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Kunstmuseum St.Gallen: Das Wunder geht weiter

Der Zufall verhalf dem Kunstmuseum St.Gallen zu einer bedeutenden Schenkung an Werken Alter Meister. In einer Ausstellung werden nun die Schätze präsentiert. Dazu gehören Druckgrafiken von Rembrandt und Schongauer.
Christina Genova
Samuel Reller und Matthias Wohlgemuth (rechts) rahmen ein Gemälde aus der Rembrandt-Schule ein. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 3. Mai 2019)

Samuel Reller und Matthias Wohlgemuth (rechts) rahmen ein Gemälde aus der Rembrandt-Schule ein. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 3. Mai 2019)

Ganze 15 Minuten stand ein älterer Herr vor zwei Radierungen des Altmeister Esaias van de Velde. Konrad Bitterli, der damalige stellvertretende Direktor des Kunstmuseums St. Gallen, konnte nicht anders, er musste ihn darauf ansprechen. «Als er mir erzählte, dass er solche Werke zu Hause hängen habe, machte ich Elefantenohren», erzählt Bitterli, heute Museumsdirektor in Winterthur.

Bald schon kam es zu einem ersten Augenschein in Vilters-Wangs, wo Johannes Krüppel-Stärk mit seiner Frau Maria seit 1987 zurückgezogen lebte. Mit dabei war auch Matthias Wohlgemuth, der Kurator der Altmeistersammlung. Man verstand sich auf Anhieb, denn man teilte die gleiche Leidenschaft.

«Sie könnten unser Sohn sein»

Das deutsche Ehepaar hatte seit den 1960er-Jahren eine Sammlung an Gemälden und hochkarätigen Druckgrafiken und Zeichnungen Alter Meister aufgebaut. Dem ersten Besuch sollten noch Dutzende weitere folgen. Eine erste gemeinsame Ausstellung wurde entwickelt, «Phantasien Topographien» von 2009, das Ehepaar blieb damals als Leihgeberin im Hintergrund.

Matthias Wohlgemuth spricht von einer persönlich bereichernden Beziehung, ja einer Freundschaft, die durch die enge Zusammenarbeit entstand. «Sie könnten unser Sohn sein», sagte ihm das kinderlos gebliebene Ehepaar.

Als die beiden verstarben, Johannes Krüppel-Stärk 2011, seine Frau 2016, vermachten sie ihre Sammlung dem Kunstmuseum: 57 Gemälde, 89 Zeichnungen und 1358 Druckgrafiken. In der Ausstellung «Altmeister-Geschichten» werden nun erstmals die wichtigsten Neuzugänge in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert und mit Werken aus der bestehenden Sammlung ergänzt.

Die kürzlich restaurierte Blumengirlande hat Rachel Ruysch (1664-1750) im Alter von 17 Jahren gemalt. Sie war die einzige Malerin des Goldenen Zeitalters, die in eine Malerzunft aufgenommen wurde. (Bild: Stefan Rohner)

Die kürzlich restaurierte Blumengirlande hat Rachel Ruysch (1664-1750) im Alter von 17 Jahren gemalt. Sie war die einzige Malerin des Goldenen Zeitalters, die in eine Malerzunft aufgenommen wurde. (Bild: Stefan Rohner)

Die «zersägte» Frau

Die beiden Kuratoren Matthias Wohlgemuth und Samuel Reller haben zu 20 Exponaten spannende Geschichten recherchiert: von Rachel Ruysch, der einzigen Frau des Goldenen Zeitalters, die in eine Malerzunft aufgenommen wurde, oder von der «zersägten» Frau. Dabei handelt es sich um das Gemälde einer Hausherrin Quiringh van Brekelenkams von 1662, deren überlanger Körper nicht gefiel. Deshalb wurde ihr ein Streifen aus dem Rock gesägt.

Links oben sieht man das Stück Rock, das herausgesägt und oben an das Gemälde Quiringh van Brekelenkams angefügt wurde. Rechts ist eine digitale Rekonstruktion des Originalzustandes zu sehen. (Foto: Stefan Rohner)

Links oben sieht man das Stück Rock, das herausgesägt und oben an das Gemälde Quiringh van Brekelenkams angefügt wurde. Rechts ist eine digitale Rekonstruktion des Originalzustandes zu sehen. (Foto: Stefan Rohner)

Das sogenannte St.Galler Altmeisterwunder fand seine Fortsetzung. Begonnen hatte es 1995 mit der Schenkung flämischer und niederländischer Meister der Familie Chappuis-Speiser. Zuvor besass das Kunstmuseum nur einzelne Gemälde des 15. bis 17. Jahrhunderts und einige Grafiken. Ein Legat ermöglichte es dem Museum zudem, wertvolle Ankäufe zu tätigen.

Wert von Millionen

Die Schenkung des Ehepaars Krüppel-Stärk ergänzt die Sammlung im Bereich der Druckgrafiken passgenau. Sie ermöglicht es, den tief greifenden Wandel in der niederländischen Kunst im 17. Jahrhundert als durchgehende Erzählung zu präsentieren. Sie zeigt sich im Genre der Landschaft: Die der Fantasie entspringenden Darstellungen von Gebirgen und Wäldern wichen realen Landschaften vor der eigenen Haustür.

«Die grosse Kreuztragung» (um 1475) von Martin Schongauer zählt zu den herausragenden Druckgrafiken der Schenkung Krüppel-Stärk. (Bild: Stefan Rohner)

«Die grosse Kreuztragung» (um 1475) von Martin Schongauer zählt zu den herausragenden Druckgrafiken der Schenkung Krüppel-Stärk. (Bild: Stefan Rohner)

Zu den Höhepunkten unter den Neuzugängen zählt Matthias Wohlgemuth an erster Stelle «Die grosse Kreuztragung» von Martin Schongauer, ein Frühdruck von etwa 1475, der alleine mehrere 100000 Franken wert ist. Auch vom sogenannten «Hundertguldenblatt», einer Radierung Rembrandts mit Szenen aus dem Matthäus-Evangelium, besitzt man nun einen exzellenten Abzug.

Das schönste Gemälde aus der Sammlung Krüppel-Stärk ist für Matthias Wohlgemuth die Dünenlandschaft mit Pferdefuhrwerken von Pieter Molijn von 1645. (Bild: Sebastian Stadler)

Das schönste Gemälde aus der Sammlung Krüppel-Stärk ist für Matthias Wohlgemuth die Dünenlandschaft mit Pferdefuhrwerken von Pieter Molijn von 1645. (Bild: Sebastian Stadler)

An dritter Stelle ist das Gemälde einer Dünenlandschaft von Pieter Molijn (1595–1661) zu erwähnen. Insgesamt ist der Zuwachs wohl eine Summe im tiefen einstelligen Millionenbereich wert. Mittlerweile stehe St. Gallen, was die Bedeutung seiner Altmeistersammlung anbelange, nach Basel und Zürich schweizweit an dritter Stelle, sagt Matthias Wohlgemuth: «Wir hoffen, dass das Wunder weitergeht.»

Ausstellung Altmeister-Geschichten bis 5.4.20 im Kunstmuseum St.Gallen; Infos zum Rahmenprogramm auf kunstmuseumsg.ch

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