Neues Festival hat legendären Drummer «zum Leben erweckt»

Die Jazz- und Volksmusikabteilung der Musikhochschule Luzern bringt im Festival «Hausgemacht» Studenten, Alumni und Dozenten auf die Bühne. Der Auftakt war dem Schlagzeuger Fabian Kuratli gewidmet.

Katharina Thalmann
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New Bag weitgehend in der Urbesetzung mit Christy Doran, Bruno Amstad und Wolfgang Zwiauer (von links). (Bild: Manuela Jans, 4. Oktober 2018)

New Bag weitgehend in der Urbesetzung mit Christy Doran, Bruno Amstad und Wolfgang Zwiauer (von links). (Bild: Manuela Jans, 4. Oktober 2018)

2008 verstarb der Ausnahmeschlagzeuger Fabian Kuratli nach einem Krebsleiden, doch sein Mythos lebt weiter. Entsprechend voll war am gestrigen Eröffnungskonzert des Festivals «Hausgemacht» die Jazzkantine. Denn Kuratli habe das Schlagzeugspiel revolutioniert und die Schweizer Jazzgrenzen erweitert, sagte Marianne Doran von der Musikhochschule Luzern in ihrer Ansprache. Sein musikalischer Background reichte vom Miles Davis der Sechziger bis zum Techno. Das habe ihn auch zu einem massgebenden Dozenten gemacht.

Und es stimmt: Kuratli wurde Mitte der Neunziger nach Abschluss seines Studiums in Luzern Schlagzeugdozent. Doch sein Schaffen fiel in die Zeit vor Youtube, Soundcloud und Bandcamp; seine Musik ist also für heutige World-Wide-Web-Verhältnisse nur marginal dokumentiert. Zwei seiner stilbildenden Alben wurden deshalb vorgestern präsentiert: «Most» von seiner Band Fab4 und «Confusing the Spirits», der Erstling von New Bag.

Irgendwie spielte Kuratli selber mit

Von der Fab4-Urbesetzung stand am Donnerstag Wolfgang Zwi­auer auf der Bühne mit Martina Berther (Bass), Sha Haslebacher (Saxofon) und Rico Baumann (Schlagzeug). Alle drei haben einen Bezug zu Fabian Kuratli, und sie spielten nach Zwiauers Ansage «Most» von oben links bis unten rechts durch: Alle zehn Tracks kamen zur Aufführung, und irgendwie spielte Kuratli mit: Die Samples hatte er selber eingespielt mit Keyboards oder Beatgenerator.

Vielleicht waren diese Samples der Grund, weshalb das Konzert ein bisschen wie eine Play-along-Übung wirkte. Zudem klingt die CD auf einer guten Stereoanlage besser als der Mix in der Jazzkantine. Immer wieder waren die Samples zu präsent, gerade das Schlagzeug wurde – als einziges «akustisches» Instrument gegenüber den Effektgeräten der Bässe und des Saxofons – zeitweise zum Nebendarsteller. Dennoch zeigte das Fab4-Erinnerungsquartett als präzise Coverband, dass es sich lohnt, «Most» live zu spielen: Das Album ist ein eindrückliches Zeugnis des ausgehenden Jahrtausends mit seinem abgedrehten Fusion und übermütigen Crossover.

Sprühendes New-Bag-Revival

Nach der Pause ging es weiter mit New Bag in der Urbesetzung und Dominik Burkhalter am Schlagzeug. Auch hier wurde das erste Album «Confusing the Spirits» wieder zum Leben erweckt. Der Sänger Bruno Amstad, am Bass erneut Wolfgang Zwiauer, Christy Doran an der Gitarre und Burkhalter spielten laut, dicht und mit viel Drive nach vorne. Wie eine perfekt geölte Maschine mäanderten die vier Musiker durch massive Klanglandschaften, durch wilde Improvisationen, durch Rockschluchten und ausgeklügelte Unisono-Themen. Burkhalter, momentan musikalischer Leiter bei Bligg, spielte derart pumpend, dass Doran und Amstad sich Freiheiten nehmen konnten. Und Zwiauer groovte mit Burkhalter als nahezu perfekte Rhythmusgruppe voran. Bruno Amstads Gesang war eine virtuose Mischung aus Songversatzstücken, improvisierten Scat-Silben und geschickt eingesetzten Effektgeräten. Christy Doran, seit einem Jahr als Dozent pensioniert, glänzte in seinen Soli mit schelmischem Humor. Durch ihre jahrelange Erfahrung als Band sprühte das New-Bag- Re­vival am Donnerstag vor Spass und purer Spielfreude.

Letzte Konzerte am Samstag, 6.10.18, 21 Uhr, Jazzkantine: Veronika’s Ndiigo, Hans-Peter Pfammatter und Julian Sartorius, DJ Sporthose. Eintritt: 20 Fr./15 Fr. (Studierende).