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LEIPZIGER BUCHMESSE: Litauen, Comics und Gesellschaftskritik

Morgen startet in Leipzig eine der grössten Buchmessen im deutschsprachigen Raum. Die Branche sucht auch nach Antworten, wie es in schwierigen Zeiten weitergehen kann.
Bücher sind beliebt: Die Leipziger Buchmesse bestätigt sich als Besuchermagnet. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Bücher sind beliebt: Die Leipziger Buchmesse bestätigt sich als Besuchermagnet. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Vier Tage lang ist Leipzig wieder das Mekka für Autoren, Verlage und Literaturfreunde. Zuletzt feierte der Frühjahrstreff der Branche Besucherrekorde. Letztes Jahr kamen 260000 Besucher. Rund 3400 Veranstaltungen auf 570 Bühnen stehen auf dem Programm. Das sind die Highlights:

Gastland: Vor 15 Jahren war Litauen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Zeit für die kleine baltische Republik, nun in Leipzig als Schwerpunktland auf sich aufmerksam zu machen (siehe Box). 26 neuübersetzte Bücher haben die Litauer im Gepäck. Im Rahmenprogramm gibt es Ausstellungen, zum Beispiel ein Fotoprojekt zum Dichter Johannes Bobrowski aus dem Memelland, oder eine Oper im Dunkeln.

Neuland: Gelesen wird immer werden – die Frage ist nur, wie und worauf. Auch die Buchbranche sucht nach Antworten, wie die Zukunft der Literaturvermittlung abseits des klassischen Papierbuches aussieht. Die Messe hat darauf mit dem Projekt «Neuland 2.0» reagiert. Das Start-up-Village stellt 15 Ideen rund um Apps, digitales Publishing und Online-Lernplattformen vor. Der Publikumsfavorit des Vorjahres war die App Papego, die ein Weiterlesen der nächsten Seiten eines Buches auf mobilen Geräten ermöglicht.

Kaltland: Unter dem Hashtag #Kaltland sammeln Twitter-­Nutzer Beobachtungen, die für sie ein rauer werdendes gesellschaftliches Klima und offenen Rassismus beschreiben. Die hohe Flüchtlingszuwanderung beschäftigte auch Autoren. Die deutsche Journalistin Jasna Zajcek etwa lieh das Schlagwort «Kaltland» als Titel für ihr Buch, gefüllt mit Sozialreportagen.

Die Buchmesse greift den aufstrebenden Rechtspopulismus in Europa in der Reihe «Im Brennpunkt» auf – und lässt ­Autoren wie Eva Menasse, Ingo Schulze und Serhij Zhadan zu Wort kommen.

Ausland: Die Einschränkungen der Meinungsfreiheit in der Türkei werden im politischen Programm der Buchmesse eine ­Rolle spielen. Im Büchermacher-­Forum «How indie are you» geht es um das unabhängige Publizieren. In Deutschland wird dann meist über kleinere Verlage geredet, aber was bedeutet unabhängiges Publizieren in der Türkei?

Auch im Themenschwerpunkt Europa 21 rückt die Türkei in den Fokus. Die TV-Journalistin Banu Güven, die wegen eines Interviews mit einem kurdischen Politiker ihren Job verlor, wird eine Diskussion zu Demokratie und Rechtsruck moderieren.

Fantasyland: Keine Leipziger Buchmesse ohne Pikachu, Star-Wars-Kämpfer und quietschbunte japanische Manga-Figuren: Zu Tausenden strömen die Comic- und Cosplay-Fans in ihren oft selbst geschneiderten Kostümen auf das Messegelände. Die Manga-Comic-Con, die eigens für sie kreierte Messe innerhalb der Buchmesse, öffnet in diesem Jahr zum vierten Mal ihre Tore.

Franziska Höhn (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

Literatur über chaotische Zeit

Litauen steht dieses Jahr im besonderen Fokus der Leipziger Buchmesse. Pro Jahr erscheinen nur zwei bis vier litauische Bücher auf Deutsch. Der Schweizer Übersetzer Markus Roduner (50) hat bis jetzt rund 15 solcher Übersetzungen gemacht.

Auf die Frage, was die Hauptthemen der aktuellen litauischen Literatur sind, meint er: «Es gab lange die Tendenz, über die Ereignisse, die man zu Sowjetzeiten nicht behandeln durfte – etwa die Geschichte der antisowjetischen Partisanen oder der Deportationen –, zu schreiben. Da gab es natürlich Nachholbedarf.» In den letzten paar Jahren habe es eine Hinwendung zu den frühen 90er-Jahren gegeben – «zu dieser absolut chaotischen Zeit». Dies habe man auch im Nachbarland Lettland beobachten können.

Roduner lebt seit 1992 in Litauen und erlebte die Zeit nach der Wende. Vieles sei da zunächst zusammengebrochen. «Ich habe damals im Aussenministerium gearbeitet und umgerechnet 30 Dollar pro Monat verdient. Das war etwa das Doppelte der anderen.» Doch mit 30 Dollar habe man auch damals in Litauen nicht überleben können. «Jeder hat sich irgendwie durchgewurstelt, Geschäfte gemacht. Autoren, die das miterlebt haben, greifen das heute verstärkt auf.»

Litauische Literatur hat es schwer auf dem deutschsprachigen Büchermarkt. Roduner sieht den Grund dafür, dass gerade die grossen Verlage an Risikobereitschaft eingebüsst hätten. Er hofft auf die EU: «Diese könnte sich vermehrt dafür einsetzen, dass die Literaturen der kleineren Sprachen in die grossen Sprachen übersetzt werden.»

Birgit Zimmermann (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

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