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Klub der jungen Dichter:
Der Gewinnschein

Laurin Waldisberg aus Dagmersellen erzählt im "Klub der jungen Dichter", wie ein Gewinnschein zu einer moralischen Herausforderung wird.
Laurin Waldisberg

Nachts um halb vier schreckte ich hoch. Und mir wurde klar, dass ich tief im Schlamassel steckte. Mir wurde wieder alles bewusst, ich musste anfang Woche den Gewinnschein meines Freundes zum Kiosk bringen. Das hatte ich auch getan, doch als ich den Schein abgeben wollte, merkte ich, dass die Adresse fehlte, und schrieb schnell meine hin. Heute am späteren Nachmittag wurde mir ein Eilbrief abgegeben, er war an mich adressiert. Hastig öffnete ich ihn und begann zu lesen:

Laurin Waldisberg, Dagmersellen, 6. Primar

Laurin Waldisberg, Dagmersellen, 6. Primar

«Lieber Gewinner des Hauptpreises, wir möchten Ihnen einen herzlichen Glückwunsch verkünden. Sie haben 1000 Franken gewonnen. Erfüllen Sie sich mit dem Geld einen Wunsch.»

Ich erfüllte mir dann auch einen Wunsch, ich kaufte mir ein neues Fahrrad. Und jetzt, wie sollte ich das meinem Freund erklären? Eigentlich war es ja sein Gewinn.

Ich werde ihm einfach sagen, mein Vater habe mir ein neues Fahrrad gekauft, dann wird er es schon nicht merken. Er wird auch von mir denken, dass ich ein schrecklicher Freund bin. Doch dann war ich zu müde, um weiter nachzudenken, und legte mich wieder hin. Ich fiel in einen unruhigen Schlaf und begann zu träumen.Ich träumte, wie mein Freund mit wutverzerrtem Gesicht auf meinem neuen Fahrrad sass und auf mich losfuhr, auf einmal gab es ihn zwei, drei, viermal. Plötzlich wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Ich war noch nie so froh, als mein Wecker klingelte. Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg zur Schule, doch heute liess ich mein Fahrrad im Schuppen stehen und ging zu Fuss.

Als ich in der Schule angekommen war, sah ich meinen Freund. Ich lief zu ihm hin und sagte ihm bedrückt: «Am Montag musste ich ja deinen Gewinnschein abgeben. Das tat ich auch, doch dann merkte ich noch in der letzten Sekunde, dass die Adresse fehlte, und schrieb meine schnell hin. Am nächsten Tag bekam ich einen Eilbrief, und als ich ihn öffnete, las ich, dass du gewonnen hattest. Eigentlich musste ich den Brief zu dir bringen, doch das tat ich nicht und kaufte mir ein neues Fahrrad. Es tut mir so leid, ich weiss, dass ich ein schrecklicher Freund bin.» Lange starrte mich mein Freund nur an, mein Herz pochte ganz schnell. Plötzlich fing er an zu lachen und kicherte: «Ich wollte dir sowieso ein neues Fahrrad kaufen, wenn ich gewonnen hätte, doch das hast du jetzt schon selbst gemacht. Endlich musst du nicht mehr mit deinem Drahtesel in die Schule kommen, sondern mit einem modernen Fahrrad. Jetzt habe ich einen coolen Freund mit einem coolen Fahrrad!»

Da fiel mir ein Riesenstein vom Herzen, ich war so froh, dass ich einen so tollen Freund hatte!

Entscheidet mit, welche Geschichte den Spezialpreis gewinnt

Nicht weniger als 5123 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2018 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Feuer und Flamme» sowie ein Textanfang. Wir publizieren die Texte in der Print- sowie in der Onlineausgabe unserer Zeitung. Neu ist, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, mitvoten können. Wir vergeben nämlich einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat euch also ein Text gefallen, könnt ihr ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen.

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