KUNSTHANDWERK: Zurück zum Handwerk

Zum 140-Jahr-Jubiläum widmet das Historische Museum der Kunsthochschule eine Sonderausstellung. «Schöner Leben» verweist auf den Anspruch der ehemaligen Kunstgewerbeschule, das Leben durch Kunsthandwerk ästhetisch zu transformieren.

Tiziana Bonetti
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Direktor Joseph von Moos (1859–1939) im Zeichensaal der Kunstgewerbeschule im Jahr 1925. (Bild: Staatsarchiv Luzern/PS 239/14/PD)

Direktor Joseph von Moos (1859–1939) im Zeichensaal der Kunstgewerbeschule im Jahr 1925. (Bild: Staatsarchiv Luzern/PS 239/14/PD)

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Die Ausstellung im Historischen Museum Luzern bildet den Auftakt zu den Jubiläumsanlässen der Hochschulabteilung für «Kunst & Design» der Hochschule Luzern. Während die im September eröffnende Schau im Kunstmuseum Luzern eine Synopse über die künstlerische Vielfalt von Arbeiten ehemaliger Schulabgänger der letzten sechzig Jahre bietet, führt das Historische Museum in die handwerkliche Vergangenheit der 1877 als Kunstgewerbeschule gegründeten Hochschulabteilung ein.

Ausgehend von neun Protagonisten, wirft Kurator Christoph Lichtin Schlaglichter auf die Geschichte der Kunstgewerbeschule hin zu ihrer Etablierung seit 1998 als Fachhochschule.

Mittels eines an die Wand montierten Zeitbalkens und gegen 150 Exponaten wird die schleichende Entwicklung von der Gewerbe- zur Hochschule in der Ausstellung erhellend illustriert. So manifestieren die auf dem Zeitbalken diachron ausgestellten Stundenpläne und Übersichtstabellen über die angebotenen Studienrichtungen, wie sich der Fokus der Ausbildung vom anfänglichen Aspekt des Handwerklichen auf denjenigen der «freien» Kunst im Sinne eines l’art pour l’art verlagerte.

Von der Berufslehre zum Studium

Während im Jahresbericht zum Gründungsjahr der Schule 1877 von Berufsbildern wie Schreiner, Drechsler, Wagner, Schlosser und Steinbildhauer die Rede ist, sind über ein Jahrhundert später Studiengänge in «Visueller Kommunikation», «Bildender Kunst» oder «Ästhetischer Erziehung» vorgesehen. Das Studium der Kunst hat damit die technische Berufslehre abgelöst.

Ein Thema, das in der Ausstellung mitschwingt, stellt die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz der Kunstgewerbeschule dar. Im Hinblick auf diese Frage erweist sich die Themeninsel zum Gründervater dieser Schule, Seraphin Weingartner (1844–1919), als äusserst interessant: Als Vertreter des Historismus liebäugelte der Spiritus Rector mit dem Gedanken, das Antlitz der Stadt Luzern im Stile der Neogotik und Neorenaissance konservierend zu bewahren sowie durch repräsentative Aufträge seitens der Regierung zu verschönern.

Einen anderen Ansatz vertrat sein Nachfolger, Joseph von Moos (1859–1939). Da er in der Kirche der damals erzkatholischen Zentralschweiz einen bedeutenden Auftragspartner für die Kunstgewerbeschule erkannte, gründete von Moos eine Abteilung für Textilien. Ausgestellte Fotografien von handgestickten Paramenten, entworfen von seinem Sohn Max von Moos (1903–1979), bekunden die neue Ausrichtung der Schule als Produktionsstätte für Textilien der Liturgie.

Frauen prägten das Bild der Schule früh mit

Dass die Geschichte der Kunstgewerbeschule nicht nur vom männlichen Geschlecht geschrieben wurde, sondern auch von Frauen, offenbaren schriftliche Dokumente und Fotografien sowie Exponate von in der Ausstellung vertretenen Künstlerinnen. Angefangen bei den ersten Hospitantinnen im Jahr 1893 bis 2010 zur ersten Direktorin, Gabriela Christen, steckten Frauen in der Kunstgewerbeschule Luzern bis zur heutigen Hochschule eine ganze Bandbreite von Tätigkeitsfeldern ab. Mit je einer Themeninsel zu Martha Flüeler-Haefeli (1902–1983) und Erna Schillig (1900–1993) sind zwei Künstlerinnen vertreten, die auf die weitere Entwicklung des Kunstgewerbes in der Schweiz einen nachhaltigen Einfluss ausgeübt haben: Flüeler-Haefeli mit Metall- und Schmuckarbeiten, Schillig mit Wandbildern und liturgischen Gewänden, die sie als Textilentwerferin an der Weltausstellung 1958 in Brüssel zeigen konnte.

Mit der Sonderausstellung «Schöner Leben» ist es Lichtin auf der Basis eines historischen Längsschnitts gelungen, einen umfassenden Einblick in die kunsthandwerkliche Geschichte der ehemaligen Kunstgewerbeschule zu gewähren. Während die Ausstellung damit einen Blick in die Vergangenheit ermöglicht, schliesst das ausladende Begleitprogramm zur Ausstellung an die Gegenwart an: Diverse Aktivitäten und Workshops mit Studierenden und Dozierenden der Hochschule Luzern runden die gelungene Ausstellung ab.

Hinweis

«Schöner leben. 140 Jahre Kunstgewerbeschule Luzern: Gestalten zwischen Kunst und Handwerk». Historisches Museum Luzern. Bis 3. September. Di bis So, 10 bis 17 Uhr. Rahmenveranstaltungen auf www.historischesmuseum.lu.ch

Die Ausstellungsexponate im Historischen Museum Luzern geben einen umfassenden Einblick in die kunsthandwerkliche Geschichte der ehemaligen Kunstgewerbeschule. (Bild: Andri Stadler/PD)

Die Ausstellungsexponate im Historischen Museum Luzern geben einen umfassenden Einblick in die kunsthandwerkliche Geschichte der ehemaligen Kunstgewerbeschule. (Bild: Andri Stadler/PD)