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Kunstmuseum Bern verkauft ein Gurlitt-Bild für 4 Millionen

Das Kunstmuseum hatte lange gezögert, 2014 das Erbe von Cornelius Gurlitt anzutreten. Raubkunst wurde vermutet. Das nun an ein japanisches Museum verkaufte Bild von Éduard Manet ist aber keine Raubkunst. Das Geld aus dem Verkauf wird für die aufwändige Betreuung der umfangreichen Sammlung eingesetzt.
Sabine Altorfer
Édouard Manet, «Marine, Temps d’orage», 1873. Bild: Alamy

Édouard Manet, «Marine, Temps d’orage», 1873. Bild: Alamy

Kunsthandel Welche Überraschung! «Das Kunstmuseum Bern verkauft ein stürmisches Meerbild von Manet aus dem Besitz des berüchtigten Sammlers Cornelius Gurlitt für vier Millionen Dollar», titelte das Kunstportal «Artnet» gestern gegen Abend. Und meldet auch den Käufer: Das National Museum of Western Art in Tokio.

Als Schweizer Medium staunte man, war doch hierzulande bisher gar nichts von ­diesem Deal bekannt. Unsere Recherchen ergaben, dass die ­«Financial Times» schon einige Stunden früher den Verkauf vermeldet hatte. Rückfragen dieser Zeitung gestern Abend beim Kunstmuseum Bern lösten Erstaunen aus.

«Ich bin überrascht von der Online-Meldung», sagte Kommunikationschefin Maria Teresa Cano. Wie die «Financial Times» und «Artnet» zu den Informationen gekommen seien, wisse sie nicht. Aber sie bestätigte indirekt den Verkauf. «Wir bereiten aktuell eine Medienmitteilung vor, die morgen Freitag um 10 Uhr verschickt wird.»

Zur Erinnerung: Cornelius Gurlitt (1932–2014), der Sohn von Nazi-Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, hatte 2014 überraschend das Kunstmuseum Bern als Alleinerbe eingesetzt. Das Museum zögerte lange, ob es das Erbe annehmen sollte, vermutete man doch Raubkunstwerke unter der nicht inventarisierten Sammlung.

Nach langen Verhandlungen mit Deutschland und gegen den Willen einiger entfernter Familienmitglieder nahm Bern das Erbe schliesslich an. 1566 Positionen umfasst es, hauptsächlich Zeichnungen und Grafikblätter.

Geld für Forschungen am Gurlitt-Erbe

An diesem umfangreichen Konvolut wird seither intensiv geforscht, zuerst in Deutschland, jetzt in Bern. Neun Werke wurden bisher als Raubkunst identifiziert, sechs Gemälde an ihre früheren jüdischen Besitzer zurückgegeben.

Das Kunstmuseum Bern brauche Geld, um die weiteren Provenienzforschungen zu finanzieren, schreibt «Artnet». Zitiert wird Direktorin Nina Zimmer. «Ein Werk ziehen zu lassen, ist einer der schwersten Entscheidungen, man kann nicht sagen, dass wir glücklich darüber sind.» Und weiter: «Wir haben eine Menge Ausgaben mit dem Gurlitt-Besitz, die für ein kleines Museum schwer zu tragen sind.» Und sie versprach, dieser Verkauf solle eine Ausnahme bleiben.

Warum ausgerechnet das Marinebild von Édouard Manet? Auch dafür hat «Artnet» eine Erklärung: Das Ölgemälde dürfte eines der wenigen Werke im Gurlitt-Erbe sein, das wirklich Geld einbringt. Und zudem hat es den Status grün. Das heisst, es gilt als sauber.

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