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KUNST: Überlagerung von Bild und Skulptur

Die Ausstellungsreihe «Fortsetzung folgt ...» präsentiert im Ausstellungsraum Akku in Emmen und im Kunstmuseum Luzern zeitgleich ehemalige Absolventen der Luzerner Kunsthochschule. Der zweite Teil der Reihe denkt viel nach über Bild und Skulptur.
Tiziana Bonetti und Julia Stephan
Oben: Miriam Sturzenegger, «Shape of Dust (eightpartite)», 2017, und Roland Heini, «Relief mit 4 Ringen», 2011. (Bild: Kumu/Akku Emmen/PD)

Oben: Miriam Sturzenegger, «Shape of Dust (eightpartite)», 2017, und Roland Heini, «Relief mit 4 Ringen», 2011. (Bild: Kumu/Akku Emmen/PD)

Tiziana Bonetti und Julia Stephan

kultur@luzernerzeitung.ch

Was unterscheidet Skulpturen von Bildern? Wann wird eine Skulptur zum Bild, wann ein Bild zur Skulptur? Der Berufsbezeichnung im deutschen Sprachgebrauch nach ist ein Bildhauer ­jemand, der hauend aus einem Werkstoff ein Bild erschafft. In diesem Punkt treffen sich die sowohl formal als auch inhaltlich sehr unterschiedlichen Ansätze der drei in der Kunstplattform Akku vertretenen Künstler: Nebst ihrer Vorliebe für das Handwerkliche sowie für die spezifische Haptik von Materialien stellen die drei Künstlerpositionen mit ihren skulpturalen Arbeiten auch immer wieder Querbezüge zum Medium Bild her.

Bei Miriam Sturzenegger (*1983) zeigt sich diese Überlagerung von Bild und Skulptur in der Serie «Tafeln» (2014). Es handelt sich um mit Tinte gefärbte Negativgipsabgüsse gefundener Schalungsplatten, die ehemals als Arbeitsflächen verwendet wurden. Stehend auf einem Sockel sowie gegen die Wand gestellt, reproduzieren die Gipsabdrücke die den Holzplatten je eigentümliche Maserung. Zu sehen sind aber auch die im Laufe der Jahre auf ihrer Oberfläche entstandenen Abnutzungsspuren. Mit ihrem Reliefcharakter evozieren Sturzen­eggers «Tafeln» zugleich Konnotationen an abstrakte Schwarz-Weiss-Malereien auf Holz.

Betonblöcke aus Fundstücken

Weniger an Malerei, dafür mehr an Ornamente erinnern die geschliffenen Oberflächen der geometrischen Figuren aus der Werkserie «figures archéospheriques» (2017). Die beiden ausgestellten Exponate sind das Resultat eines komplexen Arbeitsprozesses: Sturzenegger hat gefundenes und anschliessend von Hand zerkleinertes Baumaterial mit Zement zu Betonblöcken verarbeitet. Durch den finalen Schliff des hybriden Materials zeigen sich im Querschnitt der Blöcke die transformierten Baumaterialien als rezyklierter Werkstoff.

Bildhafte Präsenz hat auch Roland Heinis (*1960) im Kabinett ausgestellte Wandinstallation «Relief mit 4 Ringen» (2011). Vertikal und in Augenhöhe an die Wand geschraubt, stehen sich die konzentrischen Rundreliefs schräg gegenüber. Die schlichte Optik der Ausstellungsobjekte steht im Widerspruch zur Schwere des grauen Materials.

Verbindendes Element der ausgestellten Arbeiten ist das Moment der Rotation. Ob die Drehbewegung explizit präsent ist, wie in den sechs um ihre Achse kreisenden Zirkeln der Hängeinstallation «Formation 3 + 3» (2017) oder implizit imaginiert, wie in der Arbeit «Getriebe» (1998): Hier offenbart sich Heinis Faible für physikalische Spielereien mit geometrischen Kreisformen.

