Neue Leiterin der Galerie Grunder Perren: "Ich will Künstler und Besucher zusammenbringen"

Die Galerie Grunder Perren erhält ein neues Gesicht. Zsusza Csherhati übernimmt die Leitung des Kunstraumes, berichtet über ihre Erfahrungen auf dem Rebberg und wie das Know-how als ehemalige KKL-Eventmanagerin ihr weiterhilft.

Interview: Nadine Meier
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Die 53-jährige gebürtige Zürcherin Zsusza Csherhati in der Galerie Grunder Perren in Adligenswil. (Bild: Boris Bürgisser, 20. März 2019)

Die 53-jährige gebürtige Zürcherin Zsusza Csherhati in der Galerie Grunder Perren in Adligenswil. (Bild: Boris Bürgisser, 20. März 2019)

Wie sind Sie zu dieser neuen Aufgabe gekommen?

Zsusza Csherhati: Die Galerie wurde vor vier Jahren gegründet und war gut auf Kurs. Susanne Perren und Michela Grunder konnten sie aber aus persönlichen Gründen nicht mehr weiterführen. Über mein Netzwerk habe ich davon erfahren. Zu jener Zeit arbeitete ich noch auf einem Rebberg und nahm mir eine Auszeit als Magd. Der Gedanke liess mich nicht mehr los: Weshalb nicht wieder zurück in den Kunstbetrieb?

Von 2003 bis 2008 waren Sie ja in der Galerie von Urs Meile tätig…

Die Galerie Urs Meile befasst sich vor allem mit chinesischen Künstlern. Damals war ich mit Marketing, Organisation und Galerieexpansion betraut und nicht als Kunsthistorikerin tätig. Die Förderung und Vermarktung von Künstlern und Künstlerinnen ist nun eine logische Weiterentwicklung meiner Tätigkeitsfelder.

Denken Sie, der fehlende kunsthistorische Hintergrund ist ein Handicap?

Die Tätigkeit einer Galeristin ist nicht an ein kunsthistorisches Studium gebunden. Wichtig ist viel mehr die Auseinandersetzung mit Kunst sowie ein gutes Netzwerk und Umfeld für den Austausch. Ausserdem sehe ich es auch als Chance, nicht voreingenommen zu sein und offen den Künstlern begegnen zu können.

Was für Künstler sprechen Sie selber besonders an?

Solche, die ich verstehe, und die mit ihren Werken Raum für einen Austausch eröffnen. Ich werde Arbeiten von Künstlern zeigen, deren Technik und Aussage aktuelle Themen umsetzen. Einige bisherige werde ich weiterhin begleiten. Hinzu kommen neue Künstler, die immer neue Zugänge zu ihrem Ausdruck suchen. Ich lege grossen Wert darauf, eine persönliche und gute Beziehung zu den Künstlern aufzubauen und zu pflegen. Als Galeristin sehe ich es auch als eine meiner Pflichten, auch ausserhalb einer Ausstellung das Schaffen des Künstlers zu verfolgen. Künstler exklusiv unter Vertrag zu nehmen, das ist aber den grossen internationalen Galerien vorbehalten.

Wie hat Sie die Arbeit auf dem Rebberg geprägt, was nehmen Sie mit in den Kunstbetrieb?

Den Wein nehme ich ganz reell mit (lacht). Der wird in der Galerie ausgeschenkt. Ausserdem gibt die Natur so viel und inspiriert einen. Mein Puls fuhr deutlich herunter. Ich konnte nachspüren, wie und wo ich meine Energie einsetzen will. Eine Galerie braucht besonders viel Herzblut. Die Leidenschaft braucht es, um den Künstlern gerecht zu werden und ihre Ideen den Besuchern näherzubringen. Diese Freiheit konnte ich auf dem Rebberg verinnerlichen. Ich kam körperlich an meine Grenzen. Gleichzeitig aber gab es eine innere Ruhe.

Sie arbeiteten lange im KKL als Eventmanagerin. Was schätzen Sie im Vergleich? Und gibt es Parallelen?

Die Eigenständigkeit schätze ich jetzt sehr. Ich kann wirken, so wie ich das für gut befinde, und muss niemandem mehr Rechenschaft ablegen. Ich kann von meiner Erfahrung im KKL aber auch enorm viel integrieren. Etwa als Gastgeberin, die jede und jeden in meiner Galerie willkommen heisst.

Planen Sie auch Veränderungen in der Galerie selber?

Mein wichtigstes Ziel ist momentan, eine Begegnungszone zwischen Künstler und Besucher aufzubauen. Gleichzeitig entwickle ich das Geschäftsmodell Galerie weiter. Der Kunstbetrieb wird dynamischer. Das Erlebnis soll auch Emotionen wecken. Genau da setze ich an: Persönliche Treffen mit Künstlern und Atelierbesuche in kleinen Kreisen schaffen mehr Bezug zur Person und ihrer Arbeit.

Zsuzsa’s Grunder Perren, Luzernerstr. 15, Adligenswil. Offen Do/Fr 14.00-18.30 Uhr, Sa 13.00–16.00 Uhr, oder nach Vereinbarung. Aktuelle Ausstellung: Alois Lichtsteiner, bis 25.4., www.grunderperren.ch