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LEKTÜRE: Die witzige Tour de Suisse

Ein neues Buch zeigt die Tour de Suisse von einer noch nie beleuchteten Seite. Comics und Cartoons prägen die Geschichten zur Geschichte des grössten Schweizer Velorennens.
1932 am Oberalppass: Die Organisatoren auf der Suche nach passenden Strecken. Ein Jahr später findet die erste Tour de Suisse statt (Bild: Zeichner: Pierre Wazem)

1932 am Oberalppass: Die Organisatoren auf der Suche nach passenden Strecken. Ein Jahr später findet die erste Tour de Suisse statt (Bild: Zeichner: Pierre Wazem)

Daniel Good

Es war ein Floh im Ohr, mehr nicht. Felix Schaad, der Karrikaturist des «Tages-Anzeigers», schickte seinem Freund, dem Grafiker, Zeichner und ehemaligen Radrennfahrer Marc Loca­telli per Post einen französischen Comic-Band «La vie secrète du Tour». Ein Buch über die Tour de France mit gezeichneten Geschichten aus dem Innenleben des bedeutendsten Radrennens der Welt. Viel musste Schaad, auch er ein «Gümmeler», nicht sagen. Der Floh hatte den Weg in Locatellis Ohr gefunden – und liess es nicht mehr los. Auch wenn es für den Zeichner zuerst nur eine Utopie war. Er wusste aus eigener Erfahrung, wie gross der Aufwand für eine gezeichnete Seite ist, und er wusste: Das lässt sich nie finanzieren. Aber warum nicht doch daran glauben und im Kollegenkreis darüber reden? Mit einem Schreiber zum Beispiel wie dem Freund aus gemeinsamen Veloferien, dem altgedienten Sportjournalisten Martin Born, der an einem Buch zur Tour de Suisse mitgearbeitet hat? Oder anderen Zeichnern? Freunden aus dem «Velokuchen»?

Es lohnte sich. Aus der Utopie wurde ein Projekt und innerhalb eines Jahres passierte, was Locatelli selber nie für möglich gehalten hätte: Anfang April wurde der Comic-Band «Tour de Suisse. Geschichten zur Geschichte» im Rahmen des Urban Bike Festivals in Zürich West getauft. Genau ein Jahr, nachdem das Projekt an gleicher Stelle mit einem Crowd Funding bei Wemakeit.com lanciert worden war. Mit einer Internet-Geldsammlung, bei der 260 kleine und grosse Spender mithalfen, das ehrgeizige Ziel von 50 000 Franken zu übertreffen. 50 000 Franken, die sich bei Sponsoren, die ein Interesse am Buch hätten haben müssen, nicht zusammentrommeln liessen. Da geht es Herausgebern nicht besser als Veranstaltern, die auf Betteltour gehen.

30 Zeichner mit 30 Stilen

Es war ein Akt der Solidarität unter Freunden aus dem Velo- und dem Zeichner-«Kuchen». Auch ehemalige Profis, die selber Tour-de-Suisse-Geschichte schrieben, halfen mit und waren bei beiden Anlässen als Interviewpartner dabei: Urs Zimmermann, der Sieger von 1984, Fabian Jeker, Albert Zweifel, Sepp Fuchs, Kurt Betschart, Sergio Gerosa. Bei der Lancierung erzählten sie ihre Tour-Geschichte, von denen einige den Weg ins Buch fanden. Dazu gehört auch Daniel Wyders Tour von 1990. Weil seine Frau hochschwanger war, platzierte er ein Funktelefon, das noch kein Handy war, im Mannschaftswagen. Es blieb stumm. Wyder wurde erst eine Woche nach der Tour Vater.

