KUNST: Wandelhalle mit «aufgeblasenen» Persönlichkeiten

Gabor Fekete wagt in der Luzerner Kornschütte einen Blick auf die Gegenwart, der hoffnungsvoller ist als vieles, was man über sie liest. Seine aufblasbaren Figuren verbreiten heisse Luft – im positiven Sinn.

Claire Hoffmann
Merken
Drucken
Teilen
Eine der aufgeblasenen Figuren von Gabor Fekete. (Bild: Peter Moser)

Eine der aufgeblasenen Figuren von Gabor Fekete. (Bild: Peter Moser)

Alles heisse Luft? Die neuen Skulpturen des in Ungarn geborenen und seit Jahren an der Hochschule Luzern dozierenden Künstlers Gabor Fekete scheinen diese Redensart wörtlich zu nehmen. Ursprünglich war Fekete dazu eingeladen worden, in einer Ausstellung in der Luzerner Kornschütte nochmals die Schwarz-Weiss-Fotografien aus seinem neuen Fotoband «Budapest» zu zeigen. Doch der Künstler, Fotograf und Illustrator hat es sich anders überlegt.

Scheinbar harmlose Mischwesen

«Das wäre viel zu langweilig!», sagt er. Lieber hat er sich auf ein Experiment eingelassen und eine komplett neue Werkserie geschaffen. Aus der Schwierigkeit, den denkmalgeschützten, architektonisch dominanten Raum der Kornschütte zu bespielen, machte er eine Tugend und setzte scheinbar harmlose, aufblasbare Mischwesen in den Raum. Eine bunte Eule mit Maschinengewehr, Affenmenschen oder eine zweideutige Pussy-Katze werden von brummenden Ventilatoren in instabiler Form gehalten. Fekete hat sie aus verschiedenfarbigen Plastik-Abfallsäcken zusammengeklebt. Ziemlich gebastelt erscheinen sie auf den ersten Blick. Die schrägen Figuren entfalten eine eigene Präsenz und einen gewissen Witz.

Jede Figur greift ein bekanntes Themen aus den Medien auf – Sexualität, autokratische Machthaber, technische Entwicklungen. So versteht der Künstler seine Ausstellung auch als Gegenposition zu den negativen Schlagzeilen, zu den «aufgeblasenen» Personen des öffentlichen Lebens und als hoffnungsvolleren Ausblick auf die Gegenwart. Mit einer ähnlichen Botschaft, doch mit etwas weniger plakativem Bildmaterial operieren die anderen Werke im Raum.

So kann man, an den Fenstern entlanggehend, mit Feketes Blick den Alltag und die darin zufällig aufgefundenen Situationen betrachten. Oder am Boden einem wolkigen kosmischen Pfad folgen, auf dem optische Linsen verteilt sind – was die menschliche Perspektive und heutige Situation plötzlich in einen grösseren Kontext setzt. Denn trotz Linse und Vergrösserungsglas bleibt das Universum unerreichbar fern.

Analog funktioniert auch die Serie der unter mehrfachen Gläsern und Rahmen liegenden Fotografien, auf denen ebenfalls – teils defekte – Linsen liegen. Das Porträt einer Frau verschwimmt in weichen Konturen, auch die Linse bringt nicht mehr Schärfe. Der Fokus fehlt, die Optik versagt, das Bild bleibt unpräzise, ungreifbar, in Bewegung – und wirkt vielleicht gerade deswegen so lebensnah?

So finden die sehr heterogenen Werkgruppen doch zu einer gemeinsamen Stossrichtung, indem sie die menschliche Perspektive und den allumfassenden Anspruch auf Genauigkeit und Fixierung sowie die grossmundigen Behauptungen über den Zustand der Welt mit einem fragileren, flüchtigen Blick konterkarieren.

Claire Hoffmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Gabor Fekete: «Mission Feelgood». Kornschütte, Kornmarkt 3, Luzern. 8. Juni, 18 Uhr: Künstlergespräch. Bis 18. Juni.