Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Klub der jungen Dichter:
Eine feurige Reise

Leandra Kulli aus Wolhusen erzählt im "Klub der jungen Dichter" von einer Reise, wo Schönheit und Furcht eng beieinanderliegen.
Leandra Kulli

Meine Augen brannten. Buchstäblich. Was jetzt? Ich konnte nicht schreien und kaum atmen. Ich sah Rot und Orange und Gelb. Doch irgendwie war das Gefühl beruhigend.

Leandra Kulli, Wolhusen, 2. Sek.

Leandra Kulli, Wolhusen, 2. Sek.

Ich muss wohl das Bewusstsein verloren haben. Ich weiss nur noch, dass ich meine brennenden Augen öffnete und Rot sah, feuerrotes Gras. Ich lag auf dem Boden. Mühsam richtete ich mich auf. Ein glühender Schmerz durchzuckte meinen Kopf. Vorsichtig schaute ich mich um. Doch wo war ich? Vor mir lag ein weites, in feuriger Schönheit bewachsenes Tal mit einem orangen Fluss, feuerroten Wiesen und purpurfarbenen Wäldern, eine Welt, die aussah wie Feuer, wunderschön. Langsam stand ich auf und versuchte zu gehen. Ich war ganz steif, doch ich lief weiter, und es ging mir mit jedem Schritt besser. Ich musste ziemlich lange in dieser flammend schönen Welt umhergelaufen sein und mich selber vergessen haben, denn der glühende Schmerz war weg. Lag es an dieser goldgelb schimmernden Luft? War ich das einzige Wesen hier, oder gibt es noch andere? Wie komme ich wieder nach Hause? Eine Stunde verging, zwei, drei? Ich hatte kein Zeitgefühl.

Irgendwann war ich am Fluss. Ich hatte kaum löschbaren Durst. Konnte man wohl von diesem wunderschön feurigorange fliessenden Bach trinken? Er sah aus wie fliessendes Feuer, tönte aber nach einem Bach. Die Versuchung war gross, also machte ich es. Das Wasser war herrlich kalt und klar, das beste Wasser, das ich je getrunken hatte. Plötzlich ziepte etwas an meinem Haar. Ich schaute mich um, und da züngelte ein kleiner feuerroter Fischschwanz aus dem Wasser. Am Fischschwanz ... ein Menschenkörper mit einem winzigen feuerroten Bikinioberteil. Eine Nixe, nicht grösser als mein Daumen. In mir drin spürte ich, dass ich ihr vertrauen konnte. Also flüsterte ich ihr zu: «Wie komme ich wieder nach Hause?» Die Nixe klingelte mit ihrem feinen Stimmchen: «Geh zum Ende des Tals. Dort hausen die Phönixe. Sie wissen alles.» Mit diesen Worten verschwand die Nixe.

Von oben sah alles so schön und harmlos aus. Doch als ich am Ende des Tales stand, fühlte es sich an wie die Hölle. Ich schwitzte. Doch ich wusste: Wenn ich jemals wieder nach Hause kommen wollte, dann musste ich weitergehen. Denn dort hinten auf dem roten Baum sassen sie: Die Phönixe, ihr Gefieder in dem feurigsten Orange, waren wunderschön. Ich war sofort Feuer und Flamme für diese Schönheiten. Einer flog auf mich zu. Als er mit seinem Flügel ganz sachte meine Stirn berührte, fühlte ich Wärme und Geborgenheit. Ganz leise sprach ich: «Wie komme ich wieder nach Hause?» Der Phönix drehte sich um und flog von mir weg. Was hatte ich falsch gemacht?

Doch dann hielt er an. Plötzlich verstand ich. Ich sollte mitkommen. Der Phönix führte mich zu einem grossen Feuer inmitten von sieben kohlrabenschwarzen Steinen. Es züngelte, fiel in sich zusammen, loderte wieder auf. Faszinierend, wie sich das Feuer bewegte. Ich erschrak fürchterlich, als es direkt auf mich zukam. Urplötzlich hielt es aber an und berührte mich ganz sanft an der Stirn. Ich spürte dieselbe Wärme und Geborgenheit, die mir der Phönix mit seiner Berührung auch verliehen hatte. Dann veränderte sich das Feuer. Ich sah mein weisses Zimmer wie in einem Spiegel mit all meinen braunen Möbeln und dem grauen Bett. So schön es hier auch war, ich wollte wieder nach Hause. Wieder schoss das Feuer direkt auf mich zu, hielt aber nicht an und verschluckte mich. Ich konnte nicht einmal schreien, es ging so schnell. Dann fand ich mich sitzend auf meinem Bett wieder, als wäre nichts geschehen. Doch ich spürte ganz tief in mir drin noch diese kleine wärmende Flamme und wusste, dass dieser Tag nicht der einzige war ...

Entscheidet mit, welche Geschichte den Spezialpreis gewinnt

Nicht weniger als 5123 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2018 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Feuer und Flamme» sowie ein Textanfang. Wir publizieren die Texte in der Print- sowie in der Onlineausgabe unserer Zeitung. Neu ist, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, mitvoten können. Wir vergeben nämlich einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat euch also ein Text gefallen, könnt ihr ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.