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LESEN: Erfolgreich mit Frauenliteratur

Jojo Moyes ist mit ihren Büchern seit bald drei Jahren in den Bestsellerlisten vertreten. Frauenliteratur muss sich aber trotzdem immer gegen Vorwürfe wehren.
Katja Fischer De Santi
Sie hat gut lachen: Jojo Moyes ist mit ihren Büchern für Frauen steinreich geworden. (Bild: Keystone)

Sie hat gut lachen: Jojo Moyes ist mit ihren Büchern für Frauen steinreich geworden. (Bild: Keystone)

Sie steht jeden Tag um sechs Uhr auf. Trinkt noch im Bett einen Kaffee, stopft sich ein Kissen in den Rücken und schreibt los. 500 Zeichen, bevor die drei Kinder aufstehen, und nochmals so viele am Nachmittag, wenn sie in der Schule sind. An Jojo Moyes Leben ist nichts glamourös – ausser dem Umstand, dass sie zu den zurzeit erfolgreichsten Autoren der Welt gehört. In Buchhandlungen belegen ihre dicken Wälzer eigene Auslagetische. Ihr erfolgreichster Roman «Ein ganzes halbes Jahr» verkaufte sich weltweit über drei Millionen Mal und wurde in 34 Sprachen übersetzt. Alle ihre nachfolgenden Bücher wurden wie selbstverständlich ebenfalls Bestseller. Zeitweise befanden sich drei Moyes-Titel gleichzeitig auf den Bestsellerlisten. Ein Ende ihres Erfolgs ist nicht absehbar.

Ein fragwürdiges Genre

Es ist ein Erfolg, den Jojo Moyes den Frauen und nur den Frauen zu verdanken hat. Ihre Hauptfiguren sind immer Frauen, ihre Leserinnen sind ausschliesslich Frauen – wenn überhaupt, lesen Männer Moyes nur heimlich. Was wiederum dem Umstand geschuldet ist, dass ihre Bücher unter dem fragwürdigen Genre «Frauenliteratur» vermarktet werden. Fragwürdig deswegen, weil die literarische Abwertung stets mitschwingt. Auch wenn der Begriff per Definition «von Frauen geschriebene Literatur über Frauen» meint.

Umgangssprachlich werde der Begriff heute als Synonym für Trivialliteratur gebraucht, sagt auch Carina Gröner, Assistentin am Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur an der Universität St. Gallen. Was vor allem daran liege, dass sich Bücher für Frauen von Frauen richtig gut verkaufen. «Die Verlage machen mit den Frauen, den Lesenden und den Schreibenden, ihr Geld», sagt Gröner. Und was viel Umsatz generiert, was marktgerecht und zuverlässig produziert werden kann, das hat den schlechten Ruf schnell weg. Das kann keine Kultur, keine grosse Kunst sein, sondern dient alleine der Unterhaltung.

Stossend daran ist nicht die Unterscheidung, beides hat seine Berechtigung, sondern die abwertende Zuordnung zum weiblichen Geschlecht. Frauen mit literarischem Anspruch müssen stets beweisen, dass sie nicht nur «Frauenliteratur» schreiben, vor allem dann, wenn sich ihre Themen um Familie, Beziehungen und Liebe drehen.

Gleiche Themen, anderes Regal

Die amerikanische Schriftstellerin Meg Wolitzer etwa erzählt die Anekdote, wie sich auf einer Party jemand erkundigt hätte, worüber sie schreibe. «Über Zeitgenössisches. Manchmal über Ehepaare, Familien, Sex», antwortete Wolitzer. Worauf der Gast meinte, solche Bücher lese nur seine Frau. Wolitzer hat acht Romane veröffentlicht, drei wurden verfilmt.

Schreiben Männer über Familien und Beziehungen, spricht man von Literatur; schreibt eine Frau über genau dasselbe, wird das Bild eines kleinen Mädchens auf den Umschlag des Buchs geknallt, und dieses kommt nicht in das Regal «Literatur», sondern «Frauenliteratur».

Auch Schweizer Autorinnen wie Milena Moser leiden unter dem Begriff. In einem Interview sagte sie: «Mich nervt dieses Etikett ziemlich. Ich bin eine Frau, und die meisten meiner Hauptfiguren sind Frauen, na und? Der Begriff ‹Frauenliteratur› hat immer etwas Abwertendes, das finde ich besonders stossend. Als ob bei meinen männlichen Kollegen nicht auch vor allem Frauen in den Lesungen sitzen würden.»

Die ewige Suche nach Mr. Right

Erfolgsautorin Moyes selbst hat ihren Frieden mit der «Frauenliteratur» geschlossen. Erstens ist sie reich geworden, und zweitens scheinen Buchkritiker eigens für sie das Genre um die «intelligente Frauenliteratur» ergänzt zu haben.

Der Grund: Moyes setzt auf einen anderen Typ Frau als Protagonistin. Mitte der 1990er-Jahre hatten sich die Prosecco schlürfenden Grossstadtdamen auf der Suche nach Mr. Right epidemisch in Romanen mit Titeln wie «Suche impotenten Mann fürs Leben» ausgebreitet. Zwischen rosa Buchdeckeln wurde geheult, getratscht und jedes SMS des Liebsten analysiert. Der Ton: selbstironisch-beschwipst. Der Plot: Wie kriege ich das Leben auf die Reihe und sehe dabei stets gut aus. Die Protagonistinnen; Karrierefrauen, geplagt von Selbstzweifeln.

Mit Bridget Jones trat dann um die Jahrtausendwende der Prototyp der «Chick Lit»-Heldin auf den Plan. Jones arbeitet in der Medienbranche; sie liebt den Falschen, der ihr Chef ist; sie hört die biologische Uhr ticken; und sie führt einen ebenso beständigen wie aussichtslosen Kampf um ihr Idealgewicht.

Moyes Frauen sind das komplette Gegenteil davon. Sie leben nicht in der Grossstadt. Sondern in irgendeinem Kaff, aus dem sie es nie herausgeschafft haben. Sie sind arbeitslose Kellnerinnen. Oder alleinerziehende Mütter, die in zwei Jobs gleichzeitig arbeiten.

Optimistinnen ohne Prinzen

Natürlich weiss auch Moyes, dass es ohne Liebesgeschichte nicht geht und dass dieser Mann besser sein muss als alle anderen und reich gerne auch. Aber in ihrem erfolgreichsten Buch «Ein ganzes halbes Jahr» ist dieser Mann komplett gelähmt, in einem anderen hat er die Polizei am Hals. Prinzen stellt man sich anders vor. Aber Moyes Frauen sind keine dummen Prinzessinnen. Sie sind unverbesserliche Optimistinnen, nicht perfekt, aber stark, das Leben zu meistern. Zur Not auch ohne Mr. Right.

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