Pulsierende Leuchtkraft der Wachsfarben

Zwischen Bild und Skulptur, ­Malerei und Bildhauerei oszillieren Loredana Sperinis (*1970) Wachsmalereien auf Zement. Auf rechteckigen Platten erzeugt die Künstlerin mittels verschiedenfarbigem Wachs abstrakte Strukturen. Je nach Wachsmenge, die Sperini auf die Zementplatten aufträgt, erscheinen die Farben eher deckend und plastisch oder durchscheinend und flächig. Die magisch anmutenden Bild-Werke der Künstlerin leben von der pulsierenden Leuchtkraft der Wachsfarben.

Mit den ausgestellten Arbeiten zeigt sich, wie prägend sich die Textur von Materialien bei Nahsicht auf die optische Wahrnehmung plastischer Kunstwerke auswirkt. Zugleich zeigt die Ausstellung, dass die Begriffe Skulptur und Bild nicht nur rein antagonistisch gedacht werden sollten.

Skulpturales im Bild

Auch im Luzerner Kunstmuseum reflektieren die Collagen, nachbearbeiteten Digitalfotodrucke und Aluminiumskulpturen von Barbara Davi (*1971) das Skulpturale im Bildraum und das Bildhafte in der Skulptur. Die drei zu Skulpturen geknickten Aluminiumplatten akzentuieren den rechteckigen Pilatussaal. Inspiriert sind sie von zerschnittenen und gefalteten Papierbögen und den durch den Bearbeitungsprozess entstandenen Abfall. Letzterer ist nicht nur in der Bildhauerei, sondern auch für Davis Arbeit konstitutiv. Die Künstlerin interessiert sich für das Negativ, für den Leerraum und für hinter transparenten Flächen sichtbar werdende Strukturen.

Für ihre Collagen schneidet Davi aus fotokopierten Schwarz-Weiss-Fotografien älteren Datums zunächst die Hauptsujets heraus. Die in ihrer Form an geometrische Figuren erinnernden Ausschnitte hinterlegt sie im Anschluss mit Papier, das sie zuvor mit Acrylspray koloriert. Statt der Fotosujets nehmen die geometrischen Figuren im Bildraum dank der Licht und Schatten imitierenden Farbverläufe skulpturale Qualitäten oder stehen bei gleichbleibendem Farbton wie Fremdkörper im Bildraum.

Hinweis

«Fortsetzung folgt ...» Teil 2. Kunstmuseum Luzern: Barbara Davi. Akku Emmen: Roland Heini, Loredana Sperini, Miriam Sturzenegger. Bis 3. 12.

Oben: Miriam Sturzenegger, «Shape of Dust (eightpartite)», 2017, und Roland Heini, «Relief mit 4 Ringen», 2011. (Bild: Kumu/Akku Emmen/PD)

Oben: Miriam Sturzenegger, «Shape of Dust (eightpartite)», 2017, und Roland Heini, «Relief mit 4 Ringen», 2011. (Bild: Kumu/Akku Emmen/PD)

Oben: Miriam Sturzenegger, «Shape of Dust (eightpartite)», 2017, und Roland Heini, «Relief mit 4 Ringen», 2011. (Bild: Kumu/Akku Emmen/PD)

Oben: Miriam Sturzenegger, «Shape of Dust (eightpartite)», 2017, und Roland Heini, «Relief mit 4 Ringen», 2011. (Bild: Kumu/Akku Emmen/PD)

Oben: Miriam Sturzenegger, «Shape of Dust (eightpartite)», 2017, und Roland Heini, «Relief mit 4 Ringen», 2011. (Bild: Kumu/Akku Emmen/PD)

Oben: Miriam Sturzenegger, «Shape of Dust (eightpartite)», 2017, und Roland Heini, «Relief mit 4 Ringen», 2011. (Bild: Kumu/Akku Emmen/PD)

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