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KUNST: Zwischenhalt vor der Ewigkeit

In der Turbine Giswil laden 155 Künstler zur Besinnung und zum Innehalten ein. Mit der unjurierten Ausstellung Fermata nimmt Ausstellungsmacher Adrian Hossli Grundgedanken von Bruder Klaus auf.
Romano Cuonz
Ausstellungsmacher Adrian Hossli (links) im Gespräch mit dem Historiker Pirmin Meier. (Bild: Romano Cuonz (Giswil, 22. September 2017))

Ausstellungsmacher Adrian Hossli (links) im Gespräch mit dem Historiker Pirmin Meier. (Bild: Romano Cuonz (Giswil, 22. September 2017))

Romano Cuonz

kultur@luzernerzeitung.ch

«Bruder Klaus hat im Ranft alle Leute empfangen, unabhängig davon, ob sie ihm nun sympathisch waren oder nicht», streicht der eigenwillig kreative Ausstellungsmacher Adrian Hossli hervor. Und fügt – mit einem Seitenhieb gegen einige wenige bekannte Künstler, die an unjurierten Ausstellungen aus Prinzip nicht teilnehmen – hinzu: «Diesen Respekt, den Bruder Klaus Menschen zollte, müssten eigentlich auch alle Künstlerinnen und Künstler einander gegenüber aufbringen.»

Das Turbine-Team erkannte früh, dass beim Gedenken «600 Jahre Bruder Klaus» einheimische Kunst als wichtiger Sektor nicht fehlen darf. Deshalb wandte es sich an alle bekannten Zentralschweizer Kunstschaffenden. «Wir forderten sie auf, innezuhalten, sich zu besinnen und im Strudel der Zeit neu zu positionieren», erklärt Hossli. Eine «Fermata» sollte es werden. Genau wie sie Bruder Klaus einlegte, als er mit 50 sein bürgerliches Leben aufgab und sich in die Einsamkeit der Ranftschlucht zurückzog.

Sehr unterschiedliche Qualität

Nicht weniger als 155 Kunstschaffende folgten diesem Aufruf aus Obwalden. Von A wie Jo Achermann (mit einem sehr dichten Holzdruck) bis Z wie Richard Zürcher (mit der Installation Zwischenraum) reicht das Spektrum, bei dem beileibe nicht alles wirklich zusammenpasst. «Muss es auch nicht!», sagt Hossli. Er sucht in seinen Ausstellungen im gewaltigen Kunstraum Turbine diese bunte Vielfalt. Nimmt für den Preis von künstlerischer Freiheit gerne auch die sehr unterschiedliche Qualität der Werke in Kauf.

Zwar bedauert er, dass genau aus diesem Grund einige grosse Namen fehlen. Aber beirren lässt er sich nicht. «Für mich ist und bleibt die Turbine eine Alma Mater mit einem grossen Mantel, unter dem jedes künstlerische Schaffen Platz hat.» Und wirklich: Als Besucher bleibt man vor einem mehr als konkreten «Bättstöckli» von Regula Fuchs (Stans) genau so erstaunt stehen wie vor dem auf ein Minimum reduzierten Holzschnitt «Bruder Klaus» des bekannten Engelberger Klosterkünstlers Eugen Bollin. Viele der künstlerischen Botschaften sind leicht verständlich: Zum Beispiel José de Nèves «Fermata AG» draussen im Grünen mit störenden Baugespannen um die symbolhafte Einsiedelei im Ranft.

Genau dieses breite Spektrum hat es offenbar auch dem Historiker und Literaten Pirmin Meier angetan. Bereits zum zweiten Mal ist er es, der das Publikum zum Rundgang durch Kunstwelten in der Turbine einlädt. «In alten Handschriften», so Meier, «besagt die Fermate: ‹Jetzt ist es fertig!›» Aber eigentlich bedeute fertig ja niemals fertig. «Nur eine Pause ist es», meint Meier, «ein Zwischenhalt für ein weiteres Nachdenken, ein weiteres Schaffen.»

Mystik als Kunst der Reduktion

Wie wichtig solche Zwischenhalte sind, zeigt Meier am Beispiel von Bruder Klaus auf: «Wenn man ehrlich ist, war sogar der halbe Friede von Stans, den man Bruder Klaus in die Schuhe schiebt, obwohl er als Einsiedler barfuss ging, eigentlich eine ‹Fermata›.» Erst 60 Jahre später sei nämlich die Gleichberechtigung von Freiburg und Solothurn wirklich erfolgt. Und – mit einem Seitenblick auf die wahre Flut von Werken in der Turbine – postuliert Meier: «Es ist immer wieder gut, schöpferische Pausen einzulegen, so wie Bruder Klaus, der doch Landammann werden sollte und mit der Ablehnung vor allem seine Familie verärgert hat.»

Für den Eremit sei es ein Zwischenhalt vor der Ewigkeit gewesen. Indessen: selbst wenn Unsterblichkeit für heutige Künstler nicht mehr als höchster Wert gelte, sei eine (Kunst)-Pause in Giswil auch in unserer Zeit sehr wichtig. Als Anregung zu Experimenten, denen man in der Weite der Turbine auf Schritt und Tritt begegnet. Als Ort, wo man da und dort auch die Reduktion als grosse Kunst der Mystik entdecken kann. In diesem Sinne gibt Pirmin Meier den vielen Besuchern, die in den kommenden Tagen über die unterschiedlichen, nicht immer vollendeten Werke von 155 Künstlerinnen und Künstlern staunen werden, einen Ausspruch von Picasso mit auf den Weg. Der habe einmal gesagt: «Ich fürchte mich vor dem Fertigen.»

Hinweis

Fermata – 600 Jahre Bruder Klaus. 155 Zentralschweizer Künstlerinnen und Künstler in der Turbine Giswil. 22. September bis 22. Oktober Samstag und Sonntag 11–18 Uhr.

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