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KUNSTINSTALLATION: Zürcher Museum bietet Gottesdienst an

In der Kunsthalle Zürich können Besucherinnen und Besucher in der interaktiven Ausstellung von Rob Pruitt auch an einem Gottesdienst teilnehmen.
«Kirche» und Austellungsraum des Künstlers Rob Pruitt. (Bild: PD)

«Kirche» und Austellungsraum des Künstlers Rob Pruitt. (Bild: PD)

Als wär’s König Artus’ Tafelrunde. Hier zwar eckig, aber dennoch ein sagenhafter Auftakt. Silbern die Stühle; weit der Raum. Der Vorhang ein Gleichnis. Rob Pruitt bespielt die frühere Flaschenabfüllhalle im Löwenbräuareal, der heutigen Kunst­halle, mit der Installation The Church. Der 1964 geborene New Yorker ist bekannt für seine ausufernden Projekte, die den Anspruch erfüllen sollen, die jeweilige Thematik in der Balance zu halten zwischen Kunst und Einfachheit.

Rob Pruitts Statements sind ernst und witzig zugleich

Das wird hier insofern eingelöst, als dass man ganz unbekümmert eine «Kirche» betritt, die keine ist und doch zu einer werden kann: Im Verlauf der Ausstellung finden im Raum tatsächlich Gottesdienste, aber auch zahlreiche andere Veranstaltungen statt. Beim Eingang bekommt man ein Heft mit Comiczeichnungen und Kritzeleien des Künstlers in die Hand gedrückt – wie in der Kirche das Gebetsbuch.

Das Titelblatt fordert dazu auf, ein Museum als Kirche und eine Kirche als Museum zu nutzen und möglichst bald mit der Umnutzung zu beginnen. Also könnte man sich im vorderen Teil des riesigen Raums – für Pruitts Installation wurden die Decke und die Seitenwände entfernt – auf einen der silbernen Versammlungsstühle setzen und spirituelle Gedanken pflegen. Man kann aber auch ein Liedchen pfeifen und sich dabei die ausgedruckten witzigen Fragen und Antworten zu Gemüte führen, welche Besuchende den Ausstellungsmachern per SMS stellen dürfen und die gleich beantwortet werden: «Gibt es am Tisch ein Abendmahl?» «Bis jetzt ist keines geplant. Aber gute Idee! Wen würdest du dazu einladen?»

Die aneinandergereihten Tische voller Comiczeichnungen und Sprechblasen sehen aus wie ein Brainstorming für einen Animationsfilm. Es ist ein Werk der Mitarbeitenden des Künstlers während der gemeinsamen Mittagessen.

Der Mensch, das unbelehrbare Glaubenstier

Die Einzelausstellung enthält Teile aus Rob Pruitts Schaffen bis zurück in die späteren 1990er-Jahre. Die mit Silberfolie eingekleideten Stühle etwa waren Teil von «The Congregation». Eine Installation aus dem Jahr 2010, die sich mit dem Thema «Rumspringa» beschäftigte. Der Tradition unter den Amischen, Jugendliche ein Jahr lang in die Welt ­hinaus zu schicken und sich dann für oder gegen die Gemeinschaft zu entscheiden. Die Paradigmen weltlicher und geistlicher Verheissung – von heidnischen, frömmlerischen, schamanischen, diabolischen und scheinheiligen Ritualen und Anbetung – hat Pruitt als Mosaik auf einen 35 Meter langen Tüllvorhang drucken lassen. Man kann sich spiegeln in diesem Vorhang und denken, dass das Projekt Mensch nicht Gottes bestes war. Pruitt, der Welterzähler, ergänzt seine Installation durch grossflächige monochrome Bildtafeln, den «Suicide Paintings». Sie sind in ihrer durchdringenden Tiefe die eine Sehnsucht nach einem narbenlosen Kosmos.

Brigitte Schmid-Gugler

Hinweis
Die Ausstellung in der Kunsthalle Zürich dauert noch bis am 13. Mai 2018. Weitere Infos finden Sie hier.

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