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Klub der jungen Dichter:
Bampo

Leandra Steinmann aus Ettiswil erzählt im "Klub der jungen Dichter", was ein Waisenkind mit einem ganz besonderen Freund erlebt.
Leandra Steinmann
Illustration: Tiemo Wydler.

Illustration: Tiemo Wydler.

Licht drang unter der Tür hervor und erhellte das stille Zimmer. Der Bewegungsmelder auf dem Flur war daran schuld. Doch es störte sie nicht, im Gegenteil: Sie freute sich darüber. Das bedeutete, dass gerade jemand die Flure hinablief, und wenn sie Glück hätte, würde er gleich das Zimmer betreten. Sie krabbelte aus dem kleinen Bett und tapste mit nackten Füssen zur Tür hinüber. Dann spähte sie durch das Schlüsselloch hindurch. Sie sah bloss einen kleinen Schatten, der auf ihre Türe zuschritt.

Leandra Steinmann, Ettiwil, 9. Klasse ISS.

Leandra Steinmann, Ettiwil, 9. Klasse ISS.

Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Das war er. Langsam drückte sie die Türklinke hinunter und öffnete sie dann vorsichtig einen Spaltbreit. Das schrille Knarzen der Tür liess den kleinen Schatten zusammenzucken. «Erschreck mich doch nicht so, Lia», flüsterte er. Jetzt erkannte man ihn auch endlich: Vor ihr stand ein wuseliges grünes Wesen, das an ein Kuscheltierchen erinnerte. Er hatte riesige Kulleraugen, was Lia unglaublich süss fand. Das hörte der Kleine aber überhaupt nicht gerne. «Hallo Bampo», begrüsste sie ihn leise. Dann schlang sie die Arme um ihn und zog Bampo an sich. Widerwillig liess er die Umarmung über sich ergehen.

Als Lia ihn losliess, grinste er sie mit seinen kleinen spitzen Zähnchen an. «Willst du eine Geschichte hören?», fragte Bampo sie. Nickend griff das Mädchen nach seiner Hand und zog ihn ins Zimmer hinein. Sie stellte sich auf Zehenspitzen und schloss die Tür wieder vorsichtig. Gemeinsam schlichen sie zu ihrem Bett und kletterten unter ihre Bettdecke. Bampo griff in seinen Bauchbeutel und holte eine Taschenlampe hervor. Lia hatte ihn einmal gefragt, ob er vielleicht ein Känguru wäre. Er hatte sie mit zusammengekniffenen Augenbrauen angesehen und gesagt, er wäre ein Bampo.

Seitdem hatte Lia aufgehört, sich zu fragen, was Bampo war. Bampo war eben einfach Bampo. Mit der Taschenlampe in seiner Hand leuchtete er sie an. «Willst du die Geschichte hören, als ich auf dem Mond war oder die Geschichte, als ich die Indianer besucht habe?», fragte er sie. Lia runzelte die Stirn und dachte einen Moment darüber nach. «Die mit dem Mond», entschied sie dann. Bampo begann zu erzählen, von seiner selbst gebastelten Rakete und der Startrampe. Er erzählte ihr, wie die Sterne ihm den Weg gewunken hatten und wie er Hilfe von den Marsmenschlein benötigt hatte, als ein Fenster seiner Rakete kaputt gegangen war.

«Kann ich das nächste Mal mitkommen?», fragte Lia ihn am Ende seiner Erzählung und strich sich die braunen Locken aus dem Gesicht. «Ich will auch die Marsmenschlein kennen lernen.» Bampo grinste sie an. «Nächstes Mal fliegen wir aber zu einem anderen Planeten. Von mir aus darfst du auch wählen, auf welchen», meinte er. Lia legte den Kopf schief. «Ich will auf einen pinkfarbenen Planeten fliegen», entschied sie dann. Bampo liess sich nach hinten fallen und seufzte grimmig. «Wieso willst du alles immer pink haben? Wieso nicht grün?», fragte er sie. Lia kicherte. «Manchmal wünsche ich mir sogar, dass du pink bist und nicht grün», gab sie zu.

Bampo setzte sich wieder auf und sah sie mit zusammengekniffenen Augenbrauen an. «Das darf niemals passieren», meinte er dann. Sie kicherte wieder. Bampo lächelte sie an und zeigte seine spitzen Zähnchen. «Ich muss jetzt wieder los, Lia. Aber ich werde bald wieder herkommen», meinte er.

Lias Schultern sackten nach unten. «Okay, versprochen?», fragte sie. «Versprochen», kam es von Bampo zurück. Dann schaltete er die Taschenlampe aus und versorgte sie wieder in seinem Bauchbeutel. Er krabbelte unter der Bettdecke hervor und schlurfte zur Tür.

Vor der Tür drehte er sich nochmals zu Lia um. «Denk immer daran, wir sind beste Freunde», meinte das kleine Wesen dann. Lia nickte eifrig mit dem Kopf. «Beste Freunde, die Feuer und Flamme füreinander sind», erwiderte sie und grinste ihn breit an. Er winkte ihr nickend ein letztes Mal zu, bevor er durch die Tür wieder verschwand. Bampo war ihr bester Freund im Waisenhaus, auch wenn er immer nur nachts vorbeikam. Bampo war eben Bampo.

Entscheidet mit, welche Geschichte den Spezialpreis gewinnt

Nicht weniger als 5123 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2018 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Feuer und Flamme» sowie ein Textanfang. Wir publizieren die Texte in der Print- sowie in der Onlineausgabe unserer Zeitung. Neu ist, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, mitvoten können. Wir vergeben nämlich einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat euch also ein Text gefallen, könnt ihr ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen.

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