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Zaubersee-Festival: Ende mit tödlicher Leidenschaft und einem Publikumsrekord

Das Festival für russische Kammermusik bot ein Niveau, das kaum noch übertreffen ist. Entsprechend begehrt waren die Karten. Der letzte Abend ging noch einen Schritt weiter – mit zwei Ballettstars.
Roman Kühne
Romeo trauert um Julia, bevor auch er aus dem Leben scheidet. Ein ergreifender Schluss des Zaubersee-Festivals. Bild: Ingo Höhn (3. Juni 2018)

Romeo trauert um Julia, bevor auch er aus dem Leben scheidet. Ein ergreifender Schluss des Zaubersee-Festivals. Bild: Ingo Höhn (3. Juni 2018)

Am Schluss liegen die Leiber übereinander. Vom Messer zerstochen, hinweggerafft durch das Gift. Es ist ein symbolisches Bild, das die beiden Körper zeichnen. Romeo und Julia stehen für Tage der Leidenschaft. Eine Energie, die an diesem wunderbaren Sonntagabend zu einem abrupten Ende findet.

Es ist das letzte von den acht Konzerten des Zaubersee-Festivals, dieses Kleinods im Taumel der russischen Kammermusik. Und auch dieser Abend im eleganten Zeugheersaal des Hotels Schweizerhof in Luzern bietet Spezielles. Es beginnt mit der Sitzordnung. Im Kreis sind die Zuschauer angeordnet. In der Mitte ragen die beiden Konzertflügel auf. Musikalisch gibt es auch wieder einiges zu entdecken. So die erste «Suite für zwei Klaviere» von Anton Arenski.

Technische Kniffe, neckisches Miteinander

Es ist eine beschwingt tänzelnde Komposition, die sich am Schluss in wuchtige Höhen schraubt. Fröhlich und eher untypisch für diese dramatische Woche, ja die russische Kammermusik im Allgemeinen. Am Flügel spielt der Artist in Residence, Behzod Abduraimov, sein drittes Konzert in vier Tagen. Ihm zur Seite steht Stanislav Ioudenitch. Auch wenn sein Anschlag etwas härter klingt, entwickeln die beiden Pianisten vor allem im herausragenden Walzer ein inniges Miteinander. Ein neckisches Paar, das sich immer sprudelnder durch die Säle tanzt. Klar intonieren die beiden die technischen Verrenkungen, im sensiblen Dialog vereint.

Die anschliessende erste «Suite für zwei Klaviere» von Sergei Rachmaninoff wird zum Rausch. Herrlich ist der Anfang, lebhaft und nuancenreich. Bunte Murmeln, die sich wie zufällig zu immer neuen Bildern formen. Eindringlich tropft in «Les Larmes» das Augenwasser. Es sind die herausragenden Momente im Stück, wenn die zwei Solisten die Farben sprechen lassen, die komplexen Akkorde intim ineinander zahnen. In den lauten Explosionen hingegen donnern sie die Akkordhaufen teils mit etwas gar viel Pedaleinsatz durch den Saal.

Nach der Pause dann ein Highlight dieser Woche. Behzod Abduraimov interpretiert Musik über «Romeo und Julia» (op. 75 und 64) von Sergei Prokofjew. Noch einmal überzeugt er mit seinem sensiblen Anschlag, seiner klaren Artikulation und einem breiten Spektrum an Stimmungen und Emotionen.

Dazu tanzen Matthew Golding und Natalia Matsak. Die Leidenschaft der beiden Solisten aus dem Royal Ballet in London respektive des ukrainischen Opernhauses in Kiew ist greifbar. Noch ein letztes Mal entfaltet die Nähe zwischen Künstlern und Publikum ihre Kraft. Man hört den Atem, der Schweiss perlt auf der Stirn. Unmittelbar ist die Vereinigung zwischen der Musik und den Bewegungen und Sprüngen der beiden Tänzer. Inmitten des Publikums entfalten sie ihre anziehende Interpretation von Liebe, Leidenschaft, Verlust und Tod. Krönender Abschluss einer reichen Woche.

Grossartige Bilanz für siebte Austragung

Eigentlich hat das «verflixte siebte Jahr» einen schlechten Ruf. Anders beim Zaubersee-Festival. Es lief so gut, wie noch nie. «Der Publikumsaufmarsch erreichte einen Rekord», bilanziert Pierre Peyer, Präsident des Trägervereins des Luzerner Sinfonieorchesters. «Wir sind internationaler geworden und konnten Gäste aus über 10 Ländern begrüssen.»

Auch der künstlerische Direktor und Gründer des Festivals Numa Bischof Ullmann zeigt sich hochzufrieden: «Wir hatten eine Auslastung von 90 Prozent. Dies ist sensationell.» Die acht Konzerte dieses Kammermusikfestivals für russische Musik verzeichneten über 3 000 Eintritte.

Bei der Qualität ist wohl – im positiven Sinne – eine Spitze erreicht. Denn einerseits waren da die spezialisierten hochkarätigen Ensembles wie das Quatuor Danel und das Gringolts Quartett. Andererseits waren in den diversen Kleinformationen Künstler zu hören, die man sonst eher solistisch bei grossen Orchestern sieht. Nur schon mit der Qualität der Cellisten (Mischa Maisky, Truls Mørk und Christian Poltéra) liesse sich problemlos ein eigenes Festival füllen. Aber auch Behzod Abduraimov (Klavier), Ilya Gringolts (Violine) oder Opernsängerin Ekaterina Semenchuk sind herausragende Exponenten auf ihren Gebieten. Im Zusammenspiel entwickelten sich dann teils magische Momente.

Ein letztes wichtiges Moment ist sicherlich die Fokussierung auf russische Kammermusik, auf ein anregendes Programm, das so andernorts nicht zu hören ist. Es sei die Prognose gewagt, dass am Zaubersee 2019 die Zuschauerzahlen sich noch näher an die 100 Prozent bewegen.

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