Festival «Szenenwechsel»: Leidenschaft mit ruhigem Flow

Freiheit und Passion gehen gut zusammen: Im KKL wurde zum Start von «Szenenwechse»l Flamenco mit jazzigen Phrasierungen verknüpft.

Pirmin Bossart
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Perico Sambeat (rechts) mit der Big Band Hochschule Luzern im KKL. Links Saxofonistin Mirjam Scherrer.

Perico Sambeat (rechts) mit der Big Band Hochschule Luzern im KKL. Links Saxofonistin Mirjam Scherrer.

Bild: Eveline Beerkircher (26. Januar 2020)

Ohne das Festivalmotto «Stille» zu strapazieren, gelang dem «Flamenco Big Band»-Projekt ein einladender und eleganter Auftakt für «Szenenwechsel», dem Festival der Hochschule Luzern-Musik. Die Leidenschaft des Flamenco brannte sparsam und wohlproportioniert, und auch der Jazz Anteil überschritt nie die Grenzen, wo es abenteuerlich wird. Zusammen ergab das ein Konzert für einen frühen Sonntagabend, wie es anregend und bekömmlich nicht besser gepasst hätte.

Dieses Jahr wurde der spanische Saxofonist und Komponist Perico Sambeat von Szenenwechsel eingeladen, mit der Big Band der Hochschule ein Projekt zu realisieren. Sambeat, der als Jazzmusiker in den letzten Jahren den Flamenco entdeckt hat, kombinierte verschiedene Spielarten des Flamenco mit dem Vokabular des Jazz. Der ruhige Flow vieler Kompositionen überraschte. Er unterlief die herkömmlichen Klischees über die feurigen Leidenschaften dieser Musik und glättete auch den von Haus aus experimentierfreudigen Jazzanteil.

Schlichtheit gab den Puls des Abends vor

Avantgardistische Klang-Kombinationen fehlten ebenso wie die schmissigen Exaltiertheiten einer Big Band. Dieses «Flamenco Big Band»-Projekt stellte andere Qualitäten in den Vordergrund. Die Big Band übernahm mehr die Rolle eines Orchesters, das mit den gut besetzten Bläsersätzen und der Rhythmus-Band mit Piano (Jakob Reitinger), Gitarre (Fabian Rügge), Kontrabass (Franceso Lasavio) und Schlagzeug (Hannes Junker) zusätzlich eine Flamenco-Section mit Gitarre (Vicente Cortés), Gesang (Esrin Sossai) und Cajón (Marc Halbheer) integrierte. Und die Tänzerin Isabel Amaya.

Der Einstieg war eine «Martinete», die mit Cajón und Stimme ganz natürlich aus der Stille aufstieg und mit ihrer Schlichtheit den Puls des Abends vorgab. Mit seinen Arrangements hat Sambeat, der neben seinem diskreten Dirigat auch selber mal Altosax und Flöte spielte, verschiedene Formen (palos) der Flamencomusik berücksichtigt und sie mit der erweiterten Big Band in nahtlos miteinander verwobenen Kompositionen vorgeführt. Daraus resultierte ein abwechslungsreiches und kundenfreundliches Programm.

Seriöse Arbeit mit jungen Musikern

Obwohl die jazzigen Freiräume weitgehend fehlten, gefiel das Repertoire mit seinem dunklen und oft murmelnden Sound, den Interaktionen zwischen den Sections und vor allem den Solisten und Solistinnen, die sich am Bühnenrand in Szene setzten. In guter Erinnerung bleiben die Statements der Posaunistin Jasmin Lötscher, des Saxofonisten Michael Koller und des Trompeters Pascal Fernandes.

Sambeat hatte vier Tage mit den jungen Studierenden geprobt, die sich vor allem auch mit den komplexen Flamenco-Rhythmen auseinandersetzen mussten. Da wurde offenbar seriös gearbeitet, zumal das Niveau der Studierenden das auch erlaubte. «Es sind alles ausgezeichnete Musikerinnen und Musiker», lobte Sambeat sein Ad-hoc-Orchester und stellte die Protagonisten auch gleich einzeln dem Publikum vor. Musikalische Qualität brachten nicht zuletzt die Sängerin Esrin Sossai und Gitarist Vicente Cortés, die zusammen mit den grazil-leidenschaftlichen Tanzeinlagen von Isabel Amaya für den überzeugenden Gesamteindruck sorgten.

Die Zugabe war eine Komposition, bei der sich Sambeat auf der Grundlage der kubanisch beeinflussten Flamenco- Form «Guajira» von Duke Ellington inspirieren liess. Leidenschaft, Bläsersound und Swing gingen in «Guajira para Duke» eine Verbindung ein. «Wer weiss», meinte Sambeat mit einem Lächeln, «vielleicht wird irgendwann auch Swing zu einer Form des Flamenco.»

Festival «Szenenwechsel»: Noch bis 1. Februar; www.hslu.ch/de-ch/musik