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KUNST: Traumwelten des Frohsinns geschaffen

Ein neues Werk vereint Zeichnungen von Thurry Schläpfer und Texte von sechs Zentralschweizer Autoren. Die unbeschwerte Ambiance der Bilder rettet sich glücklich in die Texte hinüber.
Eines der Werke, die die Autoren inspirierten: Arthur Schläpfers Zeichnung «bereist» (2016).Bild: PD

Eines der Werke, die die Autoren inspirierten: Arthur Schläpfers Zeichnung «bereist» (2016).Bild: PD

«Steppendachs». So heisst die neuste Publikation des Luzerner Verlags Der Kollaboratör, in der 34 Zeichnungen des Luzerner Künstlers Arthur (Thurry) Schläpfer neben zwölf Texten versammelt sind.

Jeweils eine Zeichnung hat sechs Zentralschweizer Autoren als Ausgangspunkt für kurze Texte gedient; Roland Limacher, Beat Portmann, Renata Schläpfer, Christine Weber sowie die für unsere Zeitung schreibenden ­Autoren Edith Arnold und Pirmin Bossart. Aus der Auseinandersetzung der Schreibenden mit der gemeinsamen Zeichnung, «cpt LadyP2xm3», sind sechs weitere Texte hervorgegangen, die in ihrer Heterogenität beredtes Zeugnis davon ablegen, dass die Betrachtung von Bildern zu höchst unterschiedlichen Auslegungen anregen kann.

Während Pirmin Bossart die Zeichnung «Reise» (2015) zum Anlass nimmt, seine Leser in ferne Galaxien zu führen, in denen der Hauptprotagonist auf seine reparaturbedürftige Schamanenkutsche wartet, bindet Beat Portmann Schläpfers Zeichnung «Zweies Tages» (2015) in ein Geschehen fernab einer schlüssigen Narration ein, indem er die gezeichneten Bildmotive mit Handlung verknüpft. Renata Schläpfers Text wiederum bezieht sich auf die Zeichnung «bereist» (2016) und führt in eine Intensivstation, in der sich eine Patientin, die einen Herzinfarkt überlebt hat, von fliegenden Fischen umgeben meint. Sie selbst, dem Glauben verhaftet, als Blumenzwiebel soeben die Erde durchdrungen zu haben, erblickt weisses Licht – eine ihrerseits bildstarke Metapher für die aus dem Zustand der Bewusstlosigkeit erwachende Patientin.

Formvokabular aus Kinderbüchern

Schläpfers feinlinierte, zurückhaltend kolorierte Zeichnungen bestehen aus repetitiven Bildelementen und einem Formvokabular, wie es aus Kinderbüchern vertraut ist. Auf zur Ebene oder zum Abhang geformten Zeichenlinien wachsen Pappelbäume, während geflügelte Wesen barbusig auf rollenden Gefährten fliegen. Mikrokosmen, konturiert durch Kreise, schweben seifenblasenartig in Sphären grösserer Welten, die vor lauter in der Luft segelnden Elementen von Gravitationsgesetzen entkoppelt zu sein scheinen. Selbst dem Rhythmus von Tages- und Nachtzeiten trotzen die heiteren Lebensräume: So leuchten Mond und Sterne simultan zur strahlenden Sonne.

Schläpfers Zeichnungen können als utopische Entwürfe parallel existierender Idealkosmen gelesen werden. In seinen Bildern grünt, blüht und gedeiht Leben in friedvoller Ruh. Von Krieg und Verwüstung zeugt ebenso wenig eine Spur wie von Naturkatastrophen und Leid. Die unbeschwerte Ambiance in Schläpfers Bildern hat sich in die Texte der beteiligten Autoren hinübergerettet: Die im Buch versammelten Texte und Zeichnungen verbinden sich zu Traumwelten des Frohsinns.

Dem im Titel des Buchs erfundenen Raubtier spürt man in den Zeichnungen und Texten jedoch vergebens nach: Die Wortschöpfung «Steppendachs» zielt stattdessen darauf ab, die Persönlichkeit des Künstlers Thurry Schläpfer zu erfassen; eine Intention, dem das Fantasietier nicht wirklich gerecht werden kann.

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Thurry Schläpfer u. a., «Der Steppendachs». Verlag Der Kollaboratör. 92 Seiten, Fr. 30.–.

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