KUNST LUZERN: Mehr als Schwärmereien für imposante Naturphänomene

Bilder von unterwegs: Drei Luzerner Kunsträume ermöglichen ihren Ausstellungsbesucher spannende, bilderreiche Reisen.

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Mythische Natur: Gemälde aus dem «Zyklus Wildenstein» des Basler Künstlers Markus Gadient. (Bild: PD)

Mythische Natur: Gemälde aus dem «Zyklus Wildenstein» des Basler Künstlers Markus Gadient. (Bild: PD)

An einen Ort der Mythen und dunklen Geheimnisse führt der Künstler Markus Gadient die Betrachter seiner Bilder. Der Basler Maler nimmt sie mit in den historisch bedeutsamen Eichenhain von Schloss Wildenstein. Der Eichenbestand des basellandschaftlichen Naturschutzgebiets weist einen einzigartigen Eichenbestand mit über 500-jährigen Bäumen auf. Markus Gadient scheint der Magie des Hains verfallen und von dieser beeindruckenden Landschaft und ihren knorrigen mächtigen Eichen besessen. Seit Jahren beschäftigt er sich mit diesem Ort, den er in unzähligen Bildern festgehalten hat. Sein «Zyklus Wildenstein» umfasst inzwischen über 280 Arbeiten. Eine kleine Auswahl zeigt er in der aktuellen Ausstellung im Raum der Hilfiker Kunstprojekte in Luzern.

Extremes Licht

Markus Gadients konzeptuell angelegte Gemälde sind mehr als romantische Verklärung oder atmosphärische Schwärmerei für eine zugegebenermassen imposante Naturerscheinung. Seine Auseinandersetzung mit dem Phänomen greift tiefer. Zum einen stellt er einzelne Baummonumente ins Zentrum seiner Gemälde und setzt sie extremem Schlaglicht aus, sodass Äste und Wurzelwerk wie glühende Adern die Bildfläche durchströmen.

Doch dabei lässt es der Künstler nicht bewenden und bricht die naturalistische Bildebene auf, indem er diese mit abstrakter gestischer Malerei übermalt und öfters auch den Bildraum so aufteilt, dass mehrere Ansichten des Naturspektakels erlebt werden können. In der Kombination gelingt es dem Künstler, die kraftvolle Magie, den urigen Charakter und die dramatische Atmosphäre des alten Hains zu fassen und für Galeriebesucher erlebbar zu machen.

Zeichnung und Objekte

Ein Kahn im Garten, weitab von jedem fahrbaren Gewässer wirft Fragen auf. Besonders, wenn das Boot im Garten des Luzerner Kunstpavillons gestrandet ist. Das Holzschiff ist eine Arbeit der Basler Künstlerin und Hochschuldozentin Iris Ganz, die ihre mehrteilige Installation «Akt mit Barke» in der Luzerner Galerie o.T. im Kunstpavillon zeigt. Das Holzboot hat dabei eine längere Reise hinter sich. Es wurde auf eine Innerschweizer Alp geschleppt, wo es von Geisterhand bewegt in einem Bergsee trieb. Ein Video und eine Wandzeichnung erinnern an das surreale, sagenhafte Happening, das Erinnerungen an archaische Geschichten weckt.

Im kleineren Raum des Pavillons zeigt der Luzerner Künstler Otto Lehmann eine Auswahl von Farbstiftzeichnungen aus der Serie «Noli me tangere». Der mehrdeutige Titel bezieht sich nicht nur auf die gleichnamige Pflanze, die bei Berührung birst, er ist auch als Warnung zu verstehen.

Heimtückische Schönheit

Ein Motiv der Farbstiftzeichnungen sind zellenartige Gebilde, die durch ein schönes Äusseres faszinieren und heimtückische Krankheiten erregen können. Neben den bakterien- und virenartigen Gebilden lässt der Künstler den abstrakten Formen, die ihm aus der Hand fliessen, freien Lauf. Auf diese Weise entstehen fantastische, rätselhafte Muster und Figuren, die poetisch heiter, aber auch von irritierender Sprödigkeit sind. Otto Lehmann gelingt es, mit dem unspektakulären Mittel der Farbstifte, intensive und eindringliche Kunstwerke zu schaffen, die durch technische Vielfalt und überraschende Formfindungen überzeugen.

Hörbilder und Geschichtenerzähler

Die Künstler Goran Galic und Gian-Reto Gredig nehmen seit 2004 an Stadtführungen teil. Mit dabei ist auch eine Videokamera, welche die Rundgänge aufzeichnet. Im Sic! Raum für Kunst in Luzern präsentieren die beiden Künstler sechs Stadtführungen. Ausstellungsbesucher können an TV-Geräten an Spaziergängen durch Istanbul, Rom, Mostar, Peking, Luzern und Marrakesch teilnehmen. Doch allzu viel von den Städten bekommen sie nicht mit. Denn die Kamera beobachtet vor allem die Guides, ihre Gesten und ihre didaktischen Eigenheiten. Dafür gibts mehr zum Hören. Denn die Guides sind versierte Erzähler, die ihr Publikum mit historischen und aktuellen Geschichten und Anekdoten unterhalten. Die Bilder dazu muss man sich allerdings in der eigenen Vorstellung machen.

Kurt Beck

Hinweis

Hilfiker Kunstprojekte, Museggstrasse 6, Luzern. Mi–Sa 13–17 Uhr. Bis 2. Juli. www.hilfikerkunstprojekte.ch

Galerie o.T., Kunstpavillon, Sälistrasse 24, Luzern. Do/Fr 16–19, Sa 14–17 Uhr. Bis 2. Juli. www.ot-raumfueraktuellekunst.ch

Raum für Kunst sic!, Neustadtstrasse (vis-a-vis Rest. Zur Freien Schweiz), Luzern. Do/Fr 15–19, Sa 14–17 Uhr. Bis 9. Juli. www.sic-raum.ch