Bei der Taufe freuten sich alle über das, was entstanden war: Ein Werk von einzigartiger Vielfalt, das nicht nur – wie das der Titel suggeriert – die Geschichte der Tour de Suisse erzählt, sondern auch einen tiefen Einblick in die Schweizer Comic-Szene erlaubt. Auf den 80 Seiten prallen die unterschiedlichsten Illustrationsstile, die unterschiedlichsten, eigenwilligsten Arten, eine Geschichte zu erzählen, aufeinander. Im Buch sind 30 verschiedene Zeichner vereinigt, und keiner gleicht dem anderen. Die beiden bekanntesten sind Felix Schaad vom «Tages-Anzeiger» und Peter Gut von der «Neuen Zürcher Zeitung».

Schaad knüpfte sich den sportlichen Höhepunkt der 83-jäh­rigen Geschichte der Schweizer Rundfahrt vor, das ­Duell der beiden K im Jahr 1951. Ferdy Kübler, Tour-de-France-Sieger, gegen Hugo Koblet, Giro-Sieger. Er war fasziniert von diesem Vergleich, bei dem der eine dem anderen davon- oder hinterherfuhr, und der am zweitletzten Tag nach einem epischen Zweikampf am Flüelapass entschieden wurde. Die Inspiration fand Schaad nicht nur aus Schilderungen in der Presse, sondern auch aus einem Youtube-Film mit der «Wochenschau»-Aufnahme aus dieser Zeit. Er war fasziniert, was man der Umsetzung auch ansieht. Das Highlight: Ferdy im «Goldtrikot», erschöpft am Boden sitzend.

Gut entschied sich für eines der zehn ganzseitigen Porträts, mit denen die Comic-Geschichten unterbrochen werden und die dem Band einen festen Halt geben. Porträtiert werden alle jene Figuren, die die Geschichte der Tour de Suisse prägten, von Karl Litschi, dem ersten Schweizer Tour-Sieger, über Hugo Koblet, Eddy Merckx, Sepp Voegeli und Beat Breu bis zu Fabian Cancellara. Den letzten Schweizer Sieger knöpfte sich Gut vor – das Ergebnis zeigt nicht den eleganten Stilisten, sondern den nach einem Rennen erschöpften, aber glücklichen Fabian Cancellara.

Als Kontrast die Texte

Die Texte zu den Porträts stammen vom Journalisten Martin Born, der auch die Episoden-Kiste zusammenstellte, in denen die Zeichner wühlen und das Passende auslesen konnten. Sie bilden einen Kontrast zu dem, was in den Comics mit Fantasie erzählt wird – und sind dafür verantwortlich, dass all jene, die das Buch Zeichnung für Zeichnung, Zeile für Zeile durchlesen, zuletzt wissen, was die Tour de Suisse ist und was sie bedeutet.

So wie es in Borns Einleitung steht: «Die Tour de Suisse ist mehr als ein Velorennen. Sie ist nationales Kulturgut, gehört zu uns wie der erste August, die Lauberhornabfahrt und Roger Federer. Sie ist ein Mythos, ein Teil unserer Geschichte, bestehend aus Geschichten, die der Radsport schrieb, als noch nicht alles bis ins letzte Detail geregelt war, als die Fahrer keine Knöpfe im Ohr hatten, als sie als Helden bewundert wurden, weil sie so leiden konnten, wie wir uns das nie zutrauen würden, weil sie schlau waren oder sich übers Ohr hauen liessen, wie das im Leben so ist. Zum Glück aber nur halb so ernst, weil es ist ja nur Sport.»

Fabian Cancellara, der letzte Schweizer Sieger. (Bild: Zeichner: Peter Gut)

Fabian Cancellara, der letzte Schweizer Sieger. (Bild: Zeichner: Peter Gut)

Das Grösste aller Duelle: Ferdy Kübler (rechts) gegen Hugo Koblet. (Bild: Zeichner: Felix Schaad)

Das Grösste aller Duelle: Ferdy Kübler (rechts) gegen Hugo Koblet. (Bild: Zeichner: Felix Schaad)

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