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KUNSTMUSEUM CHUR: Hatz stopft das Sommerloch

Es bleibt (fast) alles beim Alten. Im Konflikt um die künstlerische Leitung des Kunstmuseums Chur ist es zu einem Entscheid gekommen. Der Berater Hans Hatz hat eine Einigung mit allen Beteiligten erzielt.
Brigitte Schmid-Gugler
Nicole Seeberger und Stephan Kunz leiten das Churer Kunstmuseum künftig gemeinsam. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Nicole Seeberger und Stephan Kunz leiten das Churer Kunstmuseum künftig gemeinsam. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Stephan Kunz bleibt den Bündnern als künstlerischer Leiter des Kunstmuseums Chur erhalten. Das ist ein weiser Entscheid. Denn es hätte nicht erstaunt, wenn der willkürlich zurückgestufte Kunz, ausgestattet mit einem hervorragenden und unangefochtenen Leistungsausweis, von sich aus den Hut genommen hätte. Und dass Nicole Seeberger, die man ihm kurzerhand vor die Nase gesetzt hatte, ihm künftig als administrative Co-Direktorin zur Seite stehen wird, klingt durchaus nach einer Win-win-Situation. Die Stellenprozente auf Leitungsebene erhöhen sich durch die Reorganisation um vierzig Prozent.

Falsch beraten, falsch entschieden, falsch orientiert

Die gestrige Medienorientierung fand im Grossratsgebäude statt, Tür an Tür mit dem Gastspielhaus Chur. Man könnte also denken, dass der theatrale Groove herüberstrahlte und die Fortsetzung der komischen Oper in die Amtsstuben verlegt worden sei. Landauf, landab war in den vergangenen Wochen gelästert worden über die bizarren Vorgänge in Chur: Regierungrat Martin Jäger hatte im Einvernehmen mit der umstrittenen Leiterin des Amts für Kultur, Barbara Gabrielli, einen Berater kommen lassen, um den Sachverhalt im Kunstmuseum unter die Lupe zu nehmen. Er hiess Hinnen, Peter, wie der Schlagersänger vom Hit «Auf meiner Ranch bin ich König» von anno 1961. Der Peter Hinnen von Chur ist nicht Sänger, sondern Psychotherapeut. Das Resultat seiner Befragungen führte Mitte Juni zur Sturmübung im Kunstmuseum. Die Bündner und Deutschweizer Kultur- und Kunstszene protestierte so heftig, dass Jäger die Entscheidung sistierte und als nächsten Berater Hans Hatz holte. Der machte das, was eigentlich Psychotherapeuten tun: zuhören. Und bald schon kristallisierte sich für ihn heraus, dass die «von Martin Jäger erwähnten Defizite in der personellen und administrativen Führung» am effizientesten mit einer Co-Direktion aufzuholen wären.

Die Co-Direktion ist ein absolutes Novum

Martin Jäger sagte, er stehe zu den Fehlern, die gemacht worden seien. Man habe die besonderen Strukturen im Kunstmuseum zu ungenau angeschaut. Bezüglich der erwähnten Defizite wolle er aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes weiterhin keine Aussagen machen. «Es ist mir aber wichtig, deutlich festzuhalten, dass niemand sich so verhalten hatte, dass es in irgendeiner Form personal-rechtliche oder andere Konsequenzen nach sich gezogen hätte.» Die Bündner Regierung verurteile die Anfeindungen gegen Barbara Gabrielli «aufs Schärfste». Er verwies im Zusammenhang mit entsprechenden Vorwürfen auf die halbe Million Franken, die das Kunstmuseum seit der Eröffnung des Erweiterungsbaus pro Jahr mehr erhalte.

Stephan Kunz als alter und neuer künstlerischer Direktor äusserte sich erleichtert über die Lösung. So könne er sich künftig den Bereichen widmen, die seine Stärken seien. Die klar abgesprochenen Verantwortungsbereiche zwischen ihm und der Co-Direktorin Nicole Seeberger stimmten ihn zuversichtlich und er freue sich auf die Zusammenarbeit.

Weshalb man wohl die Möglichkeit einer Co-Leitung nicht schon früher ins Spiel brachte und stattdessen die Fetzen fliegen liess? Ein solches Modell habe es bisher in der kantonalen Verwaltung nie gegeben. Diese Variante sei deshalb lange kein Thema gewesen, erklärte Jäger. Dabei hätte er für ein gut funktionierendes Beispiel nur mal eben ins Theater Chur gehen müssen: Dort sind zwei Frauen erfolgreich am Ruder.

Brigitte Schmid-Gugler

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