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«Lean On Pete» von Andrew Haigh startet im Stattkino Luzern

Regisseur Andrew Haigh überrascht nach seinem mehrfach preisgekrönten Beziehungsdrama «45 Years» mit einer berührenden Coming-of-Age-Geschichte.
Interview: Andreas Stock
Charlie Plummer als Charley in «Lean On Pete» von Andrew Haigh (Bild: Filmcoopi).

Charlie Plummer als Charley in «Lean On Pete» von Andrew Haigh (Bild: Filmcoopi).

Der Brite Andrew Haigh realisierte seinen neuen Kinofilm im Westen der USA; er verfilmte den autobiografisch gefärbten Roman von Willy Vlautin. «Lean on Pete» ist die Geschichte des 15-jährigen Charley, der sich auf die Suche nach Geborgenheit und einem Zuhause macht – und Selbstgespräche mit einem Rennpferd führt. Erzählt ist das fern jeglicher Sentimentalität und ­Klischees, die man von einer ­Geschichte eines Jugendlichen und eines Pferdes erwarten könnte. Wir haben uns mit dem Regisseur über sein Jugenddrama bei seinem Besuch am Zurich Film Festival unterhalten.

Andrew Haigh, Ihr Film hat mich zu Tränen gerührt.

Oh, das tut mit leid.

Das muss es natürlich nicht. Das ist es ja, was gutes Kino ausmacht, dass es einen berührt und involviert. «Lean on Pete» gelingt das auf wunderbare Weise.

Das freut mich, danke.

Nach dem Beziehungsdrama «45 Years» und der TV-Serie «Looking» über eine Gruppe homosexueller Freunde in San Francisco ist es ein ­komplett anderes Thema. Wonach suchen Sie bei einem neuen Projekt?

Nun, nicht primär nach einem komplett anderen Thema. Ich möchte mich zwar nicht wiederholen. Aber so unterschiedlich die drei erwähnten Filme sind, sie haben doch gewisse Gemeinsamkeiten.

Was verbindet diese Filme?

Es geht um Menschen, die sich in einem bestimmten Moment ihres Lebens allein gelassen oder einsam fühlen. Sie versuchen einen Weg zu finden, wie es weiter­gehen kann. In «Lean on Pete» ist es ein 15-Jähriger, der mit einem Pferd auf der Suche nach einem Zuhause ist.

Was war die grösste Herausforderung bei der Adaption?

Wie bei Romanadaptionen üblich galt es, die Geschichte zu raffen, auf Dinge zu verzichten. Das fällt nicht immer leicht. Der Film hat nun zwei Teile: die Zeit, die Charlie auf der Pferderennbahn verbringt, und die Zeit seiner Reise mit dem Pferd. Mir war es wichtig, dass es nicht ein Film über ­einen Bub und sein Pferd wird, sondern ein Film über einen Bub.

Sie umschiffen souverän die Klischees, die oft in Geschichten von Kindern mit Tieren stecken, obwohl Sie Charlie zum Pferd reden lassen.

Ich weiss, das gefällt nicht allen. Aber für mich ergibt das Sinn. Charlie hat niemanden zum ­Reden. Er spaziert allein mit einem Pferd durch diese einsame, karge Landschaft. Andere führen Selbstgespräche, er erzählt seine Geschichte und seine Gefühle einem Pferd.

Wie haben Sie sich den ­Menschen im Westen der USA angenähert?

Ich bin vier Monate lang von Portland, wo die Geschichte beginnt, durch den Westen gereist. Ich habe sozusagen die Reise von Charlie unternommen. Mir ist aufgefallen, wie verschieden diese Staaten sind, sie haben einen unterschiedlichen Charakter.

Sie blenden die soziale Misere nicht aus. Es gelingt Ihnen, das Lebensumfeld und das alltägliche Leben in wenigen Szenen zu skizzieren.

Mir ist das wichtig, weil dieses Umfeld die Menschen prägt. Wenn man glaubwürdige Charaktere zeichnen will, muss man versuchen, deren Lebensrealität authentisch darzustellen.

Trotz der weiten, offenen Landschaft haben Sie sich nicht für ein breites Bildformat entschieden. Sie betonen nun eher den hohen Himmel.

Ich mag diese breiten Bilder nicht besonders. Ich habe dabei immer den Eindruck, die Figuren würden einem darin entgleiten. Ich drehe viel lieber mit Brennweiten, bei denen ich den Protagonisten näher sein kann.

Diese Nähe erreichen Sie auch mit einem beeindruckenden Hauptdarsteller. Wie haben Sie Charlie Plummer gefunden?

Ja, das war wirklich wunderbar. Viele junge Schauspieler in seinem Alter spielen Emotionen vor, von denen sie glauben, dass man sie so spielen muss. Charlie tut das nicht. Mich erinnert seine Art des Spiels sehr stark an Charlotte Rampling.

Nun ist Charlotte Rampling eine sehr erfahrene Schauspielerin und Charlie Plummer gerade mal 18 Jahre alt.

Ja, aber wie Charlotte hat er eine sehr intuitive, emotionale Bindung zu seiner Figur. Er überraschte mich manchmal wirklich damit, was er tat, wie das auch Charlotte kann.

Sie hatten allerdings auch noch Pferde, die geführt werden müssen?

Ich hatte mir das schwieriger vorgestellt. Wir hatten sehr gute Tiertrainer. Am schwierigsten war eher der technische Aspekt. Dass die Pferde so gross sind, oder dass man sie beispielsweise nur auf einer Seite am Zügel ­nehmen kann. Das war dann manchmal nicht die Seite, die ich filmen wollte.

«Lean On Pete» läuft ab Donnerstag, 31. Mai, im Stattkino (Luzern).

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