KUNSTMUSEUM LUZERN: Alles ein bisschen verrutscht

Die Westschweizerin Claudia Comte schafft streng konzeptionierte Räume. Aber dank ihrem Humor darf auch mal was schief hängen. Eine Ausstellung sowie eine neue Publikation bezeugen dies.

Julia Stephan
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Blick in einen der Säle des Kunstmuseums Luzern mit Werken von Claudia Comte. Bild: Gunnar Meier/PD

Blick in einen der Säle des Kunstmuseums Luzern mit Werken von Claudia Comte. Bild: Gunnar Meier/PD

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

«10 rooms, 40 walls, 1050 m².» Der Ausstellungstitel deutet an, worum es der Westschweizer Künstlerin Claudia Comte im Grunde geht: um die systematische Einbeziehung von Raum in ihre Arbeit. Darin unterscheidet sie sich ganz grundsätzlich von ihrer Vorgängerin, der Turner-Preisträgerin Laure Prouvost. Die hatte den Besucher in ihrer Ausstellung zwar raumbezogen, aber eher assoziativ-chaotisch einer kolossalen Reizüberflutung ausgesetzt. Bei Comte, die sich ebenso wie ihre Vorgängerin auf Ermunterung von Museumsdirektorin Fanni Fetzer in den Räumen des Kunstmuseums austoben durfte, stellt sich eher eine stimmige Unstimmigkeit ein. Die Räume sind unruhig, und doch geht durch sie eine rote Linie hindurch.

«Lucky-Luke- Kakteen» aus Holz

In Claudia Comtes Fall ist diese Linie schwarz und 7 Millimeter breit. Wie das Blatt ihrer Kettensäge, mit der die viel Wert aufs Handwerk legende Comte im letzten Sommer im Jura aus riesigen Baumstämmen mannshohe Kakteen schuf. Die stehen nun in einem der Kunstmuseumsräume, und Kuratorin Fanni Fetzer nennt sie nicht ohne Grund «Lucky-­Luke-Kakteen». Denn sie sind das Gegenteil von stachligen Monstern. Herrlich verspielt sind sie und stumpf, mit weiblichen Rundungen. Freundliche, einladende Wesen mit hohem Wiedererkennungseffekt.

Bei Claudia Comte, Swiss-Art-Awards-Gewinnerin und Kiefer-Hablitzel-Preisträgerin, sind Wand und Objekt gleichberechtigt. Überhaupt lässt sich schwer sagen, wo zwischen der Wand und den daran angebrachten Objekten eine Grenze zu ziehen ist. Gern lässt die Künstlerin Gegensätze aufeinandertreffen. Fast in jedem Raum erhalten alle vier Raumseiten eine jeweils andere Musterung.

Jedoch bleibt es selten beim Clash von Schwarz und Weiss, Eckig und Rund, Streng und Verspielt, auch wenn man auf all diese Gegensätze beim Gang von Raum zu Raum andauernd trifft.

Comic-Sprache und Cocktail-Paintings

Da wird etwa die konzeptionelle Strenge der an der konkreten Kunst orientierten Geometrien an der Wand mit Comic-Elementen durchbrochen. Über die an die Op-Art erinnernden Musterungen mit Flimmereffekt legt Comte Leinwände mit bunten Farbverläufen, die sie humorvoll Cocktail-Paintings nennt.

Doch Comte sucht eben gerade nicht nur Kontraste, sondern ebenso stark die Synthese. Das macht ihre Arbeit so spannend. Das Ergebnis sind Formen, die spielend das Material wechseln, oder konkrete Kunst, nur ein bisschen verrutscht und mit Humor interpretiert. Für den Humor sind Versatz­stücke aus den Comics zuständig. Etwa ein «Puff» in einer Sprechblase oder ein aufgemalter Gartenzaun an der Wand. Am deutlichsten zum Audruck kommt der Wunsch nach Synthese aber in den gerahmten, farbigen Bildern an einer der 40 Museumswände. Comte hat in diese Bilder farbige Linien eingefräst, Quadrate und Halbkreise, deren Linien sich in der Bildmitte treffen vor einem Hintergrund, der sich aus der Mischung der beiden Farbenlinien ergibt.

Hinweis

Claudia Comte. «10 rooms, 40 walls, 1059 m²». Kunstmuseum Luzern bis 18. Juni. Heute, 16 Uhr: Comte diskutiert mit Fanni Fetzer. www.kunstmuseumluzern.ch.

 

Wir verlosen 3-mal 2 Tickets für den Ausstellungsbesuch. Wählen Sie heute die Telefonnummer 0901 83 30 25 (Fr. 1.50 pro Anruf) oder nehmen Sie kostenlos teil unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe.