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LANDSCHAFTSTHEATER: Eine Frau trotzt der Männerdominanz

Mit Veronika Gut steht auf dem Ballenberg eine rebellische und tragische Frauengestalt der Nidwaldner Geschichte im Mittelpunkt. Die in Stans geborene Schauspielerin Karin Wirthner konnte sich gut in diese Figur hineinfühlen.
Romano Cuonz
Die Nidwaldnerin Karin Wirthner in der Titelrolle als Veronika Gut auf dem Ballenberg. (Bild: Romano Cuonz (30. Juni 2017))

Die Nidwaldnerin Karin Wirthner in der Titelrolle als Veronika Gut auf dem Ballenberg. (Bild: Romano Cuonz (30. Juni 2017))

Romano Cuonz

kultur@luzernerzeitung.ch

Als Kulisse das Schweizer Freilichtmuseums Ballenberg, wo morgen Premiere ist: Vor einem alten Holzhaus mit schweren, dunklen Balken steht eine Frau und lädt Körbe auf eine Karre: Schauspielerin Karin Wirthner in der Rolle der Veronika Gut.

Ihr Gewand ist dunkel. Auf dem Haupt trägt sie die schwarze Büsserhaube. Tut es mit derart offensichtlichem Trotz, dass sich bald die ganze Regierung provoziert fühlt. Ihr Gehabe zeigt unbeugsamen Willen, und ihre Augen verraten den Stolz einer Frau, die sich trotz Demütigungen in dieser von Männern dominierten Welt nicht unterkriegen lässt.

Rund ums düstere Veronika-Gut-Haus erheben sich Riegelhäuser mit freundlicher Ausstrahlung. «Dieser Gegensatz ist für mich wie ein Sinnbild für das Schicksal der herausragenden Frau, die ich im Landschaftstheater spielen darf», sagt die in Stans aufgewachsene und heute in Bern lebende Karin Wirthner. «Ich war fest entschlossen, die geschichtliche Figur kennen zu lernen, mich ihr Schritt für Schritt zu nähern.»

Vergessen oder totgeschwiegen?

Karin Wirthner ist 44-jährig. «Genau gleich alt wie Veronika Gut zu jener Zeit, in der Autor Andreas Berger das Theaterstück spielen lässt», sagt sie. Während ihrer ganzen Schulzeit in Stans habe sie nicht ein einziges Wort über Veronika Gut gehört. Ob man sie vergessen hatte? Oder gar bewusst totschweigen wollte? Weil doch so eine Frau Männern peinlich ist?

Im Geschichtsunterricht hätten nur Helden wie Winkelried ihren Platz gehabt. Als Jugendliche sei sie in Stans einem Strassenschild mit der Aufschrift «Veronika-Gut-Weg» begegnet, erzählt Karin Wirthner. Als sie ihre Mutter Marlene Wirthner – auch sie eine bekannte Schauspielerin – einmal darauf ansprach, zeichnete diese ihr eine eindrückliche Szene: wie Veronika Gut, eine kräftige Bauernfrau, in der Tellenmatt zwei durchgebrannte Stiere von blosser Hand bändigte. «Das blieb dann bis heute mein wichtigstes Bild von Veronika Gut.»

Nach der Sekundarschule bildete Karin Wirthner sich zur Kindergärtnerin aus. Später trat sie in Bern in die Schauspielschule ein. «Meine Eltern haben meinen sehnlichen Wunsch, auf der Bühne zu stehen, weder bekämpft, noch hätten sie mich je dazu gedrängt», stellt die Nidwaldnerin dankbar fest. Heute arbeitet sie als freie Schauspielerin. Führt in Bern, zusammen mit ihrem Lebenspartner Frank Demenga, das berühmte Berner Puppentheater.

Drama um ein bitteres Schicksal

«Als wir unter Regisseurin Marlise Fischer auf dem Ballenberg mit den Proben begannen, stellte ich die Frau zunächst in aller Härte dar», erinnert sich Karin Wirth­ner: als Wortführerin der konservativen «Vaterländer», die mit viel Geld und grossem Einfluss den sinnlosen Widerstand gegen die Franzosen und ihre verhasste neue Ordnung befeuert. Als herrschsüchtige, reiche Bauernfrau, die ihre sieben Kinder opfert. Als Mannweib eben mit miesen Charakterzügen. Doch dies habe ihr nicht genügt: «Immer mehr war es unser Anliegen, auch nach Gründen zu suchen, warum sie so werden konnte.»

Die Theatertruppe zeigt es: in eindrücklich dichtem Spiel unter freiem Himmel. Veronika hat 1798 ihren 17-jährigen Sohn in den sinnlosen Kampf gegen die Franzosen geschickt. Und verloren. Den Überfall am Allweg erlebte sie mit. Musste mit eigenen Augen sehen, wie Sieger brandschatzten und Frauen vergewaltigten. Als Veronika auf der Flucht vor einem vermeintlichen weiteren Angriff der Franzosen die Engelbergeraa überqueren will, bricht der Steg ein. Dabei verliert sie vier Töchter.

Aus der Verbitterung entstehen berührende Seiten

«Dieser vom Krieg traumatisierten Frau versuche ich mit meinem Spiel gerecht zu werden», sagt Karin Wirthner. «Wenn man die Figur auf dieser Grundverbitterung aufbaut, bekommt sie durchaus auch ihre weichen, ja rührenden Seiten.» Bei einer Liebesszene mit ihrem zweiten Mann Melchior Odermatt etwa. Ganz besonders aber am Schluss des Stückes, wenn Veronika Gut ohne ihre vier Mädchen nach Stans zurückkehrt. Mit einer Puppe nur. Eine gebrochene Frau. Bodenlos traurig. «Tragik gehört zum Leben. Deshalb lassen sich auch heutige Zuschauer immer wieder gerne von solchen Emotionen berühren.»

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