bis zu den einzelnen Fäden, sie stickt Porträts auf Papier, sie formt aus Wachs, Stoff, Draht und Schnüren fragile Objekte, eine Leiter beispielsweise oder einen Stuhl. Sie schneidet aus Stahlblech ein Rückgrat oder dreht einen Film über die Fütterung von Jungvögeln im Nest und präsentiert diese als Video in einer Installation mit 42 eiähnlichen Knäueln aus Stoff und Wachs, in denen Erinnerungen und erlebte Geschichten verschnürt sind.

Sehr persönliche Kunst

So unspektakulär und leise die Kunst von Nesa Gschwend ist, leicht ist sie nicht. Ihre Arbeiten sind inhaltlich aufgeladen, bedeutungs- und deutungsschwer. Für Betrachter ist es nicht einfach, sämtliche Bezüge und Referenzen in den vielschichtigen Werken zu erkennen und auch zu verstehen. Denn zum einen spielt die Künstlerin mit der mehrdeutigen Offenheit ihrer Arbeiten, und zum andern ist in den Objekten und Zeichnungen persönliches Erleben eingewoben. Diesen Weg geht die Künstlerin konsequent zu Ende, indem sie eigene Haare, die sie seit zehn Jahren sammelt, zu Kunstobjekten verknotet, verwebt oder neuerdings auch zu Hinterglasbildern verarbeitet.

Die Ausstellung in Sursee bietet einen spannenden Einblick ins Schaffen der Künstlerin, das von Poesie und Magie beseelt ist.

Kurt Beck

Hinweis

Sankturbanhof, Theaterstrasse 9, Sursee. MiFr 14–17, Sa/So 11–17 Uhr. Bis 4. Oktober. www.sankturbanhof.ch

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