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«Landoperette» mit einem Hauch von Welt in Sursee und Arth

Landoperette war gestern. Die Theater beweisen die Professionalisierung der ehemaligen Laienbühnen mit Knallern von Franz Lehár und Jacques Offenbach.
«Orpheus in der Unterwelt». Bild: PD (Titelbild: «Der Graf von Luxemburg»; Roberto Conciatori, Fotograf SBF)

«Orpheus in der Unterwelt». Bild: PD (Titelbild: «Der Graf von Luxemburg»; Roberto Conciatori, Fotograf SBF)

Viel hat sich in der Theaterlandschaft der Innerschweiz in den letzten Jahren bewegt, auch was das Verhältnis zwischen dem Luzerner Theater und den Operettenbühnen anbelangt. Das zeigt die Tatsache, dass vom alten Streit zwischen Landoperette und Stadttheater heute nichts mehr übrig geblieben ist.

Stadttheater und Landoperette

Insbesondere während der Intendanz von Barbara Mundel am Luzerner Theater lobten Nostalgiker die Operetten von Sursee, Arth oder Entlebuch als Hort einer handfesten und nicht intellektuell verfälschten Unterhaltungskultur. Das Luzerner Theater setzte sich umgekehrt mit Regieexperimenten und seiner Professionalität gegen die Laienbühnen ab. Deren Produktionen, von Operetten in Arth und Sursee bis zu Musicals im Le Théâtre, damals in Kriens, boten dagegen einen Mix aus Charme, lokaler Färbung und professionellen Solisten.

Trend zur Professionalisierung

Wie sehr sich das geändert hat, zeigt einerseits die Tatsache, dass Benedikt von Peter als Intendant des Luzerner Theaters kürzlich in die Rolle des Kritikers schlüpfte und im «Luzerner Anzeiger» der jüngsten Produktion des Le Théâtre ein Kränzchen wand. Zudem bezieht das Luzerner Theater unter von Peter verstärkt Laien in seine Produktionen ein. Die Grenzen zwischen dem Luzerner Theater und den Laienbühnen werden dadurch durchlässiger.

Denn auf der andern Seite mussten sich die Laienbühnen laufend professionalisieren, um den durch die neuen Medien gestiegenen Ansprüchen des Publikums gerecht zu werden. Den Trend zur Professionalisierung bestätigte für das Le Théâtre dessen Leiter Andréas Härry vor vier Wochen im APERO: «Wären wir noch heute auf dem Niveau wie vor 16 Jahren, ich würde es nicht wagen aufzutreten.» Und derselbe Trend prägte auch die Entwicklung der Operetten in Sursee und Arth.

Zwischen Satire und Oper

Sie begann vor Jahren hier wie dort mit dem verstärkten Beizug von Berufsmusikern in den Orchestern, deren akustischer Live-Sound einen Trumpf der Operettenbühnen darstellt. Viel wird den Orchestern auch in den Produktionen abverlangt, deren Premieren jetzt anstehen. Sie zeigen mit ganz unterschiedlichen Werken, wie breit das Spektrum ist, für das der Begriff Operette landläufig steht.

In Sursee erklingt mit Franz Lehárs «Der Graf von Luxemburg» ein Werk aus der zweiten Blütezeit der Wiener Operette, das den Hang zur Oper und Lehárs Bewunderung für Puccini verrät. In Arth wird Jacques Offenbachs «Orpheus in der Unterwelt» gespielt, dessen schlankes Klangbild viel Wendigkeit und Feinschliff verlangt und im Dienst gesellschaftlicher Satire steht. Dass das eingängige Melodien keineswegs ausschliesst, beweist der «Cancan», der Gelegenheit für jenen Hauch von Erotik gibt, der auf Operetten- oder Musicalbühnen mit dazugehört.

Niveau und Charakter

Die hohen Ansprüche an die Orchester lösen die beiden Häuser auch mit einer kompetenten musikalischen Leitung ein. In Arth führt den Dirigentenstab seit 2014 Beat Blättler, der erste Solofagottist des Luzerner Sinfonieorchesters. Die musikalische und künstlerische Gesamtleitung in Sursee hat Isabelle Ruf, die namentlich als Blasmusik-Dirigentin mehrfach Auszeichnungen gewonnen hat.

