Kurt Zurfluh: «Es scheint nur, dass ich sehr aktiv bin»

Das andere Interview

Interview Roger Rüegger
Merken
Drucken
Teilen
Kurt Zurfluh , hier am Rande des Heirassa-Festivals in Weggis. (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Kurt Zurfluh , hier am Rande des Heirassa-Festivals in Weggis. (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Kurt Zurfluh hat vor fast genau zwei Jahren, am 30. Juni 2012, seine letzte von 270 volkstümlichen Sendungen «Hopp de Bäse» moderiert. Den Schlusspunkt für das Schweizer Radio und Fernsehen setzte er nach fast 43 Dienstjahren in Weggis. Doch ein Ende ist für den stets braun gebrannten Zurfluh, der im Oktober 65 wird, noch lange nicht in Sicht. Am Wochenende agierte er als Co-Moderator des Heirassa-Festivals in Weggis und bei Tele 1 präsentiert er seit diesem Jahr die Sendung «Unterwegs».

Kurt Zurfluh, Sie haben wie stets elegant durch das Heirassa-Festival geführt. Dabei sind Sie seit bald zwei Jahren pensioniert. Ist Ihnen langweilig?

Kurt Zurfluh: Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Wenn man 43 Jahre lang berufstätig war, dann sei es ungesund, wenn man Knall auf Fall nichts mehr mache, habe ich mir von andern, älteren Pensionären sagen lassen. Und daran halte ich mich ...

Warum sind Sie immer noch derart engagiert?

Zurfluh: Weil es Spass macht. Tönt zwar etwas abgegriffen, ist aber wirklich so. Ja, soll ich denn auf der faulen Haut liegen? Auch der verstorbene Volksmusikpapst und mein Vorbild Wysel Gyr sagte, dass er ein schlechtes Gewissen hatte, wenn er nicht mindestens 12 Stunden pro Tag arbeitete. Aber so intensiv ist es bei mir natürlich nicht.

Auftritt von Lisa Stoll, Alphorn Spielerin am Heirassa-Festival. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
18 Bilder
Pepe Lienhard, links, und Carlo Brunner bei ihrem Auftritt. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Sichtlich begeisterte Zuschauer in Weggis. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Der Pavillon in Weggis. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Die Kapelle Bühler-Fischer. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Die Kapelle Bühler-Fischer. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Die Kapelle Bühler-Fischer. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Die Kapelle Bühler-Fischer. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Verpflegung muss sein: Eine junge Volksmusik-Hörerin bei der Pause. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Nicolas Senn am Hackbrett. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Nicolas Senn am Hackbrett. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Pepe Lienhard, links, und Carlo Brunner bei ihrem Auftritt. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Pepe Lienhard, links, und Carlo Brunner bei ihrem Auftritt. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Auch im Publikum war viel folkloristische Kleidung zu sehen. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Prominenz: Kurt Zurfluh. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Auftritt von Lisa Stoll, Alphorn Spielerin am Heirassa-Festival. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Nicht? Man hat aber schon den Eindruck, dass Sie aktiver sind denn je?

Zurfluh: Ist möglich. Aber das sind alles «Jöbli», die zwar nach viel aussehen, aber nicht so arbeitsintensiv sind. Wenn meine Sendung «Unterwegs» auf Tele 1 etwa 12 Mal pro Woche wiederholt wird, scheint es natürlich, dass ich sehr aktiv bin.

Welches Pensum haben Sie unter dem Strich?

Zurfluh: Das sind vielleicht zwei Tage pro Woche, wobei der Tag dann lediglich etwa fünf Arbeitsstunden umfasst. Und dann mache ich so alle zwei Monate auch zwei bis drei Wochen gar nichts, reise herum und so.

Eigentlich ist es recht schön so als Pensionär, nicht wahr?

Zurfluh: Man kann arbeiten, aber man muss nicht. Und übrigens bin ich erst am 4. Oktober 65. Dann kann man von Pensionär sprechen.

Pardon. Warum geniessen Sie es nicht schon jetzt?

Zurfluh: Ein wenig schäffele, ein wenig pläuschle, ein wenig spörtle: Der Mix stimmt doch, oder?

Eigentlich schon. So müssen Ihre Fans bestimmt nie befürchten, dass Sie in der Versenkung verschwinden?

Zurfluh: Das wird aber sicher in zwei bis drei Jahren der Fall sein. Aber da meine Fans gleich alt oder älter sind als ich, ist es auch nicht schlimm, wenn ich in der Versenkung verschwinde.

Juckt es Sie an einem Festival wie dem Heirassa nicht, ab und zu die Sau rauszulassen, auf eine Festbank zu klettern und mitzusingen?

Zurfluh: Das mache ich manchmal schon, und das habe ich schon immer gemacht. Ich hatte in meinen jungen Jahren ziemlich auf die Pauke gehauen. Das wäre sicher die eine oder andere Schlagzeile wert gewesen. Als ich als Sportmoderator am TV SRF tätig war, stand ich an einem Sonntagmorgen auf den Festbänken und am Abend habe ich moderiert. Da beschwerte sich jemand beim Fernsehen, dass sich das für einen seriösen Moderator nicht gehöre ...

Was für ein Vergehen – aber so seriös wie bei SRF müssen Sie sich bei Tele 1 ja nicht geben?

Zurfluh: Nein, da kann ich schon mal Frau Regierungsrätin Heidi Zgraggen (UR) vor laufender Kamera fragen, ob ich sie duzen dürfe und darauf mit einem Glas Wein anstossen.

Als ich versuchte, Sie zu erreichen, waren Sie am Velofahren. Sind Sie ein Gümmeler mit Kopftuch und hochroter Birne, wie man sie oft während der grossen Radtouren antrifft?

Zurfluh: Nein, um Gottes Willen. Nach einer halbstündigen Tour muss auf dem Weg ein Bier drinliegen. Aber einen Helm trage ich immer.

Das hätte mich doch verwundert. Aber Sie sind schon sportlich unterwegs?

Zurfluh: Doch schon, aber nicht vergiftet. Um das schlechte Gewissen wegen eines Biers zu beruhigen, strample ich manchmal eine halbe Stunde mehr ab.

Wie steht es mit Fussball?

Zurfluh: Da war ich viele Jahre aktiv bei den Zentralschweizer Sportjournalisten und bei der Fernsehmannschaft. Als Goalie.

Sie hatten auf dem Fussballplatz mal ein Zusammentreffen mit dem ehemaligen Kugelstosser Werner Günthör?

Zurfluh: Im Kampf um den Ball rammte er mich. Der Arzt stellte am andern Tag drei gebrochene Rippen fest. Bei mir, nicht etwa bei Günthör.

Und, hats ein Tor gegeben?

Zurfluh: Nein. Und ich habe den Match zu Ende gespielt.

Ist Günthör ein Hooligan, ein Rüpel auf dem Fussballplatz?

Zurfluh: Nein, aber der ist über 2 Meter gross und 120 kg schwer. Später haben wir darüber gelacht, ich nahm ihm das nicht übel.

Apropos. Worin liegt der Zauber bei Volksmusik-Anlässen? Soweit mir bekannt ist, wird da auch gebechert und ausgelassen gefeiert. Ruppig wirds aber selten. Liegt das an der ruhigen Art wie der Moderator durchs Programm führt?

Zurfluh: In Weggis braucht es kein Sicherheitsdispositiv, keine Polizeipräsenz. Volksmusikfans sind von Haus aus anständig und gemütlich. Der Moderator braucht da nicht durchzugreifen.