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KUNSTMUSEUM LUZERN: Aufs richtige Pferd gesetzt

Mit «Karneval der Tiere» widmet sich die Sammlungspräsentation der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Malereien und Skulpturen vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart stellen auch ethische Fragen.
Tiziana Bonetti
Eine der Facetten der Beziehung von Mensch und Tier: Facetten der Beziehung von Mensch und Tier: Die Mystik in «Hexenhalfter» von Franz Karl Basler-Kopp, undatiert. (Bild: Kunstmuseum)

Eine der Facetten der Beziehung von Mensch und Tier: Facetten der Beziehung von Mensch und Tier: Die Mystik in «Hexenhalfter» von Franz Karl Basler-Kopp, undatiert. (Bild: Kunstmuseum)

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Die Beziehungen von Mensch und Tier sind und waren schon immer komplex: Im Facettenreichtum von Relationen wie Freundschaft und Feindschaft, Fürsorge und Unterwerfung, Ausbeutung und Bedrohung widerspiegelt sich ein höchst paradoxes Verhältnis. Entsprechend landen einige Tiere als anonymes Kotelett auf unserem Teller oder hängen als Kleidungsstück in unserer Garderobe, während wir andere mit einem Namen rufen und auf unserem Schoss liebkosen.

Anstatt um chronologische Ordnung der Werke oder um Gattungsgliederungen der Tiere bemüht, hat Sammlungskonservator Heinz Stahlhut den Ausstellungsräumen je ein Zitat oder einen Merksatz beigegeben, der als Interpretationsangebot den hängenden Bildern und Expo­naten eine Lesart zuführt. Entsprechend regt der Auftakt der Ausstellung mit der Überschrift «Hoch zu Ross und unterm Joch» Reflexionen zu Fragen über die historische Bedeutung des Pferdes für den Menschen an.

Zwischen Transportmittel und Statussymbol

Während Bilder wie Frank Buchers «Ritt nach Sevilla» (1861) das Pferd in seiner Funktion als lasttragendes Transportmittel zeigen, handelt Jacques-Laurent Agasses Gemälde «Lord Heathfield» (1814) von Macht und Repräsentation: Analog zu seiner sozialen Stellung, stellt sich der stolze Lord in erhöhter Position auf dem Rücken des Pferdes dar und kontrolliert mit leichter Hand das gezähmte und gleichwohl kräftige Tier. Mit dieser Ikonografie schreibt Agasses Bild eine seit der Antike überlieferte Vorstellung fort, wonach ein Mann, der ein Tier zu bändigen in der Lage ist, auch ein ganzes Volk im Zügel halten könne.

Den Aspekt der Zähmung und Domestizierung schreibt auch das Bild «Die Schöne und das Biest» (1979) von karl Horst Hödicke fort: Das formal aus wenigen Strichen konzipierte Bild zeigt von hinten eine im mintgrünen Mini gekleidete Frau, die einen Hund an der Leine spazieren führt.

Weniger von Zähmung, dafür umso mehr von Gefangenschaft handelt das Bild «Murmeltierverkäuferin» (1772) von Johann Melchior Wyrsch: Auf dem Gemälde ist eine Dame im Dreiviertelprofil zu sehen, die mit ihrer rechten Hand den Deckel eines kleinen Holzkäfigs hebt und so den Blick auf ein darin eingesperrtes Murmeltier freigibt. Mit seinem dunkelbraunen Fell hebt sich das scheu aus der Öffnung lugende Tier farblich gesehen kaum vom Holz des Käfigs ab.

Uneingeschränkte Machtausübung

Während das Bild von Wyrsch implizit von der Ohnmacht eines wehrlosen Tiers handelt, das dem Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, zeigt Varlin (Willy Guggenheim) in «Les Halles di Parigi» (1949–1951) ungeschönt das Resultat der uneingeschränkten Machtausübung des Menschen auf die Tiere: Aufgeschlitzt als blutig-totes Stück Fleisch malt Varlin dicht an dicht gehängte Tierkadaver in einem Schlachthof. Der pastose Farbauftrag des Künstlers konvergiert mit der rohen Gewalt, die den geschlachteten Tieren widerfahren ist.

Neben diesen Darstellungen von Leid und Gewalt, die Menschen gegenüber Tieren anwenden, widerspiegelt sich in Bildern wie Rudolf Kollers «Schafe im Stall» (1861) das Empathievermögen der Menschen für die Lebenswelt der Tiere. So zeugt die Lebendigkeit und Akribie von Kollers Darstellung der Stallbewohner vom Interesse des Künstlers an der Verbildlichung ihres Zusammenlebens.

Mit dem Arrangement der Werke ist Stahlhut eine Ausstellung gelungen, die den Museumsbesucher buchstäblich auf einen kunsthistorischen Ritt begleitet. Ein Ritt, der die im Laufe der Zeit sich wandelnde Beziehung zwischen Mensch und Tier durch Kunst sinnlich vor Augen führt.

Hinweis

Die Ausstellung «Karneval der Tiere» läuft noch bis 6. Januar 2019. Info: www.kunstmuseumluzern.ch

Eine der Facetten der Beziehung von Mensch und Tier: Das Statussymbol in «Lord Heathfield» von Jacques Laurent Agasse, 1814. (Bild: Kunstmuseum)

Eine der Facetten der Beziehung von Mensch und Tier: Das Statussymbol in «Lord Heathfield» von Jacques Laurent Agasse, 1814. (Bild: Kunstmuseum)

«Die Schöne und das Biest» von Karl Horst Hödicke, 1979.. (Bild: Kunstmuseum)

«Die Schöne und das Biest» von Karl Horst Hödicke, 1979.. (Bild: Kunstmuseum)

Eine der Facetten der Beziehung von Mensch und Tier: Der Schlachthof in «Les Halles di Parigi» von Willy Guggenheim, 1949–51. (Bild: Kunstmuseum)

Eine der Facetten der Beziehung von Mensch und Tier: Der Schlachthof in «Les Halles di Parigi» von Willy Guggenheim, 1949–51. (Bild: Kunstmuseum)

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