Für das Publikum auffälliger dürfte die Professionalisierung auf der Bühne sein. Hier führt sie nicht nur zu einem höheren Niveau, sondern verändert den Charakter der ehemaligen Laienbühnen. Zu deren Charme gehörte, dass man Bekannten aus dem Dorf in ganz anderen Rollen begegnen konnte. Heute agieren auf der Bühne fast ausnahmslos professionelle Sänger, die häufig ihre Ausbildung zuerst an der Musikhochschule Luzern erhielten und anschliessend auf internationalen Bühnen Erfahrungen machten.

Sänger mit Topreferenzen

Das gilt auch für die weibliche Hauptrolle in der aktuellen Surseer Produktion. Angèle Didier, die sich zwischen einem alternden «Heiratsgrafen» und dem sich als Bohemien durchschlagenden Grafen von Luxemburg entscheiden muss, ist eine Paraderolle für Andrea Hofstetter: Die Sopranistin studierte Gesang in Luzern, machte ihr Konzertdiplom in Mailand und ist als gefragte Solistin auf zahlreichen Bühnen der Schweiz unterwegs. Noch eindrücklicher liest sich die Künstlerbiografie des Tenors Christoph Waltle, der den Grafen von Luxemburg gibt. Er war nach seinem Gesangsstudium in Freiburg Ensemblemitglied am dortigen Theater und arbeitete mit Regisseuren wie Peter Konwitschny oder Calixto Bieito zusammen.

Die Besetzung der Hauptrollen in Offenbachs «Orpheus in der Unterwelt» in Arth dagegen zeigt, wie man solche Professionalisierung auch mit einer regionalen Verankerung verbinden kann. So sind Orpheus und Eurydike im Stück zwar ein Ehepaar in der Krise, das sich gegenseitig betrügt und nur noch von der öffentlichen Meinung zusammengehalten wird. Der Tenor Simon Witzig und die Sopranistin Sara Hugelshofer, beides Konzert- und Opernsänger mit vielfältiger Bühnenerfahrung, aber sind der Operette Arth treu und treten hier seit vielen Jahren auf. Mit Jonathan Prelicz (als Pluto) und Andreas Büchler (als Jupiter) wirken zudem junge Sänger aus Arth und Luzern mit.

Geändert hat sich auch der Rahmen, in dem sie alle mitsamt Chor und Ballettgruppen nicht nur vor gemalten Prospekten, sondern in aufwendigen Bühnenbildern auftreten. Beide Häuser vollzogen einen Wechsel weg von Schwank und Klamotte hin zu einem entstaubten Komödienstil. Für mehr Tempo sorgt in Sursee in «Der Graf von Luxemburg» die sechste Inszenierung des Musical-Darstellers und Regisseurs Björn B. Bugiel, der aber für die Karnevalsparade durch Paris auch ein Kostümspektakel verspricht, das mit den «Hollywood-Filmen aus den Fünfzigerjahren» vergleichbar sei. In Arth hat die Choreografin Elja-Duša Kedveš die behutsame Erneuerung durch den bekannten Theatermann Jean Grädel in den letzten Jahren als Assistentin begleitet und führt sie jetzt als Regisseurin weiter.

Operettenurgesteine

Die Regie sorgt aber hier wie dort dafür, dass ein Trumpf der Operettentradition erhalten bleibt: mit eigenen Textfassungen, die Gelegenheit geben, lokale Begebenheiten aufs Korn zu nehmen. Zudem stehen in Sursee wie in Arth noch einzelne Laiendarsteller auf der Bühne, die zeigen, wie zeitlos Operettenurgesteine sein können. Marius Meier wirkt als Hans Styx bei der Götterparty um «Orpheus in der Unterwelt» mit. Andreas Fitze, der bei der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern arbeitet, dürfte aus seiner Nebenrolle im Intrigenspiel um den Grafen von Luxemburg wiederum eine komödiantische Glanzrolle machen.

Urs Mattenberger

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